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Kolumne

Game over, Familie Over!

Auf dem Melaten-Friedhof in Köln ruht die Familie Over.
Das Grab der Familie Over auf dem Melaten Friedhof in Köln. (Bild: Yvonne Imbach)

Das Grab der Familie Over auf dem Melaten Friedhof in Köln. (Bild: Yvonne Imbach)

Namen schenken Orientierung. Manchmal sogar eine Bestimmung. Meine Zahnärztin heisst Locher. Ich glaube, sie hat ihre Berufswahl nie hinterfragt. Eine Freundin von mir heisst Killer – bei ihr hat beim Grenzübertritt in die USA auch schon mal ein Maschinengewehr nervös gezuckt. Ich bin mit meinem Namen raus aus der Schusslinie. Im Briefverkehr hält man mich zwar für einen Mann. Doch das ist ok so.

Die Familie Over auf dem Kölner Melaten Friedhof ist dort angekommen, wo sie dem Namen nach schon immer hingehörte: an ihr Ende. «Game over» für Familie Over! Seit 1999 liegt Luise Over auf dem ältesten Friedhof der Stadt Köln begraben. Prominente wie der Schauspieler Dirk Bach (1961–2012) oder die Schriftstellerin Irmgard Keun (1905–1982) teilen mit ihr dieselbe gute Adresse, die zwar nicht vor neugierigen Blicken schützt – zu viele promisüchtige Friedhofsflaneure! –, dafür aber denkmalgeschützt ist. Im Hinblick auf die geringe Lebensdauer von Gräbern befindet sich die Immobilie am Grabflur 66.A also an bester Adresse.

Ich stelle mir vor, welche Probleme Frau Over hatte, als ihr Leben noch nicht «over» war. Wie sie sich am Telefon mit ihrem Familiennamen meldete, und der Mensch an der anderen Leitung, der Funkersprache mächtig, das als Gesprächs­abbruch missdeutete.

Da ich Frau Over nicht mehr selbst zu diesen Widrigkeiten ihres Lebens befragen kann, dem sie seit fast zwanzig Jahren abgeschworen hat, habe ich einfach Angelika Schmitz von der Friedhofsverwaltung angerufen. Frau Schmitz hat mit ihrem Namen auch so ihre Probleme, erzählt sie mir. Es gibt zu viele von ihrer Sorte. Deshalb muss sie damit leben, dass die Mailadresse, die ihr die Stadtverwaltung zugeteilt hat, mit «angelika.schmitz1» beginnt.

Von Frau Schmitz habe ich erfahren, dass sich hinter dem grossen Familiengrab der Familie Over eigentlich ein grosses «Knock over» verbirgt. Ja, da hat eine Frau ein alt-ehrwürdiges, denkmalgeschütztes Familiengrab ganz legal umgestürzt. Denn die hier begrabene Luise Over würde gar nicht hier liegen, hätte sie 1994 nicht eine Patenschaft für das Grab einer fremden Familie übernommen.

In Köln geht das nämlich nicht nur für Patenkinder, auch für Gräber! Seit 1981 retten die Kölner mit Patenschaften Gräber vor der Verwesung. Besonderes Zückerchen: Der Pate kriegt fürs Pflegen des fremden Grabes dann gleich noch ein Liegerecht.

Da hat Luise Over nicht lange «over»-legt. Sie hat ihr eigenes Familienschild anbringen lassen und liess das alte entfernen. Ob sie dafür eine Genehmigung vom Stadtkonservator hatte, darüber herrscht zwischen ihr und der Verwaltung Grabesstille. Aber ich glaube, sie aus ihrer letzten Ruhestätte ein «Game over» flüstern zu hören. Manchmal sind Verlierer eben doch die heimlichen Gewinner.

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