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Game Over für Videospiel-Bars in Japan

Seit Jahren schiessen Game Bars in ganz Japan wie Pilze aus dem Boden. Dabei sind solche Bars urheberrechtlich illegal. Seit Anfang Jahr greifen die japanischen Behörden durch – doch nicht alle Betreiber wollen kampflos aufgeben.
Federico Gagliano
Das Innere der Game Bar «Space Station» in Osaka. Kunden dürfen in der Bar beliebige Videospiele auf Konsolen spielen, solange sie konsumieren. (Bild: PD)

Das Innere der Game Bar «Space Station» in Osaka. Kunden dürfen in der Bar beliebige Videospiele auf Konsolen spielen, solange sie konsumieren. (Bild: PD)

Die Situation erinnert an die Basler Wirte, die 2010 versuchten, das im April eingeführte Rauchverbot zu umgehen. Durch die Gründung des Vereins «Fümoar» verzichteten sie darauf, eine öffentlich zugängliche Wirtschaft zu führen, um trotzdem weiterpaffen zu können. Der Versuch scheiterte schlussendlich vor dem Bundesgericht.

Ein ähnlicher Vorgang lässt sich nun in Japan beobachten: Auslöser ist kein Rauchverbot, sondern strenge Copyright-Gesetze im Zusammenhang mit Videospielen. Seit Anfang Jahr mussten mehrere Videospiel-Bars, Game Bars genannt, im ganzen Land schliessen, einige Besitzer wurden sogar verhaftet. Nun suchen die verbleibenden Lokale nach Lösungen, um ihr Ende abzuwenden.

Spiele vermieten ist illegal

Das Konzept einer solchen Game Bar ist simpel: Kunden dürfen alle Konsolen in der Bar nutzen, solange sie etwas konsumieren. Das Angebot reicht von älteren Konsolen aus den 80er- und 90er-Jahren bis hin zur neuesten Konsolengeneration. In herkömmlichen japanischen Spielhallen findet man nur spezifische Arcade-Spiele, bei denen man für jede Spielrunde bezahlen muss – ausserdem werden keine alkoholischen Getränke serviert.

Die japanische «Association of Copyright for Computer Software» (ACCS), ein von Software-Unternehmen finanzierter Verband, machte schon 2011 darauf aufmerksam, dass Game Bars gegen das Gesetz verstossen. In Japan ist es nämlich illegal, urheberrechtlich geschützte Bilder aus Videospielen an öffentlichen Orten auf Fernsehern oder Monitoren zu zeigen, sofern man keine Erlaubnis vom Hersteller besitzt. Zusätzlich bieten manche Bars Videospiele zum Verleih an – was in Japan ebenfalls seit 1984 verboten ist. Software-Hersteller, allen voran der Videospiel-Gigant Nintendo, setzten sich damals für ein Verbot ein, um die zunehmende Software-Piraterie zu bremsen. Die japanische Legislative ist bekannt dafür, den Wünschen von Grossunternehmen gerne nachzukommen.

Beliebt bei Touristen und Einheimischen

Trotzdem vermehrten sich Game Bars über die Jahre schlagartig. Inzwischen findet man sie weit oben auf Online-Bewertungsplattformen wie Tripadvisor. Besonders in und um die Grossstadt Osaka wurden mehrere solcher Bars, oft von Einwanderern, gegründet. Dazu gehört beispielsweise die Game Bar «Space Station», welche sich in Osaka nahe der Ausgangsmeile Dotonbori befindet. Die Bar ist bei Touristen und Einheimischen beliebt – zurzeit ist sie aber geschlossen. In einem Interview mit dem Youtube-Kanal «Super Bunnyhop» erzählte Matt Bloch, Gründer von «Space Station», dass er anfangs nur Probleme mit dem Erhalt seines Arbeitsvisums hatte: «Das war der schwerste Teil. Das Eröffnen der Bar war dagegen kein Problem.» Paradoxerweise braucht man in Japan nämlich kein Wirtepatent, um alkoholische Getränke zu servieren. Das Problem sei von Anfang an die Copyright-Frage gewesen, die wie ein Damoklesschwert über den Besitzern der Game Bars hing.

Da die japanischen Behörden aber jahrelang keine Anstalten machten, gegen die Verstösse vorgehen zu wollen, wähnten sich die Wirte in Sicherheit. Nun die Wende: Im April gaben drei Bars bekannt, bis Ende Juli den Betrieb einzustellen. Die ACCS gab an, zuvor das Management der betroffenen Bars gewarnt zu haben, dass diese gegen Urheberrechtsgesetze verstiessen. Im Juni dann der nächste Schlag: Vier Besitzer verschiedener Game Bars in Kyoto und Kobe wurden im Juni verhaftet. Die japanische Tageszeitung «Yomiuri Shimbun» nannte die Fälle «die ersten ihrer Art». Die Bars standen zusätzlich im Verdacht, Spiele vermietet zu haben.

Besitzer suchen unterschiedliche Lösungen

Um sich zu schützen, haben nun viele Bars ihre Konsolen vorübergehend entfernt – oder den Betrieb vollständig eingestellt. Während sich viele japanische Barbesitzer ihrem Schicksal kampflos ergeben, suchen einige nach einer Lösung für das Problem. Versuche, mit den Software-Unternehmen einen Dialog herzustellen, wie es hierzulande der Fall ist (siehe Kasten), sind bisher jedoch gescheitert. Andere verwenden keine Heimkonsolen mehr, sondern spezielle Versionen für Showzwecke, wie sie in Warenhäusern oder Fast-Food-Lokalen anzutreffen sind. Andere beschränken den Zugang auf Mitglieder, wie es die Basler Wirte versuchten.

Alex Fraioli, Besitzer einer Game Bar in Nagoya, hat laut «Super Bunnyhop» dank eines Rechtsberaters eine ganz andere Lösung gefunden: Er habe nun vor, eine Ladenlizenz zu erwerben und seine Bar in einen Shop für gebrauchte Spiele zu verwandeln. Die Kosten dafür betragen laut Fraioli rund 200000 Yen, umgerechnet rund 1800 Schweizer Franken. Er dürfe zwar nach dem Wechsel weiter Getränke und Essen verkaufen, allerdings könne er sein Geschäft dann nicht mehr als Bar bewerben. Bloch und Fraioli raten trotzdem allen Reisenden, sicherheitshalber vorerst auf Social Media zu überprüfen, ob ihre Bars geöffnet haben, bevor man sich auf den Weg dorthin begibt. Klar scheint, dass Game Bars in ihrer heutigen Form bald der Vergangenheit angehören werden.

In Luzern geben Spieleunternehmen die Regeln vor

Die Stadt Luzern besitzt zwar bisher keine Game Bars, trotzdem gibt es einen Ort, an dem man auch zu später Stunde noch auf Nintendos Konsolen zocken kann. Im Gameplace beim Kasernenplatz treffen sich Leute jeden Alters, um Karten-, Brett- oder Videospiele zusammen zu spielen. Die Türe ist 24 Stunden geöffnet, der eigentliche Laden hat aber die üblichen Öffnungszeiten. Sandro Carlucci, Geschäftsführer und Mitgründer des Gameplace, erklärt, wieso das möglich ist: «Wir sind Laden und Treffpunkt zugleich. Die Kasse schliesst, wenn auch andere Läden schliessen. Aber als Treffpunkt dürfen wir trotzdem vor und nach den Ladenöffnungszeiten offen bleiben.» In der Zentralschweiz ist der Gameplace einzigartig, in der ganzen Schweiz gibt es nur eine Hand voll solcher Orte. Die Nintendo-Konsolen im Gameplace sind kein Problem: Dank einer Partnerschaft mit dem japanischen Videospielhersteller ist Carlucci auf der sicheren Seite.

Vorgaben einzuhalten, sei nicht schwer

Um eine solche Partnerschaft zu erreichen, müsse man aber zuerst bestimmte Kriterien erfüllen, sagt Carlucci. Unternehmen bestünden auf eine produktgerechte Umgebung, erklärt er. Im Gameplace finden zum Beispiel regelmässig Turniere des beliebten Fantasy-Kartenspiels «Magic: the Gathering» statt. Die Regeln für das Organisieren solcher Turniere sind weltweit standardisiert. «Turniere müssen beispielsweise immer öffentlich sein. Jeder darf teilnehmen, niemand darf ausgeschlossen werden», sagt Carlucci. Die Vorgaben einzuhalten, sei nicht sehr schwer: «Gesunder Menschenverstand reicht, um keine Probleme zu bekommen.» Er könne aber nicht ausschliessen, dass sich diese Regeln auch mal ändern könnten. Momentan hat er nichts zu befürchten: Der Gameplace ist ein fester Treffpunkt für die Zentralschweizer «Super Smash Bros.»-Community. Im Spiel treten Nintendos Helden wie Mario, Link oder Kirby gegeneinander an, inzwischen sind auch Figuren aus anderen japanischen Videospielklassikern dazugestossen. Die Reihe hat eine treue internationale Anhängerschaft, offizielle Turniere werden regelmässig auch in der Schweiz veranstaltet. Das nächste Turnier findet am 15. September an der Zurich Game Show statt – allerdings werden Spieler dort nicht in «Super Smash Bros.» antreten, sondern in Nintendos buntem Team-Shooter «Splatoon 2» für die Nintendo Switch. Das Siegerteam wird sich für die Splatoon-Europameisterschaft qualifizieren, die im Frühjahr 2019 stattfinden wird. Interessierte können sich seit vergangenem Donnerstag online registrieren, benötigt werden vier Stamm- und ein Ersatzspieler. (fg)

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