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«Ganze Populationen von Lebewesen können ausgerottet werden»: Mit der Gen-Schere gegen die Malaria

Jedes Jahr sterben eine halbe Million Menschen an Malaria: Eine neuartige Methode der Genmanipulation könnte die Krankheit nun eindämmen. Doch leidet das Ökosystem darunter?
Bruno Knellwolf
Eine Utopie könnte wahr werden: Dank Genmanipulation sollen Malaria-Mücken ausgerottet werden können. (Bild: Shutterstock)

Eine Utopie könnte wahr werden: Dank Genmanipulation sollen Malaria-Mücken ausgerottet werden können. (Bild: Shutterstock)

Malaria ausrotten! Mit der Gen-Editier-Methode Gene-Driving könnte diese Utopie Wirklichkeit werden. «Mit dieser Methode können ganze Populationen von Lebewesen ausgerottet werden», sagt Alexander Lang, Autor der Studie «Genome Editing», die gestern in Bern vorgestellt worden ist.

Gene-Driving ist eine beschleunigte Evolution. In der Keimbahn eines Tieres kopiert sich mit dieser Methode ein manipuliertes Turbo-Gen von einem Chromosom auf das andere, sodass alle Spermien oder Eizellen das Gen enthalten. Das wird somit an sämtliche Nachkommen vererbt. So verbreitet es sich immer weiter, bis die ganze Population betroffen ist. Die Moskitos tragen dann wegen des Gene-Drivings zwei schadhafte Fortpflanzungsgene auf sich. Malaria-Mücken könnten so ausgerottet werden.

Auch für militärische Zwecke nutzbar

Tönt gut, immerhin sterben eine halbe Million Menschen jedes Jahr an Malaria. Mit dem Eingriff tötet man allerdings mit der Mücke nur den Transporteur des Malaria-Parasiten, nicht den Parasiten selbst. «Gene-Driving könnte zudem das gesamte Ökosystem in Unordnung bringen. Zudem kann das Verfahren auch für militärische Zwecke genutzt werden», warnt Lang.

Gene-Driving ist eine von sechs in der Studie untersuchten Anwendungen der neuen Technik des Genom-Editings, der Gen-Schere. Mit dieser Genomchirurgie nutzt man den zelleigenen Reparaturmechanismus am Erbgut, um dieses zu verändern. Das ermöglicht schnellere und präzisere Eingriffe in die Erbsubstanz als die herkömmliche Gentechnik. Diesem molekularen Skalpell am Erbgut wird einige Skepsis entgegengebracht. Es lässt aber auch viele hoffen, die an einer schweren Krankheit leiden.

Viel Skepsis

In der Studie, die von der TA-Swiss in Auftrag gegeben wurde, welche die Risiken und Chancen neuer Technologien abschätzt, werden neben dem Gene-Driving weitere fünf Anwendungsbereiche der Gen-Schere untersucht: Xenotransplantation, Somatische Gentherapie, Keimbahntherapie sowie die Pflanzen- und Tierzucht. Viel Skepsis gibt es auch bei den Keimbahntherapien. Zwar kann man damit vererbbare Erkrankungen lindern oder heilen, wenn ein bestimmtes Gen dafür verantwortlich ist. Diese Manipulationen in der Keimbahn vererben sich aber auf die nächste Generation, weshalb diese Therapie in der Schweiz verboten ist.

Verhindert werden könnte mit dieser Keimbahntherapie zum Beispiel Trisomie 21 oder Kleinwüchsigkeit. Da stelle sich die ethische Frage, was denn normales oder gesundes Leben sei, so Alexander Lang.

Viele nützliche Anwendungen

Weniger problematisch aus Sicht der Studienautoren sind die anderen untersuchten Anwendungen. Das Schwein als Spendertier mit einem durch die Gen-Schere angepassten Spenderherzen gibt es bereits. Wenn auch nur für einen Pavian. Darauf, dass einem Menschen ein Schweineherz eingesetzt wird, werde man aber wohl noch Jahre warten, sagt Lang. Man wisse zudem noch nicht, welche Reaktion das tierische Spenderorgan im Menschen habe. Auch ethische Fragen zum Tierwohl und der Würde des Tieres sind ungeklärt.

Moritz Leuenberger, TA-Swiss-Präsident. (Bild: KEYSTONE / GAETAN BALLY)

Moritz Leuenberger, TA-Swiss-Präsident. (Bild: KEYSTONE / GAETAN BALLY)

Wenig umstritten sind der Einsatz des Genom-Editings bei der Pflanzenzucht. Zumal damit oft die gleichen Ergebnisse erreicht werden wie mit den herkömmlichen Kreuzungs- und Zuchtverfahren, wie TA-Swiss-Präsident Moritz Leuenberger anmerkt. Auch die Tierzucht ist weniger in der Diskussion, auch wenn es für die Zucht von hornlosen Rindern mit der neuen Methode in der Schweiz wenig Akzeptanz gebe.

Mehr Zustimmung erhält die Somatische Gentherapie, die heute schon auch ohne Crispr/Cas9 angewandt wird. Gegen Infektionskrankheiten, Erbkrankheiten und Krebs. Zu reden geben hier eher die sehr hohen Kosten dieser Therapie für den Einzelnen. «Diese Technik kann man nicht über einen Kamm scheren», sagt Leuenberger. Das Für und Wider verlange nach einer differenzierten Betrachtung. Nur so könnten die Politik und die demokratische Gesellschaft die Weichen für die richtige Anwendung einer neuen Technik stellen.

Falsche Technologieängste abbauen

Bleibt die Frage, ob die Nutzung reguliert und der Missbrauch überhaupt verhindert werden kann. Ein Krebspatient, der mit einer Keimbahntherapie in den USA geheilt werden kann, wird sich durch ein Verbot in der Schweiz nicht von einer Reise abhalten lassen. Das stimme zwar, sagt Leuenberger. Trotzdem müsse ein demokratischer Staat zu einer so wichtigen Technologie eine Haltung und Meinung haben und diese auch global vertreten. Nur so könne dem Missbrauch begegnet, aber auch falsche Technologieängste abgebaut werden, die einem wirksamen Instrument in der Medizin und Ernährung im Wege stehen könnten.

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