Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kolumne

Gartenzeit: Wer Kürbisse auf dem Dach pflanzt, bekommt mehr als nur Deko

Kürbisse im Garten ziehen? Kein Problem für unsere Autorin, nachdem sie erst einmal den passenden Platz dafür gefunden hatte. Dafür musste sie bloss nach oben schauen: Kürbisse gedeihen bei ihr auf dem Dach.
Nicole Häfliger
Volle Sonne, gute Ernte: Kürbiszucht auf dem Dach des Gartenhäuschens. (Bild: Nicole Häfliger)

Volle Sonne, gute Ernte: Kürbiszucht auf dem Dach des Gartenhäuschens. (Bild: Nicole Häfliger)

Klein ist mein Garten nicht. Trotzdem, für den gewünschten Kürbis wollte sich einfach nie ein Platz finden. Keiner jedenfalls, an dem eine Pflanze mit meterlangen Ranken nicht im Weg gewesen und darum über kurz oder lang zu Tode getreten worden wäre. Füsse, Rasenmäher und Haustiere zeichnen sich gegenüber Dingen, die auf dem Boden liegen, nicht durch besondere Rücksichtnahme aus.

Wie also freute ich mich über meinen neuen gross angelegten Kompostplatz! Nebst der Tatsache, dass das Kompostieren nun viel praktischer war, bot sich fortan die ersehnte Kürbismöglichkeit.

Von den drei hölzern gerahmten Komposthaufen ist stets einer am Ruhen und Reifen. Einem Hochbeet nicht unähnlich, mit der Einschränkung, dass auf diesem Überangebot an Nährstoffen nur Starkzehrer zufriedenstellend gedeihen. Besonders hungrige Gewächse also wie Sonnenblumen, Tomaten, Kartoffeln oder eben Kürbisse. Auf Komposthaufen haben Letztere den Vorteil, dass man bei der Ernte weder auf eine Leiter steigen noch graben muss.

Und dann legten die Ranken los

Frohgemut setzte ich gleich zwei Kürbispflanzen und sah ihnen wohlwollend dabei zu, wie sich ihre Triebe erst über den einen, dann über alle drei Komposthaufen streckten und sich zaghafte Rankorgane um die Äste der danebenstehenden Himalayazeder ringelten. Und dann legten sie los. Nachdem ich zum x-ten Male die Zeder freigeschnitten, Krakenarme aus der Hecke gezogen und diejenigen auf dem Weg und Rasen umdrapiert hatte, stand ich stirnrunzelnd vor dem Wuchergrün und sah mich um.

Dass sich ein Gartenhaus neben dem Kompostplatz befand, war nichts Neues. Die gerade entdeckte Möglichkeit aber schon. Verblüfft betrachtete ich das Giebeldach. Welch geschenkte und doch bislang gänzlich ungenutzte Fläche. Dass ich nicht schon viel früher drauf gekommen war!

Um die Kürbisranken sicher vom Kompost bis zum Dach leiten zu können, dienten drei Bohnen­stickel als Brücke, an der ich die Triebe befestigte. Die Idee war bestechend einfach, aber unpraktisch. Zum leeren Komposthaufen gelangte ich nur in gebückter Haltung, und als die Kürbisse grösser wurden, schlug ich regelmässig mit meinem Kopf dran (Inzwischen habe ich eine selbst gebaute Kürbis-Überführung, die aussieht wie eine Treppe in L-Form. Seither kann ich – auch in der Kürbissaison – wieder aufrecht gehen).

Die Ranken wuchsen munter kriechend Richtung Dachfirst hinauf und rutschten nur zurück, wenn ein heftiger Regen wütete. Mit ein bisschen Nachhilfe kamen sie aber bald oben an, um auf der ­anderen Seite wieder runterzuwachsen, und konnten sich von nun an selber festhalten. Ein herrlich schräger Anblick, ein dergestalt zugewuchertes Dach! Besonders dann, wenn zwischen den grossen Blättern auch noch orange leuchtende Früchte hervorlugen.

Die Ernte ist der spassigste Teil am Ganzen

Wer das nachmachen möchte, dem seien Kürbissorten empfohlen, deren Früchte nicht viel mehr als 1 kg wiegen. Die Ranken müssen das Gewicht mehrerer Früchte aushalten können, und zu schwere freihängende Früchte (am Rand des Daches) überstehen kein Sommergewitter. Was die Sorten betrifft, so sind die orangefarbenen am hübschesten, zum Beispiel «Jack be little» oder der Hokkaidokürbis «Uchiki/Red Kuri».

Mein Favorit ist der Moschuskürbis «Futsu Black». Seine je nach Reife grün bis beige gefärbten Früchte dienen zwar eher zur Tarnung denn als Deko, aber das macht er mit seinem fruchtigen Geschmack wett. Gerade Moschuskürbisse brauchen lange zur Reife. Können sie auf dem Dach wachsen, wo sie volle Sonne abkriegen und stets auf dem Trockenen liegen, ist die Ernte deutlich besser.

Das Ernten übrigens ist der spassigste Teil am Ganzen. Man muss nur vorsichtig die Ranken vom Dach runterziehen, und die Früchte plumpsen einem geradewegs in die Hände. In etwa so wie die ­erleuchtende Idee, einfach mal nach oben zu schauen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.