Fastenopfer-Kampagne: Gemeinsam unsere Zukunft sichern

Mit ihrer 51. ökumenischen Kampagne machen die kirchlichen Schweizer Hilfswerke auf einen Missstand aufmerksam, der sich dem Bewusstsein der Wohlfahrtsgesellschaft entzieht. Das Problem jedoch geht alle an.

Andreas Faessler
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Das Sujet der ökumenischen Kampagne 2020.

Das Sujet der ökumenischen Kampagne 2020.

Bild: PD

Leid und Not von Menschen in der Dritten Welt nehmen wir in unseren Breitengraden schmerzlich wenig wahr. Wir wissen zwar drum, aber tendieren dazu, wenig Gedanken an Dinge zu «verschwenden», die wir nicht mir eigenen Augen sehen und die uns vermeintlich nicht direkt betreffen. Aber genau auf Letzterem basiert die 51. ökumenische Kampagne der kirchlichen Schweizer Hilfswerke «Fastenopfer» (katholisch), «Brot für alle» (evangelisch) und «Partner sein» (christkatholisch), welche am 26. Februar startet. Sie zeigt auf, dass unser Dasein sehr wohl auch von Menschen auf der anderen Seite des Globus abhängt, die es alles andere als leicht haben.

Wie die Hilfswerke informieren, ist die Rede heuer von Kleinbäuerinnen und -bauern im globalen Süden, die mit dem Anbau traditioneller Pflanzensorten einen substanziellen Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherheit und Artenvielfalt beitragen. Ihre Erzeugnisse werden von ihnen laufend den wandelnden Bedingungen wie dem lokalen Klima und natürlich dem globalen Klimawandel angepasst.

Gewinnsucht bedroht Existenzen

Unter dem Strich sind es diese Kleinbetriebe, welche rund 70 Prozent aller Nahrungsmittel auf der Welt mitproduzieren. Was sich etabliert und bewährt hat, wird jedoch gemäss Fastenopfer nach und nach verdrängt durch einflussreiche Agrarkonzerne wie auch Freihandelsabkommen. Immer strengere Auflagen wie auch Saatgut- und Sortenschutzgesetze in Afrika, Lateinamerika und Asien schränken die Tätigkeiten der dortigen Kleinbauernfamilien ein. Die Konzerne streben eine grossflächige Landwirtschaft an mit wenigen Sorten für grösstmöglichen Gewinn. Fastenopfer zitiert in diesem Zusammenhang einen philippinischen Reisbauern, der sich beklagt, dass ihre traditionelle, Tausende Jahre alte Pflanzenzüchtung und die Biodiversität von der Zerstörung bedroht seien, seit sich das industrielle Saatgut immer mehr ausbreite. Schmerzhaft und entwürdigend sei es, dass die eigenen Züchtungen der erfahrenen Reisbauern nicht als Beitrag zur Ernährungssicherheit und Biodiversität anerkannt würden.

Ein weiteres Problem ist gemäss Fastenopfer, dass industrielles Saatgut kaum an die örtlichen Bedingungen angepasst ist, deshalb gedüngt werden muss und anfällig wird für Schädlinge. So müssen die Kleinbauern teure Pestizide und Dünger ankaufen und drohen deshalb, in die Armut abzurutschen. Somit erschliesst sich denn auch, inwiefern die Existenz dieser Kleinbauernbetriebe weltweit indirekt oder gar direkt Einfluss nimmt auf die Versorgung der Weltbevölkerung.

Erste Erfolge machen Mut

Unter dem Motto «Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert» macht die ökumenische Kampagne 2020 auf die oben beschriebenen Missstände aufmerksam, will sensibilisieren und zum Handeln auffordern. Dass es durchaus Wirkung haben kann, zeigen erste wichtige Erfolge.

So nennt Fastenopfer ein Beispiel in Guatemala, wo ein strenges Sortenschutzgesetz mit ungewissen Auswirkungen vorerst hat abgewendet werden können. Oder es berichtet von einem Saatgutnetzwerk auf den Philippinen, welches sich für bäuerliche Saatgutzüchtungen und gegen restriktive Sortenschutzgesetze stark macht. Und im südlichen Afrika setzen sich Frauen gegen Gen-Mais und für agrarökologische sowie ressourcenschonende Anbaumethoden ein. Diese Errungenschaften waren unter anderem auch durch die Hilfe der drei Schweizer Kirchenhilfswerke in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen möglich.

Aktiv werden, Briefe schreiben

Der Einsatz der Hilfswerke auf diesem Gebiet ist weiterhin in vollem Gange: Es verhandelt die Schweiz aktuell ein Freihandelsabkommen mit Malaysia, in welchen ein Passus das traditionelle Saatgutsystem von malaysischen Kleinbauern bedroht. Gemeinsam mit Partnerorganisationen vor Ort fordern die Hilfswerke, dass der entsprechende Abschnitt aus dem Abkommen entfernt wird. Dies unter anderem mit Solidaritätsbriefen ans Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco).

«Fastenopfer», «Brot für alle» und «Partner sein» rufen Pfarreien und Kirchengemeinden dazu auf, es ihnen gleichzutun und sich mit einem Brief ans Seco ebenfalls gegen diese beunruhigenden Entwicklungen auszusprechen. Denn nur indem kleinbäuerliche und klimafreundliche Anbaumodelle gefördert und gestärkt werden, können Hunger und Armut verhindert oder reduziert werden, so die Botschaft der Hilfswerke.

Hinweis
Infomaterial und Näheres zur 51. Kampagne sowie diverser Aktionen ist bereitgestellt unter www.sehen-und-handeln.ch.