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GENFERSEE: Mekka für Jazz- und Weinliebhaber

Das Festival Cully Jazz am Genfersee überrascht vom 8. bis 16. April nicht nur mit unerhörtem Jazz, sondern auch mit dem Charme eines intakten Weinstädtchens.
Bild: Karte oas

Bild: Karte oas

Natürlich ist das Cully Jazz Festival nicht mehr wirklich ein Geheimtipp; mit seinem 34-jährigen Bestehen ist es immerhin fast so traditionell wie Montreux Jazz oder Paléo Nyon und in der Westschweiz auch ähnlich bekannt. Im Unterschied zu seinen renommierten Nachbarn am Genfersee hat es aber seinen Charme bewahren können, weil es immer noch gut zehnmal kleiner ist: Zu den gut 30 Hauptkonzerten an den neun Konzertabenden werden nur etwa 14 000 zahlende Besucherinnen und Besucher erwartet.

Dazu kommen an den Weekend-Abenden nochmals gegen 6000 Besucher, die sich auf ein Dutzend Schauplätze des kostenlosen Off-Festivals verteilen (manchmal aber auch drängen) oder auch nur die schöne Ambiance im Festivalstädtchen geniessen wollen. Ein Buden-Jahrmarkt und omnipräsente Sponsorenauftritte wie nebenan in Montreux sind da fremd.

Eigene Ausrichtung

Mindestens in der Deutschschweiz ist Cully Jazz aber in der Tat kaum bekannt. Das historische Städtchen mitten im Lavaux war bisher wohl nur Weinkennern ein Begriff. Besucher von ennet des Röstigrabens machen erst gut 10 Prozent aus.

Und das sind wohl auch echte Jazzkenner. Denn Cully nimmt unter den eingesessenen Schweizer Jazzfestivals einen ganz eigenen Stellenwert ein: Während in Montreux und beim Estival Jazz Lugano der angestammte Jazz nurmehr eine untergeordnete Rolle spielt, das Jazzfestival Bern ganz der Tradition treu bleibt, Willisau seit jeher die Avantgarde portiert und sich Schaffhausen auf die heimische Szene beschränkt, versteht es Cully Jazz, einen gelungenen Mix aus noch kaum bekannten Newcomern und schon arrivierten Trendsettern zu präsentieren.

Die relativ unkommerzielle Aufmachung erlaubt immer noch ein spannendes Programm voller Entdeckungen, frei von Konventionen und Mainstream. Die Mischung von in- und ausländischen Künstlern, von traditionellen und hippen Klängen, von westlichen und östlichen Kulturen, von Blues und Cubanismo bis Funk und Free Jazz macht den besonderen musikalischen Reiz von Cully aus.

Drei prägnante Hauptbühnen

Im Gegensatz zu den andern grossen Schweizer Jazzfestivals gibt es keinen «Mister Cully», der das Programm seit Jahrzehnten prägt. Zwar wirkte Benoît Frund 13 Jahre lang als Präsident des Organisationskomitees (seit letztem Jahr abgelöst durch zwei Co-Direktoren), er war aber wie die anderen zehn Mitglieder bloss ehrenamtlich im Hintergrund tätig – «einfach, weil wir immer noch so viel Freude an unserem Festival haben».

Das ist gewiss ein Unikum im heutigen Festivalgeschäft, und das prägt auch den besonderen Esprit von Cully Jazz. Für die eigentliche Produktion ist ein Festivalbüro zuständig, das vor dem Festival jeweils von den zwei ganzjährigen Angestellten auf zehn Personen aufgestockt wird. Und für das Programm zeichnet ein fünfköpfiger Programmausschuss verantwortlich. Das In-Festival von Cully Jazz besteht aus drei Schauplätzen für die kostenpflichtigen Konzerte. Hauptbühne mit 900 Sitz- oder 1400 Stehplätzen ist das nachtschwarze Chapiteau auf der Place d’Armes, direkt am See. Es verzaubert jeden Abend die Liebhaberinnen und Liebhaber der «Blue Notes» – jener Töne, die in besonderem Mass den Bluescharakter von Melodien prägen. Die Salle Davel, der moderne Gemeindesaal von Cully, nur einen Steinwurf vom See entfernt, verwandelt sich in die angesagte Next-Step-Bühne. Am frühen Abend wird dieser intime Raum zu einem Ort der Entdeckungen. Später verwandeln erstklassige DJs das Next Step in einen kosmopolitischen Club. Der Temple schliesslich ist ein Ort musikalischer Andacht: Cullys kleine Kirche lässt rein akustische Auftritte in einmaliger Intensität erklingen.

Sprungbrett für junge Künstler

Zur besonderen Attraktion von Cully Jazz gehört natürlich auch das Off-Festival auf zwölf Kleinstbühnen in mehreren Caveaux, einigen Cafés und einem historischen Schiff. Wie Carine Zuber, Gesamtleiterin des «Moods» in Zürich, stets betonte, bieten diese Nebenschauplätze nicht nur atmosphärische Untermalung: «Diese Bretter können für heimische Nachwuchsgruppen noch ein wirkliches Sprungbrett auf grössere Bühnen bedeuten.»

Mit dem Cave «Das Schlagzeug» sei sogar eigens für Deutschschweizer Bands ein Sprungbrett in die Romandie geschaffen worden. Und beim Caveau des Vignerons gerät sie geradezu ins Schwärmen: «Hier schlägt noch der wahre Puls des Festivals: In diesem perfekt gelegenen Keller – zwischen den beiden Hauptbühnen – kommen wirklich alle Musiker vorbei und jammen mit der Résidence-Band – völlig unorganisiert, wie einst in Montreux!» Neue Attraktion des Off-Festivals ist heuer die Club-Bühne, wo internationale «Rising Stars» zu erleben sind.

Von Käseschnitte bis Austern

Klar, in Cully spielen die Musik und der Wein die Hauptrolle, doch zum besonderen Cachet tragen auch die charmanten Verpflegungsmöglichkeiten bei. Da wäre einmal «La Cuisine», eine überdachte Essmeile just im Zentrum des Geschehens. Der Renner sind aber die fangfrischen Filets de perche der kleinen Fischbude in einer Seitengasse. Zudem sorgen eine Austernbar, ein madagassischer und ein indischer Stand dafür, dass auch gastronomisch ein Weltprogramm geboten ist – neben Waadtländer Spezialitäten wie Malakoff, eine Käseschnitte. Eindrücklich ist in Cully das friedliche Nebeneinander von Jung und Alt. Stolz erklärt Benoît Frund: «Der Generationenmix sorgt für eine Atmosphäre des gegenseitigen Respekts. Dadurch können gar keine Probleme aufkommen – in Cully brauchen wir drum nicht mal Sicherheitskräfte.» Obwohl der Jazz am Léman gar nicht immer so brav daherkommt?

Text und Bilder Peter Hummel

Die Ambiance am See ist am Festival in Cully intimer als in Montreux. (Bild: Peter Hummel)

Die Ambiance am See ist am Festival in Cully intimer als in Montreux. (Bild: Peter Hummel)

Die intimen Konzerte in den Caves prägen die besondere Atmosphäre des Festivals. (Bild: Peter Hummel)

Die intimen Konzerte in den Caves prägen die besondere Atmosphäre des Festivals. (Bild: Peter Hummel)

Die leisen Auftritte im Temple finden ein besonderes Publikum. (Bild: Peter Hummel)

Die leisen Auftritte im Temple finden ein besonderes Publikum. (Bild: Peter Hummel)

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