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GENUSS: An drei Seen wächst Grosses heran

Zwei Sprachen, drei Seen, vier Kantone – und eine wachsende Zahl hervorragender Weine. Was an den Hängen von Bieler-, Neuenburger- und Murtensee gedeiht, verdient definitiv mehr Zuspruch.
Hugo Berchtold
Die Neuenburger Spezialität «Non Filtré» wird vor dem Genuss leicht geschüttelt (links). Ernte von Pinot-noir-Trauben in Bevaix (NE). (Bilder: Hans-Peter Siffert/weinfoto.ch)

Die Neuenburger Spezialität «Non Filtré» wird vor dem Genuss leicht geschüttelt (links). Ernte von Pinot-noir-Trauben in Bevaix (NE). (Bilder: Hans-Peter Siffert/weinfoto.ch)

Hugo Berchtold

«Für mich und meine Leser ist die Dreiseenregion ein nahezu unbekanntes, ja geradezu exotisches Weingebiet», sagt der Weinjournalist aus Wien. Deshalb hat er der Einladung des Mémoire des Vins Suisses (MDVS) ( www.mdvs.ch ) Folge geleistet und ist an die Gestade von Neuenburger-, Bieler- und Murtensee gereist.

Das MDVS ist so etwas wie die private Schatzkammer des Schweizer Weins. Vor 15 Jahren von vier Weinjournalisten gegründet, ist die Vereinigung das einzige Regionen übergreifende Gremium, in dem die besten Winzer des Landes mit je einem Wein vertreten sind.

Im Moment sind es 56 Spitzenkelterer, die jedes Jahr 60 Flaschen des ausgewählten Weins an den MDVS-Keller liefern und so die einzigartige Möglichkeit schaffen, die Entwicklung der Spitzenweine über Jahre verfolgen zu können. Und jedes Jahr besuchen die MDVS-Mitglieder eine andere Weinregion, um die dortigen Tropfen kennen zu lernen und mit Kollegen und Experten zu fachsimpeln. Dieses Jahr, eben, fand das Treffen in der Dreiseenregion statt.

Erstaunliche Vielfalt dank neuer Winzergeneration

Mit vier Kantonen, drei Seen und zwei Sprachen ist die Dreiseen­region eine überaus vielfältige Weinbauregion, die auch vielen Schweizer Weinliebhabern nur wenig bekannt sein dürfte. Zu Unrecht. Denn mit einer neuen Winzergeneration hat sich in der Dreiseenregion eine erstaunliche Vielfalt und vor allem hohe Weinqualität entwickelt.

Die Reblagen der Dreiseenregion verteilen sich über die Kantone Neuenburg (rund 600 Hektaren) und Bern (220 Hektaren am Bielersee). Die Rebberge von Mont Vully, zwischen dem Murten- und dem Neuenburgersee gelegen, gehören zu den Kantonen Freiburg (100 Hektaren) und Waadt (50 Hektaren).

Die vorwiegend kalkhaltigen Böden des Jurasüdfusses eignen sich vor allem für Burgundersorten wie Pinot noir und Chardonnay, aus denen elegante, mineralische Weine gekeltert werden. Die am meisten verbreitete weisse Traube ist immer noch Chasselas, obwohl der Anteil zuletzt kontinuierlich abgenommen hat. In der Gegend um Erlach und auf der St. Petersinsel herrschen Molasseböden vor. Die dort erzeugten Weine, vor allem weisse, sind meist runder und süffiger.

Der «Non Filtré» ist kein Marketing-Gag

Weinliebhaber dürften bisher aus Neuenburg vor allem den «Non Filtré» gekannt haben, einen unfiltriert trüben und knackigen Chasselas. Seit 1975 wird diese Spezialität jeweils am dritten Mittwoch im Januar in Neuenburg präsentiert. Er ist der erste Schweizer Wein des neuen Jahrgangs auf dem Markt. Doch man täusche sich nicht: Der «Non Filtré» ist kein Marketing-Gag wie der «Beaujolais nouveau», sondern ein eigenständiger Wein, der, obwohl sehr jung abgefüllt, mehrere Jahre altern und an Komplexität zulegen kann.

Der andere typische Neuenburger ist der lachsfarbige «Œil-de-Perdrix» (Rebhuhnauge) aus Pinot noir. Die Bezeichnung des fruchtigen Rosé konnte nicht geschützt werden, so dass immer mehr andere Weinregionen auf den zugkräftigen Namen für ihre Rosés setzen – das Original aber stammt aus Neuenburg, genauso wie der etwas weniger bekannte «Perdrix blanche», ein Weisswein mit blass rosarotem Schimmer aus Blauburgunder-Trauben.

Der eigentliche Vorzeigetropfen von Bieler- und Neuenburgersee ist der «Pinot noir». Es ist deshalb kein Zufall, dass die MDVS-Juroren gleich drei Blauburgunder für ihren illustren Kreis auserkoren haben. Die drei Weine zeigen auch die einzigartige Vielfalt der Terroirs und Winzer der Region auf: Sie reicht vom eleganten, subtilen «Pinot» der Domaine de La Maison Carrée in Auvernier über den kraftvollen, aber finessenreichen «Les Argiles» vom Château d’Auvernier bis zum extraktreichen, barriquebetonten und vielschichtigen «Pur Sang» der Caves de Chambleau.

Von den Weinen, die um den Bielersee gekeltert werden, ist bislang nur einer MDVS-würdig: der «Chardonnay Réserve» der jungen Winzerin Sabine Steiner in Schernelz. Doch in Twann, Ligerz, Schafis, La Neuveville und weiteren Dörfern am Bielersee­ufer werden von über 60 Winzern weitere Top-Weine produziert. Im ehemaligen, zu einer modernen Vinothek umgebauten «Pfropfhüsli» in Twann kann man fast alle degustieren und auch kaufen ( www.vinitera-bielersee.ch/pfropfhuesli /).

Und wenn man dort die Weine der jungen Generation, etwa die von Anne-Claire Schott oder Michael Teutsch (Weinbau Festiguet), verkostet hat, scheint es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Tropfen aus den Bielersee­steillagen offiziell unter den besten Schweizern klassiert werden.

Zwei Geheimwaffen am Mont Vully

Ein ähnliche Revolution zum Guten entwickelt sich am Mont ­Vully, der nach eigenem Bekunden «kleinsten der grossen Schweizer Weinbauregionen»: Neun junge Winzer sind dabei, alte Traditionen umzukrempeln. Sie haben eine Charta ausgearbeitet, in der die Qualitätskriterien für ihre beiden Geheimwaffen «Traminer» und «Freiburger» festgeschrieben wurden.

Die beiden Traubensorten wurden in den 1950er-Jahren eingeführt, um die Monokultur des Chasselas zu durchbrechen. Mit Erfolg. Der «Traminer» vom Murtner Burgergut Cru de l’Hôpital wurde schon 2009 vom MDVS aufgenommen. «Der Wein wird ‹Traminer› genannt, weil der eigentliche Name ‹Gewürztraminer› für Welsche ein Zungenbrecher war», sagt Önologe Christian Vessaz lächelnd.

Der «Freiburger», auch unter dem Namen «Freisamer» bekannt, ist eine Kreuzung aus Silvaner und Grauburgunder, der Anfang des 20. Jh.s nicht im benachbarten Fribourg, sondern in Freiburg im Breisgau «erfunden» wurde – was hier aber aus verständlichen Gründen nicht an die grosse Glocke gehängt wird. Die aus dieser weissen Traube gekelterten Weine zeichnen sich durch eine markante Säure und einen hohen Zuckergehalt aus, was interessante Alternativen zum noch vorherrschenden Chasselas ergibt. So hat der «Freiburger» denn auch eine vielversprechende Zukunft vor sich.

Und was sagt nun der eingangs erwähnte, aus Wien angereiste Journalistenkollege nach den ausgiebigen Verkostungen? «Die Vielfalt und die Qualität der Weine haben mich sehr positiv überrascht. Die lange Anreise hat sich definitiv gelohnt.»

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