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GENUSS: Biowein schmeckt immer mehr Konsumenten

Wein aus biologischem Anbau ist längst kein Nischenprodukt mehr. Allerdings haben gerade mitteleuropäische Produzenten oft zu kämpfen.
Der Genuss von Bioweinen ist längst keine ideologische Frage mehr. (Bild: Owen Franken/Getty)

Der Genuss von Bioweinen ist längst keine ideologische Frage mehr. (Bild: Owen Franken/Getty)

Gerhard Bläske

Für viele Biowinzer in den nördlichen Weinanbauregionen wie Deutschland, Österreich und der Schweiz war 2016 ein Katastrophenjahr. Sie haben häufig einen grossen Teil ihrer Ernte verloren. Die ergiebigen Regenfälle liessen Krankheiten wie den Falschen Mehltau (Peronospora) gedeihen. Bei der Bekämpfung sind den Erzeugern durch die europäischen Regeln allerdings die Hände gebunden. Nicht nur Pestizide oder Dünger auf chemischer Basis sind tabu. Auch der Einsatz des von Ökowinzern entwickelten Pflanzenstärkungsmittels Kaliumphosphonat, das die pflanzeneigenen Abwehrkräfte anregt, ist seit 2013 in der EU verboten. Der deutsche Bundesverband Ökologischer Weinbau, Ecovin, kämpft darum, dass das Mittel wieder zugelassen wird. «Die südlichen Weinanbauländer blockieren das. Wenn wir noch so ein Jahr erleben, dann wird es eine Welle von Rückumstellungen auf konventionellen Weinbau geben», fürchtet der Ecovin-Vorsitzende Andreas Hattemer. Der Verband vertritt etwa 250 Erzeuger in Deutschland.

«Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen», sagt Heiner Renn, dessen Weingut Burgunderhof in Hagnau vor 25 Jahren der Ökoweinpionier in der Bodenseeregion war. Inzwischen gibt es ein paar weitere Betriebe auf der deutschen Seite des Sees. Doch Renn ist zornig. «Wenn Kaliumphosphonat nicht zugelassen wird und wir noch mal so einen feuchten Sommer erleben, sind wir verloren.» Auch Paulin Köpfer vom Weingut Zähringer im badischen Heitersheim drängt auf Änderungen des Reglements. Der Erzeuger gehört zu den Pionieren des deutschen Bioweinbaus. Sein wichtigster Markt ist die nur wenige Kilometer entfernt liegende Schweiz. Doch die Hoffnungen auf Änderungen vor allem aus Österreich und Deutschland haben bei einem kürzlichen Treffen der Verantwortlichen aus den Weinanbauländern einen kräftigen Dämpfer bekommen. Zwar gibt es auch in der Schweiz, wo die klimatischen Veränderungen ebenfalls zu Ernteeinbussen geführt haben, Forderungen nach einer Autorisierung von Kaliumphosphonat. Doch das Forschungsinstitut für ökologischen Landbau (Fibl) in Frick unterstützt dieses Ansinnen nicht offiziell.

Südliche Länder blockieren Änderungen

Bei der Millésime Bio, der grössten Bioweinmesse der Welt, bei der Ende Januar mehr als 900 Erzeuger fast 5000 Einkäufern ihre Produkte vorstellten, spielte das Thema ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Denn mehr als 90 Prozent der Aussteller kamen aus Frankreich, Italien und Spanien. Für die dortigen Produzenten ist der Einsatz von Kaliumphosphonat kein Thema. Sie blockieren Änderungen, weil sie das Thema gar nicht betrifft und es ihnen ganz recht ist, wenn die Konkurrenten Probleme haben. Spanien, Italien und Frankreich stehen für rund 70 Prozent der Bioweinanbaufläche in der Welt. Weltweit wurden 2014 etwa 4,5 Prozent der Weinanbaufläche biologisch bewirtschaftet (siehe auch Kasten), das heisst ohne Einsatz von Pestiziden und Herbiziden. Nur Kupfer und Schwefel sind erlaubt. Die Produktion belief sich weltweit auf 7,5 Millionen Hektoliter (2014). Der Kauf von Bioweinen ist längst keine ideologische Frage mehr. Spitzenweine können 100 Euro und mehr pro Flasche kosten. Die Preisspanne bei Peter Riegel, Weinhändler aus Orsingen-Nenzingen in der Nähe der Schweizer Grenze, der mehr als 1000 Bioweine im Sortiment hat, reicht von 3 bis 300 Euro. Die Qualität verbessere sich ständig, sagt er. «Auch ein Biowein darf nicht fehlerhaft sein.»

Passion für Biowein

Der Produktion von Biowein verschrieben hat sich auch das Schweizer Ehepaar Christa Vogel und Hans Hürlimann. Die beiden bewirtschaften seit 20 Jahren das Weingut Domaine Bourdic in Alignan-du-Vent, in der Nähe des südfranzösischen Montpellier. Zum Zeitpunkt des Kaufes war es völlig heruntergekommen, aber es hatte Charme. Die beiden tauschten Basel gegen Südfrankreich. Hürlimann machte an der Weinbauschule in Wädenswil eine Ausbildung für Önologie und Weinbau. 2011 wurden die Weine der Domaine biozertifiziert. Der frühere Professor für Musiktheorie in Winterthur-Luzern und die Musiklehrerin setzen konsequent auf Qualität. Die Zahl der Cuvées wurde zuletzt von 15 auf 4 reduziert, die Anbaufläche von 15 auf 5 Hektaren. Bis vor kurzem veranstalteten sie im Sommer musikalische Anlässe, bei denen auch gepicknickt und Wein konsumiert wurde. Sie bieten ihre Produkte für 15 bis 28 Franken an.

Das italienische Weingut Fasoli hat bereits vor 35 Jahren auf Bio umgestellt. Seit 2006 wird biodynamisch gewirtschaftet. «Die ersten Jahre waren extrem schwierig», berichtet Natalino Fasoli, dessen Familie das Gut bei Verona in der dritten Generation bewirtschaftet. Es gab viele Rückschläge. Doch inzwischen hat sich Fasoli einen guten Namen gemacht und liefert Spitzenqualität. Der Altea aus der Amarone-Traube, die nach der Ernte vier Monate getrocknet wird, bevor die Pressung erfolgt, kostet um die 100 Euro.

Nicht selten muss man für die Biotropfen also etwas mehr hinlegen. Doch Weinhändler Peter Riegel, der in Deutschland etwa die Alnatura-Märkte beliefert, ist überzeugt, dass die Verbraucher dazu bereit sind. Mit dem befreundeten Önologen Jean Natoli hat er vor einigen Jahren selbst ein Weingut im Süden Frankreichs erworben – das Mas des Quernes im Hinterland von Montpellier. «Aus meiner langjährigen Tätigkeit als Bioweinhändler hatte ich viel Know-how. Aber als Weingutsbesitzer musste ich lernen, wie sehr man den Kräften der Natur ausgesetzt ist», fasst er seine Erfahrungen zusammen.

Riegel ist ebenso ein Überzeugungstäter wie der Schweizer Angelo Romanin aus St. Gallen. Mit seiner Frau Kathrin vertreibt er in der Eidgenossenschaft 250 Bioweine aus Europa. Der frühere Bauzeichner und Buchhalter begann bei Delinat, einem der grössten Bioweinhändler in der Schweiz, bevor er 2001 seinen eigenen Laden aufmachte. «Ich arbeite 12 bis 14 Stunden pro Tag, aber für mich ist die Arbeit auch Hobby», grinst er. Er hat auch Schweizer Bioweine im Angebot, «aus der Bündner Herrschaft und dem Waadtland». Das Angebot an Schweizer Bioweinen sei sehr begrenzt. «Die Österreicher sind da viel offener und die Winzer dort auch bereit, sich gegenseitig zu helfen», findet er.

Experimentieren mit neuen Rebsorten

Aus der kleinen Nische Biowein ist inzwischen ein grosser Markt geworden, der sich weiter differenziert. Sogenannte Naturweine ohne Schwefelzusätze oder Mittel zur Stabilisierung des Weins sind vor allem in Metropolen wie London oder Paris gefragt. Doch die Qualität ist schwankend. Die Weine schmecken oft sehr rass und bitter – nicht jedermanns Sache. «Ich kann damit nicht viel anfangen», sagt Romanin, der jedoch auch einen solchen Wein im Angebot hat. Viele der Winzer auf der Millésime Bio, deren Bedeutung von Jahr zu Jahr zunimmt und die vor 24 Jahren mit einer Handvoll Winzern startete, experimentieren mit solchen Weinen. Auch Piwis, pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die aus der Kreuzung von europäischen und amerikanischen oder asiatischen Reben entstanden sind und später mehrfach mit anderen europäischen Reben gekreuzt wurden, damit sie geschmacklich nahe beim heimischen Ursprung sind, sind in aller Munde. Viele Winzer testen die Rebsorten wie Johanniter, Cabernet blanc oder Regent. Doch selbst Piwis sind im nassen mitteleuropäischen Sommer 2016 von Krankheiten befallen worden.

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