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GENUSS: «Das!» mit Sass macht grossen Spass

Der norddeutsche TV-Koch Rainer Sass ist kein Mann der leisen Töne. Er zeigt, dass man sein Handwerk auch dann verstehen kann, wenn man auf den Kopf gefallen ist.
Lautsprecher Rainer Sass, nach eigenen Worten die «Frontsau unter den Fernsehköchen»hier im Bild mit Bettina Tietjen in der Sendung «Das!». (Bild: NDR Presse und Information)

Lautsprecher Rainer Sass, nach eigenen Worten die «Frontsau unter den Fernsehköchen»hier im Bild mit Bettina Tietjen in der Sendung «Das!». (Bild: NDR Presse und Information)

hans Graber

Zu berichten ist hier von einem Mann, der regelmässig an trüben Sonntagen – schon nach dem Fussball, aber noch vor dem «Tatort» – in unsere gute Stube dringt und sofort alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Rede ist von Rainer Sass, einem der dienstältesten Fernsehköche Deutschlands. Bekanntschaft gemacht mit ihm habe ich erst in den letzten Jahren, seit alle der nicht genug zu lobenden dritten ARD-Programme bei uns zu empfangen sind. Sass ist im allerbesten der Dritten zu Hause, im NDR-Fernsehen, und dort eine recht grosse Nummer (1,92 Meter).

Durchdringendes Stimmorgan

Rainer Sass gefällt nicht allen. Auch ich tat mich anfangs etwas schwer mit dem Mann. Bei uns zu Hause sagen wir ihm «Schreihals», denn Sass verfügt über ein kräftiges, durchdringendes Stimmorgan, das er auch liebend gerne einsetzt. Anders gesagt: Er spricht sehr laut und sehr viel. Ich möchte ihn trotzdem nicht mehr missen.

Sass, 62-jährig, ist kein Berufskoch, sondern gelernter Kaufmann, der später in die Versicherungsbranche wechselte und scheints auch heute noch Leuten irgendwelche Policen aufschwatzt. Was er sicher bestens kann. Aufgewachsen ist er mit vier Brüdern in der schönen Stadt Stade, beim Alten Land, westlich von Hamburg. Offenbar hat Rainer schon als Kind der Mutter häufig beim Kochen geholfen und in der Schule als einziger Bube auch freiwillig die Kochkurse besucht. Als Autodidakt häufte er später ein beachtliches Kochwissen an, er unternahm kulinarische Reisen und durfte bei Spitzenköchen gar hospitieren und aus den Töpfen stibitzen, so etwa bei Eckhart Witzigmann in München.

Es begann mit einem Unfall

Seine Medienkarriere aber hat er einem Unfall zu verdanken. Als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr Stade landete er 1984 bei einer Übung neben dem Sprungtuch und zog sich gravierende Verletzungen zu. Auch am Kopf. Ein Radioreporter berichtete über das Malheur und führte mit dem Patienten am Krankenbett ein Interview. Rainer packte trotz Brummschädel die Gelegenheit beim Schopf und legte alsogleich los. Weniger über den Unfall, als vielmehr über seine Kochleidenschaft und seine fixe Idee, Kochrezepte im Radio zu präsentieren. Und er gab wohl erst wieder Ruhe, als er vom entnervten NDR eine Sendung zugesprochen bekam.

Jetzt aber war natürlich erst recht kein Halten mehr. Sass empfahl sich bald selber mit Nachdruck auch fürs Fernsehen, «mit einem Koffer voller Ideen, Rezepten und Rotwein klapperte er die Redaktionen ab» (NDR-Pressetext). Zunächst fand er Aufnahme ins Jugendprogramm, arbeitete sich aber schnell zu den Grossen hoch und ist seither praktisch unverzichtbarer Programmbestandteil. Mittlerweile auch für mich.

Zum einen fuhrwerkt Sass zusammen mit Bettina Tietjen am Studio-Herd, wobei er die Frau durchaus auch mal reden lässt. Zum andern aber geht er mit seiner mobilen Küche häufig hinaus zu den Menschen draussen im Land und läuft dort zur Topform auf. Ob Zeltplatz, Düne, Kuhstall, Terrasse eines Sternerestaurants oder Hafenquai – Rainer ist überall zu Hause und stellt seinen Mann. Auch in ganz privatem Rahmen, wo er Leuten, die ihn zu Hilfe gerufen haben, zeigt, wie deren Lieblingsgericht endlich mal perfekt gelingen könnte oder zumindest etwas besser wird als bis anhin. Netterweise gibt er die Rezepte auch gleich öffentlich preis. Mein Liebling ist ein Chili con carne mit – Bananen bestückt. Tönt komisch, ist köstlich (siehe Hinweis).

(Fast) nichts geht schief

Sass lebt mit Frau Antje und Jack-Russell-Hündin Linda in einem Dorf bei Stade. Er ist SPD-Mitglied und mag anscheinend Jazz und Wein.

Was ich umgekehrt an ihm mag, sind seine Leidenschaft und sein Macherwesen. Bei Rainer hat man das beruhigende Gefühl, dass nichts schief gehen kann. Ein Irrtum. Es gab schon Pannen, gleich zweimal mit Lasagne. Einmal zu matschig, einmal zu hart. Inzwischen aber hat er die Teigblätter voll im Griff. Wie fast alles. Und er findet auch praktisch alles gut, vorausgesetzt, es ist mit frischen, hochwertigen und nach Möglichkeit ökologischen Produkten zubereitet.

Rainer hat Freude am Essen, und diese Freude überträgt sich auf den Zuschauer. Er versteht sich nicht als Künstler, und er hat auch keine Mission wie etwa der zuckerlose Jamie Oliver. Sass will mich nicht zu «gesundem Essen» erziehen, wissend, dass es per se keine ungesunden Lebensmittel gibt, nur falsch dosierte. Dass er selber es mit der Lautstärke-Dosis übertreibt, sei ihm nachgesehen. Wenn sonst niemand herumschreit am Sonntag, gehts schon.

Hinweis

Heute Sonntag kommt Rainer Sass gleich zweimal im NDR-Fernsehen. 16.30–17.00 Uhr: «So isst der Norden» (Spargelfest auf dem Reinbeker Wochenmarkt). 18.45–19.30 Uhr: «Das! Kochstudio mit Rainer Sass und Bettina Tietjen.»

Wer die Stichworte NDR, Sass und Rezepte googelt, findet haufenweise Anregungen, auch fürs Chili con carne, garniert mit Bananen.

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