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GENUSS: Die Wunderwurzel nimmt uns gefangen

Ob in kühlen Drinks, warmen Speisen oder heissem Wasser – auf Ingwer treffen wir derzeit praktisch überall.
Alexandra Fitz
Ohne Ingwer geht heute bald nichts mehr. Bild: Getty

Ohne Ingwer geht heute bald nichts mehr. Bild: Getty

Kein Café mehr ohne frischen Ingwertee. Serviert wird ein hohes Glas mit heissem Wasser, in dem dünn geschnittene Ingwer-Sticks stecken. Oft meint man es zu gut, und der Gast sieht vor ­lauter Knolle das Wasser nicht mehr. Während die einen Gäste dann den scharfen, würzigen ­Geschmack feiern und jeden Schluck als Wohltat empfinden, schimpfen die Skeptiker: «Bähh, ist das scharf» oder «Igitt, schmeckt wie Putzmittel».

Ingwer ist eine dickfingrige Knolle. Es handelt sich um die Wurzel einer ursprünglich aus China stammenden schilfartigen Staude aus der Familie der Gewürzlilien. Sie ­erreicht eine Höhe von bis zu zwei Metern. Der unterirdische Hauptspross des Ingwers, das Ingwer-Rhizom (Ingwerwurzelstock), wächst in der Erde horizontal und ist innen gelblich. Der Geruch des Ingwers ist aromatisch, der Geschmack brennend scharf und würzig. Wesentliche Bestandteile sind dabei ein ätherisches Öl, Harzsäuren und neutrales Harz sowie Gingerol. Das Gingerol verleiht dem Ingwer die Schärfe.

Heilkraft in Ölen und Harzen

Es ist fast unheimlich, wenn man liest, für und gegen was diese kleine Wurzel alles gut sein soll. Die Öle sowie Harze enthalten das Geheimnis ihrer Heilkräfte. Der Allrounder soll helfen bei Übelkeit und Erbrechen, Magenproblemen und Verdauungsbeschwerden, Erkältungen, Muskelverspannungen, allerlei Schmerzen und Entzündungen, und sogar zur Entschlackung soll er gut sein. Geschätzt wird auch seine durchwärmende Wirkung.

Neben dem gesundheitlichen Aspekt wird Ingwer schon sehr lange als Gewürz eingesetzt. Hierzulande kennen wir den scharfen Geschmack vorwiegend von asiatischen Gerichten. Alle, die gern asiatisch essen, sind dem Ingwer – frisch geschnitten oder gemahlen – schon begegnet. Er steckt in zahlreichen chinesischen, thailändischen, indischen und indonesischen Speisen, besonders in Currys und Reisgerichten. Aber auch in Chutneys, Marmeladen, Saucen, Lebkuchen und neuerdings in Glace.

Ginger Ale und Ginger Beer

Bekannt ist auch das kohlensäurehaltige Getränk Ginger Ale, unter anderem vom Hersteller Schweppes. Eine Stufe heftiger – will heissen intensiver, würziger und schärfer – ist Ginger Beer. Das Getränk erfährt dank dem Ingwer-Hype gerade eine Renaissance und ist in verschiedenen Arten unter anderem bei Drinks of The World im Bahnhof Luzern erhältlich ( www.beerworld.ch ). Heute wird Ginger Beer häufig nicht mehr gebraut. Es enthält deshalb dann auch keinen Alkohol, sondern ist ein limonadeartiger Softdrink. Dieser wird gerne für Cocktails und Mixgetränke verwendet. Pur ist er vielen zu intensiv. Daneben gibts auch «richtiges» Ginger Beer mit Alkohol.

Der Ingwer-Trend trug sicher auch dazu bei, dass der Cocktail Moscow Mule plötzlich wieder in aller Munde ist. Der scharfe Drink im Kupferbecher (mule) gehört in die Kategorie «Highballs». Das heisst eine Spirituose – in diesem Fall Wodka –, der mit einem grösseren Anteil an nicht-alkoholischen Zutaten sowie einem kohlensäurehaltigen «Filler» (Soda, Ginger Ale, Ginger Beer) gemischt wird. Der Moscow Mule ist einfach selber herzustellen (siehe Rezept), doch lange Zeit war es schwer, Ginger Beer in Europa zu erhalten. So half man sich oft mit dem schwächeren Ginger Ale aus. Doch da sich das gerade ändert, wird der Drink wieder öfters original angeboten.

Es gibt auch Schweizer Ingwerbier

Die Zürcher Getränkemarke Gents hat diesen Bedarf erkannt und neben ihrem Tonic, Bitter Lemon und Ginger Ale neu Ingwerbier im Sortiment. Nun gibt es mit Gents Swiss Craft Ginger Beer auch ein Schweizer Ingwerbier.

Erst einmal fällt einem der dicke Satz auf dem Boden auf. Er soll durch sanftes Kippen (nicht schütteln!) gelöst werden und verfärbt die Flüssigkeit in einen naturtrüben Braunton. Kenner loben die Limo für die Balance von Zitrone, Ingwer und Fermentationsnoten. Bar-Chefs geben an, dass viele Gäste erst einmal ob der hohen Ingwerdosis erschrecken, aber danach würden ihm die meisten verfallen.

Dem stimmen wir zu, hat man erst einmal die scharfe Überraschung überwunden, will man mehr von dem frischen Saft. Pur ist er allerdings sehr intensiv. In der Gents-Limo stecken Bio-Ingwersaft aus Peru, Zitronenschalen-Essenz, Zitronengras, Apfeldicksaft und Nelkenpfeffer. Vor dem Abfüllen wird die Limo noch mit Bierwürze versehen, es soll ein leichtes Gär-Bouquet verleihen, aber noch keinen Alkohol.

Alkoholhaltig ist dagegen der Ingwerer ( www.ingwerer.ch ), ein von Bernern erfundener Likör, der sich in immer mehr Lokalen in der Schweiz etabliert. Es heisst, schütteln mache das Getränk schärfer und intensiver im Geschmack. Es scheint derzeit wirklich schwierig zu sein, sich dieser Knolle zu entziehen.

Alexandra Fitz

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