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GENUSS: Ein Luzerner gegen die Walliser

Hohe Auszeichnung für den Surseer Teilzeit-Winzer Beat Felder. Einer seiner Weissweine gehört zu den besten im ganzen Land.
Hugo Berchtold
Der «J» Muscat ist der Stolz von Beat Felder vom Weingut Mariazell bei Sursee. Die weisse Assemblage ist national in der Spitzengruppe. Bild: Boris Bürgisser (18. Oktober 2016) (Bild Boris Bürgisser/LZ)

Der «J» Muscat ist der Stolz von Beat Felder vom Weingut Mariazell bei Sursee. Die weisse Assemblage ist national in der Spitzengruppe. Bild: Boris Bürgisser (18. Oktober 2016) (Bild Boris Bürgisser/LZ)

Die diesjährige Traubenernte in der Zentralschweiz ist praktisch eingekellert: Die Traubenmoste blubbern nun in den Tanks und Fässern, was daraus wird, werden erst die nächsten Wochen und Monate zeigen (siehe auch Kasten).

Bei den Weinen aus dem Vorjahr hingegen weiss man dies bereits: Der 2015er ist qualitätsmässig meist sehr gut ausgefallen: Deshalb fiebert Beat Felder, ­Geschäftsführer vom Weinbau Mariazell in Sursee, dem nächsten Mittwoch entgegen: Einer seiner Weine, der «J» Muscat sec 2015, ist von der Jury des Grand Prix du Vin Suisse nicht nur mit einer Goldmedaille ausgezeichnet worden, sondern er figuriert auch auf der Liste der sechs besten weissen Assemblagen.

Von 550 Produzenten unter den 6 Besten

Beat Felder hofft nun, dass er sich gegen die fünf anderen Weine, alle aus dem Wallis, durchsetzen kann. «Es ist meines Wissens das erste Mal, dass sich ein Wein aus der Zentralschweiz für die Schlussausmarchung um den besten Weisswein platzieren konnte», stellt Felder mit Genugtuung fest. Immerhin haben 550 Produzenten aus der ganzen Schweiz über 3000 Weine für die verschiedenen Kategorien eingereicht. Aus der Zentralschweiz hat einzig noch Toni Ottigers ­Pinot Noir «B» vom Weingut Rosenau in Kastanienbaum eine Goldmedaille erreicht. Das Resultat der besten Weine wird nächsten Mittwoch im Kursaal in Bern bekannt gegeben.

Solaris bringt die nötige Frucht und Säure

«Wir haben mit diesem speziellen ‹J› Muscat schon in den letzten Jahren zahlreiche Goldmedaillen und Auszeichnungen geholt», sagt Felder. Entdeckt hatte den Tropfen der Weinpublizist Andreas Keller, der bei einer Prämierung vor Jahren von der speziellen Muscat-Aromatik, gepaart mit einer frischen Säure, begeistert war. Auf die Frage, was er denn anders mache als die anderen Winzer, hat Felder eine verblüffend einfache Antwort: «Ich füge dem ‹J› Muscat noch etwas von der Sorte Solaris hinzu, diese Traube bringt Frucht, Vollmundigkeit und vor allem Säure.» Bis zu 15 Prozent kann der Anteil von Solaris betragen, je nach Jahr variiert der Prozentsatz.

Sechs Traubensorten in Mariazell

Doch die Assemblage ist nur die halbe Wahrheit für den Erfolg des «J» Muscat. Der eigentliche Ursprung liegt im Weinberg bei der Kapelle Mariazell in Sursee, denn «die Qualität des Weins wird hauptsächlich im Rebberg gemacht»: Auf der südlich gegen den Sempachersee abfallenden Endmoräne gedeihen die bisher sechs angepflanzten Traubensorten hervorragend.

«Ich lege grossen Wert aufs Tüfteln im Weinberg», sagt Felder, der auch als Rebbaukommissär für die Zentralschweizer Kantone amtiert und an der landwirtschaftlichen Schule unterrichtet. Im Mariazeller Weinberg wird deshalb keine der Zentralschweizer Hauptsorten (Riesling-Silvaner und Blauburgunder) angepflanzt, sondern Trauben wie Muscat Oliver, Johanniter, Solaris, Gamaret oder Zweigelt.

Für Felder stehen Biodiversität und der Schutz der Landschaft ganz oben auf der ­Prioritätenliste. Er bewirtschaftet die 90 Aren Rebland zwar nicht nach Bio-, sondern gemäss den IP-Richtlinien, verzichtet aber ganz auf Insektizide. «In unserem Klima ist ein reiner Biobetrieb zu aufwendig», rechtfertigt Felder seine Ausrichtung. Er setzt aber zunehmend auf sogenannte Piwi-Sorten, die widerstandsfähig gegen Pilzbefall sind und wenig oder nicht gespritzt werden müssen.

Mit dem Weinberg Mariazell haben Felder und seine Mitstreiter ein kleines Paradies geschaffen: «Ich habe 15 Jahre dafür gekämpft, dass auf der Endmoräne nicht eine Überbauung, sondern ein Weinberg entsteht», erzählt Felder mit einem Anflug eines Siegerlächelns im Gesicht. Als es dann 2005 so weit war und das Grundstück ausgezont wurde, habe er sich seinen Lebenstraum erfüllt, den Weinberg angepflanzt und die Geschäftsführung der Weinbaugesellschaft Mariazell gleich selber übernommen.

Der Geschäftsführung ge­hören auch vier Anwohner als Mitglieder an. Das Land ist weiterhin im Besitz der Familie des ursprünglichen Investors, mit der ein langjähriger Pachtvertrag abgeschlossen werden konnte. Vinifiziert werden die von Hand gelesenen Trauben auf dem Weingut Bisang in Dagmersellen.

Leidenschaft vom Winzer und seinen Helfern

Zusammen mit zahlreichen Freiwilligen betreibt Felder, der das Pensum in seinem Hauptjob als Verantwortlicher für Spezialkulturen auf der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern etwas reduziert hat, seit 2005 den Weinberg Mariazell. «Da steckt viel Leidenschaft drin, von mir und den Helfern», erklärt der 56-Jährige. Dass ein Luzerner Teilzeitweinbauer mit den hochgelobten Wallisern Winzern mithalten kann, macht ihn mächtig stolz. Eine nationale Trophäe am 10. Grand Prix du Vin Suisse am nächsten Mittwoch wäre das Tüpfelchen aufs i, als Anerkennung und gut für das Prestige.

Als Verkaufsunterstützung hat der Weinbau Mariazell ( www.weinbau-mariazell.ch ) die Auszeichnung aber nicht nötig: Die rund 1500 Flaschen «J» Muscat sec erfreuen sich vor allem bei den lokalen Weinliebhabern auch so grosser Nachfrage, wie die übrigen rund 4000 Flaschen der anderen Mariazeller Weine.

Hinweis

Am «Wy-Samschtig» können am 4. und 5. November in Sursee die Weine von Mariazell neben denen von weiteren Weingütern der Region Sursee degustiert werden. Mehr unter www.wy-samschtig.ch

Hugo Berchtold

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