Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

GENUSS: Ein Prosit auf die Schweizer Weine

Einheimisches ist Trumpf. Der Schweizer Wein allerdings wird weiterhin arg vernachlässigt, auch in den Beizen. Eine sträfliche Sünde.
In jüngerer Vergangenheit sind vielerorts in der Schweiz beachtliche Tropfen herangewachsen, auch in der Pilatus-Region. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

In jüngerer Vergangenheit sind vielerorts in der Schweiz beachtliche Tropfen herangewachsen, auch in der Pilatus-Region. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Hugo Berchtold

Vorurteile haben ein zähes Leben. So auch diejenigen bezüglich Schweizer Weine: zu teuer, zu nichtssagend, nicht lagerfähig. Kaum erstaunlich, dass unter dem allgemeinen Rückgang des Weinkonsums in der Schweiz die einheimischen Gewächse besonders leiden. Dabei ist die Qualität so gut wie noch nie.

Um ganze 4,7 Millionen Liter ging der Verbrauch von Schweizer Rotweinen 2014 zurück. Im Gegensatz dazu wurde mehr ausländischer Roter importiert. Ähnlich das Bild beim Weisswein: Während rund 4 Millionen Liter weniger Schweizer Weisser getrunken wurden, erfreuten sich ausländische Weissweine wachsender Beliebtheit. Unter dem Strich wurden 2014 in der Schweiz rund 290 Millionen Liter Wein getrunken, fast 5 Millionen Liter weniger als im Vorjahr.

Paradoxe Situation

So weit die nackte Statistik, die aber wenig über die Schweizer Weine aussagt. Denn die Situation ist höchst paradox. Noch vor 15, 20 Jahren trafen die Vorwürfe gegenüber dem Schweizer Wein bis auf einige Ausnahmen durchaus zu: Als die Winzer noch durch Zollbarrieren und Kontingente vor Importen geschützt waren, musste man oft mit Schweizer Weinen vorliebnehmen, die sich nicht unbedingt durch Eleganz und Aroma auszeichneten. Es gab saure Fendants, langweilige Epesses, krautige Merlots.

Heute hat sich die Situation grundlegend geändert: Seit der Aufhebung der Importbeschränkungen hat sich das Niveau der Schweizer Weine ständig und auf spektakuläre Weise verbessert. Gegenüber der ausländischen Konkurrenz mussten die Schweizer Winzer mehr und mehr auf Qualität setzen.

«Allein der durchschnittliche Ernteertrag ist in den letzten Jahren um rund einen Drittel gefallen, dies bei praktisch gleich bleibender Anbaufläche von knapp 15 000 Hektaren. Das zeigt, dass die Weinbauern vermehrt auf Qualität denn auf Quantität setzen», erklärt Toni Ottiger aus Kastanienbaum, der wohl bekannteste Innerschweizer Weinpionier. Ausserdem wurde auch die Technik im Keller entscheidend verbessert. Fazit dieser stillen Weinrevolution: Es gab noch nie so viele gute Schweizer Weine wie heute. Die Flut von Goldmedaillen und Diplomen an nationalen und internationalen Weinmessen ist ein Indiz dafür: Schweizer Weine können auf dem internationalen Weinparkett durchaus mithalten. Auch wenn sie kommerziell keine Rolle spielen: Weniger als 1 Prozent der Schweizer Weinproduktion wird exportiert.

Vielfalt ist Segen und Fluch

Die Qualität der Schweizer Weine hat zwar allgemein signifikant zugenommen, doch längst nicht alle Winzer in der Schweiz produzieren Spitzenprodukte. Es gilt also, die guten Winzer und deren Weine zu kennen. Die Vielfalt der Schweizer Weinregionen mit ihren Mini-Terroirs und den zahlreichen einheimischen Traubensorten sind Vorteil und Fluch zugleich: Die Auswahl ist gross, die Unterschiede sind faszinierend, doch macht es die Orientierung nicht gerade leicht. Wer die Spitzenweine der Schweiz trinken will, muss sich informieren, muss degustieren, vergleichen.

Dies war lange mühselig, die Weinbauern waren wenig kommunikativ, werkelten für sich in ihren Kellern, die einzelnen Regionen arbeiteten mehr gegen- als miteinander, eine gemeinsame Kommunikationsstrategie fehlte. Dies ist zum Teil heute noch so, auch wenn private und staatliche Initiativen das Marketing für Schweizer Weine markant verbessert haben.

Ein vor allem dem Bier zugeneigter Journalistenkollege hat eine weitere und gepfefferte Erklärung, warum der Schweizer hierzulande vor allem auch auf den Weinkarten in den Restaurants ein Schattendasein führe: Das liege «am sattsam bekannten Dünkel vieler selbst ernannter Weinkenner, verbunden mit einem vollends lästigen Imponiergehabe samt gestelztem Vokabular und einstudierten Glasschwenker-Ritualen».

Kein Statussymbol

Ganz unrecht hat er nicht, der Kollege. Schweizer Weine sind zwar oft hervorragend, doch die wenigsten eignen sich als Statussymbol wie berühmte Topweine aus dem Burgund oder Borde­lais, die oft Hunderte von Franken kosten. Mit Schweizer Gewächsen lässt sich nicht angeben, zumal es nur wenige einheimische Spitzengewächse gibt, die mehr als 50, 60 Franken kosten. Damit ist aber gleichzeitig auch das Vorurteil widerlegt, dass Schweizer Weine besonders teuer seien. Nur im Billigpreissegment können die inländischen Tropfen kaum mit den Importweinen mithalten, doch bei Preisen ab 10 bis 12 Franken sind die einheimischen Tropfen konkurrenzfähig.

Toplokale setzen auf Schweizer

Trotzdem: Meinem Kollegen ist auch – zumindest zum Teil – beizupflichten, wenn er bemängelt, dass auf den meisten Weinkarten in den Restaurants Schweizer Weine untervertreten sind. Anders als etwa in den Nachbarländern, wo einheimische Produkte dominieren. Doch auch da gibt es Verbesserungen: «Die Wirte, die meinem Rat gefolgt sind und vermehrt Schweizer Wein auf ihre Karte setzen, sind des Lobes voll», erklärt Gastro-Ratgeber Geny Hess, einer der besten Kenner der Schweizer Weinszene. Nicht nur bei den Speisen, sondern auch bei den Weinen auf lokale Produkte zu setzen, zahle sich aus.

Eine nicht repräsentative Stichprobe zeigt: Je besser ein Restaurant benotet ist, umso mehr Schweizer Weine finden sich in der Regel auf der Weinkarte. «Es braucht ein bisschen Aufwand, macht aber auch viel Spass», erklärt Romaine Stoffel vom Restaurant Kreuz in Emmen. Ihre Weinkarte wurde von Gault Millau als die beste Schweizer Weinkarte 2016 ausgezeichnet. «Wir suchen die Weine persönlich aus und kennen die Winzer», erklärt Stoffel. Und: «Die Restaurantgäste schätzen dieses Angebot sehr.»

Gute Adressen

Eine Liste der empfehlenswerten Winzer und Weine würde den Rahmen hier bei weitem sprengen. Eine gute Gelegenheit, die Qualität der Schweizer Weine kennen zu lernen, bietet das nächste Wochenende (siehe Kasten). Wer sich weiter informieren will, findet zum Beispiel auf der Website der Mémoires des Vins Suisses die Angaben zu rund 45 Schweizer Topwinzern (www.mdvs.ch). Aber auch die Homepages der privaten Initiative Swiss Wine Connection (www.swiss-wine-connection.ch) wie auch diejenige der offiziellen Marketingstelle Swiss Wine (www.swisswine.ch) geben wertvolle Hinweise und Tipps.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.