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GENUSS: Whisky: Von Schottland ins Hinterland

Erst seit 17 Jahren darf in der Eidgenossenschaft Whisky gebrannt werden. Trotz der noch sehr jungen Geschichte: Die Schweizer Spirituosen haben Potenzial – dank findigen Brennern.
Vater und Tochter stehen hinter dem Whisky made in Altbüron: Hans und Jolanda Stadelmann. (Bild: Corinne Glanzmann / (Neue LZ)

Vater und Tochter stehen hinter dem Whisky made in Altbüron: Hans und Jolanda Stadelmann. (Bild: Corinne Glanzmann / (Neue LZ)

Andreas Bättig

Wer schon in Schottland war, der könnte sich bei einer Autofahrt durchs Luzerner Hinterland durchaus an das Mutterland des Dudelsacks erinnert fühlen: Saftig grün sind die Hügel, der Nebel hängt im Herbst und Winter tief, der Blick in die Ferne zeigt zuweilen nur einzelne Höfe.

Seit dem Jahr 2003 haben das Luzerner Hinterland und Schottland noch eine Gemeinsamkeit mehr: An beiden Orten wird Whisky gebrannt. Denn Schnapsbrenner Hans Stadelmann und seine Tochter Jolanda brennen seither in Altbüron den Gerstenschnaps selber.

«Angefangen hat das mit einem Whisky­club», erinnert sich Jolanda Stadelmann. «Wir tranken gerne Whisky und wollten mal selber einen brennen.» Da ihr Vater ein erfahrener Lohnbrenner ist und bei der eidgenössischen Alkoholverwaltung einen Kurs übers Getreidebrennen besucht hatte, konnte die Idee in die Tat umgesetzt werden.

Aller Anfang ist schwer

«Es brauchte mehrere Versuche, bis wir endlich einen guten und trinkbaren Whisky hinbekommen haben», so die 35-Jährige. Dafür reiste sie auch extra nach Schottland, um dort von den Profis einige Tipps zu holen. Mittlerweile verfügen die Stadelmanns selber über viel Erfahrung beim Whiskybrennen. Ihr «Luzerner Hinterländer Single Malt Whiskey» wurde 2011 bei der Schweizer Spirituosenprämierung ­DistiSuisse mit Gold ausgezeichnet.

Trotz des Erfolgs: Das Whiskybrennen bleibt für Jolanda Stapelmann und ihren Vater nur ein Hobby. «Ich glaube sogar, dass in der Schweiz der Whisky-Brennboom ein bisschen vorbei ist. Es hat inzwischen sehr viele Anbieter. Wir wollen unsere Abfüllungen klein halten», sagt Jolanda Stadelmann. So könne man auch immer wieder mit unterschiedlichen Fässern experimentieren. «Unsere Whiskys sind alle Einzelfassabfüllungen aus gebrauchten Fässern. Mal verwenden wir ein Sherryfass, mal gebrauchte Mostfässer.» Zurzeit teste man ein extra für sie neu hergestelltes Eichenfass. «Es wurde innen ausgebrannt, so dass der Whisky eine rauchige Note bekommen sollte.»

Wie viel Whisky in Altbüron genau gebrannt wird, das wollen die Stadelmanns nicht verraten. «Ein paar Fässer pro Jahr», gibt Stadelmann Preis. Dieses Jahr ist für die Brennerei in Altbüron ein besonderes. «Wir können unseren ersten 10-jährigen Whisky in die Flaschen abfüllen. Er hat eine schöne, süssliche Note.» Ziel sei es, irgendwann mal 20- oder gar 30-jährigen Hinterländer-Whisky zu haben. «Zum Glück habe ich bereits mit 23 Jahren mit dem Whiskybrennen angefangen. So werde ich hoffentlich den eigenen alten Whisky irgendwann noch selber trinken können», sagt Jolanda Stadelmann.

Erster Schweizer in der Holle

Nicht nur in Altbüron, sondern in der ganzen Schweiz sind die meisten Whiskys jung. Denn seit dem Zweiten Weltkrieg war es in der Schweiz verboten, aus Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln oder Gerste Schnaps zu brennen. Erst am 1. Juli 1999 sollte das Gesetz geändert und der Weg somit frei werden für die einheimische Whiskyherstellung. Einer der ersten, der in der Schweiz mit dem Whiskybrennen angefangen hat, war Ernst Bader aus Lauwil BL. Auf seinem Bauernhof namens Holle begann er vor 16 Jahren mit der Herstellung von heimischem Whisky.

Der 84-Jährige brennt jedoch feine Schnäpse, seit er sich erinnern kann. Bader gehört zur vierten Brenner-Generation der Familie. «Das ist einfach ein Gen, das wir Baders erwischt haben», sagt er zu seiner Leidenschaft. Dieses «Brenner-Gen» muss es auch gewesen sein, das Ernst Bader dazu bewogen hat, der Erste sein zu wollen, der in der Schweiz Whisky brennt.

Also traf er Vorbereitungen. Da es in der Schweiz keine Mälzerei mehr gibt, schickte Bader seinen Schwiegersohn nach Deutschland, um in Bamberg 400 Kilo Malz zu besorgen. Als die Grundsubstanz auf dem Hof war, musste Bader vor dem Brennen vor allem noch eins tun: Zum ersten Mal in seinem Leben probierte er einen Whisky. Als Schnapsbrenner hält sich Bader eisern an die Regel, dass der Brenner nie sein bester Kunde sein soll. Trotzdem musste er wissen, wie Whisky schmeckt, bevor er ihn selber herstellen konnte. «Meine Tochter brachte mir eine Flasche aus Schottland mit», sagt Bader. Einen Glenfiddich. Ein Whisky aus der grössten Single-Malt-Destillerie Schottlands für eine der wahrscheinlich kleinsten Brennereien der Welt. Das passte.

Whisky für die Engel

Bader stand am 1. Juli 1999 um fünf Uhr morgens am Brennkessel und feuerte der Maische ein. Um zehn Uhr etwa sei der erste Schweizer Schnaps aus Gerste aus der Destillerie geflossen. Ein Spektakel. Verwandte waren da und auch Vertreter der Medien.

Seinen ersten Whisky von 1999 hat Bader restlos verkauft. Dafür lagern diverse andere Jahrgänge im Keller des 300 Jahre alten Bauernhauses. Holzfass um Holzfass aus französischer oder amerikanischer Eiche, in denen Rot- oder Weisswein gelagert waren, reihen sich aneinander. Die weisse Gewölbedecke färbte sich über die Jahre schwarz.

Der Schnaps im Holzfass arbeitet und verdunstet. «Engelskonsum» nennen das die Whiskybrenner. «Drei Flaschen holen sich die Engel täglich», sagt Bader, der in einer Ecke des Kellers eine Engelsstatue aufgestellt hat. Etwa 100 Fässer lagern auf dem «Holle»-Hof im Keller. In Baders Sortiment befinden sich Single Malts, die zwischen sieben und zwölf Jahre alt sind. Auf die Frage, warum er den ersten Whisky verkauft und ihn nicht 20 Jahre gelagert habe, sagt er pragmatisch: «Ich bin jetzt 83. Einen 25-jährigen Whisky hätte ich vielleicht nicht mehr erlebt.»

Gerste vom eigenen Hof

Einer der kreativsten Whiskybrenner des Landes ist Urs Lüthy aus Muhen AG. Er brennt auf seinem Hof seit 18 Jahren hauptberuflich Schnäpse aus Obst und eben auch Getreide. Und er ist einer der ganz wenigen – wenn nicht der einzige – Whiskybrenner in der Schweiz, der sein Malz nicht importiert, sondern aus der eigenen Braugerste herstellt. Dafür lässt er die Gerste sechs Tage ausgebreitet auf dem Boden keimen, wendet sie zweimal am Tag und darrt (trocknet) sie anschliessend.

Für die diesjährigen Whiskys hat ­Lüthy Gerste auf einer Fläche in der Grösse von acht Fussballfeldern geerntet. «Für mich war klar, dass mein Swiss Single Malt Whisky zu 100 Prozent aus Schweizer Zutaten bestehen soll», sagt Lüthy. Deshalb verwendet er auch fast ausschliesslich Weinfässer aus Eiche aus dem Tessin, dem Wallis, dem Aargau oder aus Zürich. «Wir sind sogar dran, Eichenfässer aus der Gemeinde zu befüllen. Das Holz liessen wir zuvor vier Jahre bei einem Küfer trocknen, um Fässer nach unseren Vorstellungen herzustellen. Lokaler gehts nicht», sagt der 44-Jährige.

2008 konnte Lüthy seinen ersten drei Jahre alten Whisky abfüllen. Der Lagerbestand umfasst mittlerweile gegen 100 Fässer. Von seinem Produkt ist Lüthy überzeugt; eins davon wurde beim Blind-Tasting des Schweizer Magazins «Whisky Time» zum Sieger erkoren. «Mein Whisky weist eine jugendliche Fruchtigkeit auf, ist malzig-würzig, besitzt gut eingebundene Holznoten und einen lang anhaltenden Abgang», sagt Lüthy stolz. Den Vergleich mit einem schottischen Whisky mag er indes nicht. «Die Schotten brennen seit Jahrhunderten Whisky. Die Schweizer erst seit 17 Jahren.»

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