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Rüdlingen SH: Geprägt von Vater Rhein

Ein Ausflug in die schaffhausische Exklave Rüdlingen und ins grösste zusammenhängende Auengebiet der Schweiz.
Urs Bader
Blick vom zürcherischen Rheinufer auf Rüdlingen. (Bild: Urs Bader)

Blick vom zürcherischen Rheinufer auf Rüdlingen. (Bild: Urs Bader)

«Zwüsched Tütschland, Züripiet und Rhy, / E chly verträumt und zimli chly /Und vilne Schwyzer nid bekannt, / Lyt no e Stuck Schaffuuserland.» So reimte Mundartautor Jakob Fehr über die südliche Schaffhauser Exklave am Rhein, die aus den beiden Gemeinden Rüdlingen und dem höher gelegenen Buchberg besteht. Die Kantonshauptstadt kann nur über zürcherisches oder deutsches Gebiet erreicht werden. Rüdlingen, das mit respektvollem Abstand vom Rhein am Hang des Buchbergs liegt, war früher ein Fischer- und Bauerndorf. Die Bauern betrieben auch Rebbau, der immer noch die Landschaft charakterisiert.

Die Kirche gehört zu Rüdlingen und Buchberg

Der historische Dorfkern wird geprägt von schönen Riegelbauten, teils mit bemerkenswerten Inschriften, die aus der Vergangenheit berichten, aber durchaus noch aktuell sind: «Der Pflug im Acker, die Saat und Frucht und des Weinbergs Reben, mögen dem Bauernstand den Friede geben.» Die malerischen Winkel und Ecken hat man aber bald gesehen, weshalb ich dann noch zur kleinen Kirche über dem Dorf aufsteige. Sie gehört zu Rüdlingen und Buchberg – bis 1839 eine Gemeinde. Anhaltende Streitigkeiten führten damals zur Scheidung. Auch der Bau der Kirche war kurz darauf Gegenstand eines Zwists. Die Rüdlinger wollten, dass der Kirchturm auf ihre Seite zu stehen kommt, was aber bautechnisch nicht ging. Erst als der Standort so gewählt wurde, dass sie vom Dorf her wenigstens das Zifferblatt sahen, konnte der Bau verwirklicht werden.

Von der Kirche hat man einen prächtigen und weiten Ausblick Richtung Schaffhausen, auf die Rheinlandschaft vor Rüdlingen und auf die gegenüberliegende Ebene bei der zürcherischen Gemeinde Flaach. Das topfebene Flaacherfeld ist bekannt für seine weissen Spargeln, welche die Bauern hier hegen und pflegen. Der Rhein war den Rüdlingern nicht nur Freude, sondern bedrohte in früherer Zeit ihr Dorf. Als er diesem immer näher rückte und viel Kulturland wegschwemmte, wurde dem Rhein durch die Korrektion von 1882 Einhalt geboten.

Rüdlingen kann als Ausgangspunkt für attraktive Wanderungen genommen werden – rheinabwärts beispielsweise Richtung Eglisau, rheinaufwärts in die grossen geschützten Auenlandschaften. Der Alte Rhein bei Rüdlingen, er entstand durch eine weitere Rheinkorrektion 1897, das gegenüberliegende Rheinufer auf Zürcher Gebiet und der Unterlauf der Thur – die Thurauen – bilden das grösste zusammenhängende Auengebiet der Schweiz. Im Winter ist leider eine Rundwanderung flussaufwärts nicht möglich, weil die traditionsreiche Fähre in Ellikon am Rhein nicht in Betrieb ist. Da ich dies bei früherer Gelegenheit gemacht habe, gehe ich auf die östliche Seite des Rheins und mache mich auf den Weg in die Thurauen. Zuerst schaue ich mich allerdings noch etwas um beim Naturzentrum, das neben Informationen verschiedene Dienstleistungen erbringt (naturzentrum-thurauen.ch). Es ist um diese Jahreszeit aber auch geschlossen, doch immerhin kann ich mich mit einem Informationsblatt mit Plänchen eindecken. Das sind die Nachteile winterlicher Ausflüge – das eine ist nicht in Betrieb, das andere geschlossen.

Beobachtungen am Fluss

Die Reize? Während der nächsten zweieinhalb Stunden begegne ich nur gerade einem Elternpaar mit Kleinkind. Und die Landschaft ist transparent, gibt Blicke frei, die nicht möglich sind, wenn die Vegetation im Saft ist. Der Weg führt zuerst dem Rhein entlang und dann dort, wo die Thur in den Rhein mündet, über einen Steg in die Thurauen, die da und dort einem Dschungel gleichen. Schautafeln informieren über das Revitalisierungsprojekt «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung», das 2017 abgeschlossen wurde. Von Beobachtungsplattformen und -punkten kann man sehen, was dabei herausgekommen ist: Die Thur hat auf den letzten Kilometern vor der Mündung wieder ein natürliches Flussbett erhalten, kann mäandern, Kiesinseln bilden – und bei Hochwasser die Auenlandschaft teils überfluten und dort neue Lebensräume schaffen.

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