Villa Kunterbunt: Hübsch wie Gemüse

Junge Menschen und Grünzeug passen nicht zusammen. Diese Erfahrung machen auch Mütter mit den besten Vorsätzen.

Bettina Kugler
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Was kann der Lauch dafür, dass er so lang und grün, womöglich noch gesund ist? Die Frage mag absurd klingen. Doch im Zusammenleben mit Kindern soll man sich über nichts wundern. Dass junge Menschen und Gemüse nicht zusammenpassen, diese Erfahrung machen auch eingefleischte Vegetarier und Mütter mit den besten Vorsätzen schnell nach dem Abstillen. Nach ersten, neugierigen Expeditionen ins Reich von Rüebli und Kohlrabi. Nach mutigen Versuchen mit Spinat und Brei.

Der Lauch fristete bislang ein unverdächtiges Dasein. Er schwamm allenfalls in Gestalt grüner Ringe in der Suppe herum, wurde mit spitzen Fingern herausgefischt (igitt!) und an den Tellerrand befördert. In einer rationalen Lebensphase, es muss zu Beginn der vierten Klasse gewesen sein, erstellte Lotta gar eine Präsentation über gesunde Ernährung, mit herrlich knackigem Powerpoint-Gemüse – der Lauch war sicher mit von der Partie. Nach Schulschluss gab sie Gummibärchen und Chips den Vorzug. Jetzt aber führt sie ihn ständig im Munde. An jedem Bad-Hair-Day mit dunklen Augenringen oder Pickelchen, die kein Mensch sieht, tönt es dumpf vor dem Spiegel: «Ich seh’ aus wie ein Lauch!» Mal abgesehen davon, dass der gesund und frisch ist – das Mädchen muss Tomaten auf den Augen haben.