Gesundheit
Was bringen Barfussschuhe? Eindeutig ist die Studienlage nicht

Von den minimalistischen Schuhen profitieren vor allem Schulkinder, Senioren und leichtgewichtige Läufer. Für Kleinkinder ist es hingegen am günstigsten, gar keine Schuhe zu tragen.

Jörg Zittlau
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Das Prinzip hinter Barfussschuhen ist: Weniger ist mehr.

Das Prinzip hinter Barfussschuhen ist: Weniger ist mehr.

Zvg

Barfussschuhe liegen im Trend. Die «Minimalist Shoes», wie sie in den USA genannt werden, sollen das Barfusslaufen imitieren – und so das Gehen und Laufen natürlicher und dadurch gesünder machen. Doch die Studienlage zeigt, dass dies nicht bei allen Menschen funktioniert.

So schickte erst kürzlich ein australisches Sportwissenschaftlerteam 70 Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren für neun Monate entweder mit Standardschuhen oder mit Barfussschuhen zur Schule. Die Barfusssimulanten zeigten daraufhin eine kräftigere Fussmuskulatur – und eine bessere Balance beim Gehen. Das deckt sich mit dem Ergebnis von anderen Studien, wonach Kinder seltener stürzen, wenn sie öfter in Barfussschuhen laufen.

Das wirft die Frage auf, ob man nicht sogar schon im Kleinkind- und Vorschulalter die Barfussschuhe zum Einsatz bringen sollte, nach dem Motto: «Je früher, desto besser».

Kleine Kinder laufen ohne Schuhe am besten

Doch gegen diesen Plan spricht eine aktuelle Studie von Biomechanikern der Universität Ostrava. Das tschechische Forscherteam liess Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren barfuss, in Barfussschuhen oder in normalen Schuhen laufen, um zu beobachten, wie sich diese drei Varianten auf die Aufprallkräfte und damit auf das Risiko für eine Überlastung auswirkten. Die Forscher fanden bei den Barfussschuhen im Vergleich zum Barfusslaufen und sogar zu den Standardlaufschuhen eine erhöhte Stossbelastung. Die besten Stossdämpfereigenschaften hatte das echte Barfusslaufen. Deshalb sollten Kleinkinder also so oft wie möglich ganz ohne Schuhe laufen.

Dies ist bei Senioren anders. Sie scheuen oft das Barfusslaufen, beispielsweise aus Scham über die eigenen Füsse oder aus Angst vor Instabilität, Stürzen oder auch vor dem Auskühlen der Füsse. «Hier kann dann ein Gehtraining mit minimalistischen Schuhen eine Alternative oder eine Übergangsoption zwischen Schuhen und Barfusslaufen sein», empfiehlt Evi Petersen von der University of South-Eastern Norway.

Die skandinavische Sportwissenschaftlerin hat in einer Studie herausgefunden, dass Barfussschuhe gegenüber dem Barfusslaufen eine bessere Trittsicherheit und Gangstabilität bieten. Dies könne man nutzen, um Senioren einen Kompromiss zwischen beiden Varianten anzubieten, oder sogar, um sie an den Schuhverzicht heranzuführen. Denn der sei im Hinblick auf die Kräftigung der Fuss- und Unterschenkelmuskulatur und Bewegungskontrolle das Ziel, worauf Senioren hinarbeiten sollten.

Barfussschuhe machen Laufen ökonomischer

Auch leistungsorientierte Läufer können von Barfussschuhen profitieren. Man läuft nämlich, wie australische Forscher an 61 gut trainierten Joggern herausgefunden haben, energiesparender und schneller, sobald Barfussschuhe ins Training integriert werden. Das liegt am geringen Gewicht der Schuhe, und daran, dass der Läufer nicht mehr über die Ferse abrollt, sondern den Boden nur noch kurz mit Fussballen und Mittelfuss antippt. Ausserdem führen die Barfussschuhe zu einer ökonomischeren Laufmechanik.

Wegen Verletzungsgefahr rät Studienleiter Joel Fuller schweren Läufern aber, weiterhin in stossdämpfenden Schuhen zu trainieren. Und die übrigen sollten auch nicht abrupt auf Barfussschuhe umsteigen.