Bisswunden
Vorsicht bissig! So gefährlich sind menschliche Beissattacken wirklich

Nicht nur Hunde und Katzen, auch Menschen fahren in bestimmten Situationen ihre Zähne aus – oft mit gefährlichen Folgen. Durch Menschenbisse gelangen Bakterien in den Körper und können dort folgenschwere Infektionen verursachen.

Lukas Scherrer
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Luis Suarez schlug seine Zähne in die Schulter von Giorgio Chiellini.

Luis Suarez schlug seine Zähne in die Schulter von Giorgio Chiellini.

Keystone

Es war die wohl bislang bizarrste Szene der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien: die Beissattacke von Uruguays Luis Suarez gegen den Italiener Giorgio Chiellini vom Dienstagabend. «Die Rückkehr des Vampirs» titelte «Spiegel online» über den dreisten Angriff des Wiederholungstäters, und auch Ex-Torwart und ZDF-Fussballexperte Oliver Kahn findet: «So ein Verhalten kennt man sonst nur von Tieren.»

In der Tat werden die meisten Bissverletzungen neben Wildtieren vor allem durch eigene oder fremde Haustiere verursacht. So müssen in der Schweiz beispielsweise jährlich rund 10 000 Personen wegen eines Hundebisses von ihrem Hausarzt oder im Spital behandelt werden.

Städter beissen öfters zu

Doch nicht nur Tiere, auch Menschen beissen gerne mal beherzt zu. Während die Rate von Menschenbissen in ländlichen Gebieten eher niedrig ist, kann sie in stärker bevölkerten Gebieten bis zu 20 Prozent betragen. Insbesondere Polizeibeamte werden häufig Opfer von Bissattacken, wenn sie Krawallmacher ins Schwitzkästchen nehmen.

Und Bissverletzungen durch Menschen sind alles andere als harmlos, wie Manuel Battegay, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel, erklärt: «Menschenbisse können gefährlich sein, weil in unseren Mündern sehr viele Bakterien wie beispielsweise Streptokokken leben. Werden diese unter die schützende Hautschicht des Gebissenen übertragen, können Infektionen entstehen.» Doch während nach einem Hundebiss die meisten einen Arzt aufsuchen, wird eine durch einen Menschen verursachte Bissverletzung oft verharmlost – zu Unrecht. «Wird eine tiefere Bisswunde von Menschen nicht behandelt, kann eine Infektion auch erst nach Wochen oder Monaten auftreten und für den Patienten gefährlich werden», sagt Battegay.

Raufereien und Liebesbisse

Doch woher kommt eigentlich der Beissdrang bei erwachsenen Menschen? Psychologen gehen davon aus, dass das Beissen ein Überbleibsel aus Kindstagen ist. Kleinkinder beissen gerne und oft zu und lernen erst mit den Jahren, dass sich das Beissen von seinesgleichen nicht gehört. Werden wir älter, bauen wir mental eine Hemmung auf, zuzubeissen. In Momenten grosser Wut, Angst oder Verzweiflung kann diese aber leicht durchbrochen werden – so geschehen beim beisswütigen Suarez, der mit seiner Affekthandlung gegen seinen italienischen Kontrahenten zwar um eine rote Karte herumkam, nun aber einer disziplinarischen Untersuchung des Weltfussballverbands Fifa entgegensieht.

In der Welt des Sports unvergessen bleibt auch der Boxkampf zwischen Mike Tyson und Evander Holyfield 1997, der nach drei Runden mit der Disqualifikation Tysons – und einer blutigen Beissattacke auf das Ohr seines Gegners – vorzeitig zu Ende ging.

Ausserhalb des Sports sind Menschenbisse bei Erwachsenen fast immer das Resultat von Streitereien und anderen Konfliktsituationen. Sei es beim Ehekrach in den vier Wänden oder bei einer handfesten Rauferei in der Bar: Oft spielt ein hoher Alkoholpegel eine wesentliche Rolle. Neben eskalierender Gewalt können auch überschäumende Hormone beim Geschlechtsverkehr für grobe «Liebesbisse» sorgen, die unbedingt behandelt werden sollten. So empfiehlt Manuel Battegay, auch kleinere Menschenbisse ausgiebig zu desinfizieren und bei Unsicherheit einen Arzt aufzusuchen, um die Ausbreitung einer Infektion zu verhindern. Denn auch wenn Bisse nicht bluten, können Bakterien unter die Haut gelangen.