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Immer mehr Haushaltgeräte sind mit Mikrofonen ausgestattet

Im Alarm-System «Nest Secure» ist ein Mikrofon verbaut. Das hat der Hersteller verschwiegen. Auch ­immer mehr Haushaltsgeräte sind mit Mikrofonen ausgestattet, die Stimmen erkennen können. Das birgt Risiken für die Privatsphäre.
Adrian Lobe

Im Nest Secure, einem in den USA erhältlichen Alarmsystem von Google, ist auch ein Mikrofon integriert. Dieses wurde auf der Verpackung des Produktes nicht deklariert. Der Konzern reagiert umgehend und entschuldigte sich für das Verstehen.

Eine der eher weniger beachteten Folgen der Digitalisierung ist, dass man im Alltag nicht nur von Kameras, sondern auch von jeder Menge Mikrofonen umgeben ist. Im Smartphone ist ebenso ein Mikrofon integriert wie in Autos, Backöfen, Geschirrspülern, Fernsehgeräten oder Ventilatoren, die sich allesamt per Sprachsteuerung bedienen lassen. Mit Amazons Sprachassistentin Alexa kann der Nutzer sogar das Wasser in die Badewanne einlassen.

Die digitalen Diener gehorchen per Zuruf. Das mag bequem sein. Doch wie Kameras bergen auch Mikrofone Risiken für die Privatsphäre. Seit Jahren halten sich Gerüchte, dass Facebook auf das Handymikrofon zugreift und heimlich Gespräche mitschneidet – was der Konzern dementiert.

Gleichwohl: Solche Abhörpraktiken wären nicht überraschend. Laut der «New York Times» aktivieren über 250 Spiele-Apps wie «Beer Pong: Trickshot» oder «Honey Quest» das Mikrofon in Smartphones, um herauszufinden, welche TV-Werbespots die Nutzer gerade sehen. Diese heimlich gewonnene Information werde genutzt, um passgenaue Werbung auf dem Smartphone auszuspielen. Sieht der Nutzer gerade Bierwerbung in der Fussball-Halbzeit, zeigt ihm das Handy Werbung für eine Brauereimarke an.

Amazon hilft der Polizei in mysteriösem Mordfall

Amazon drängt mit seiner Sprachassistentin Alexa zunehmend auch in Autos. Vor wenigen Monaten hat der Onlinehändler ein kassettengrosses Gerät (Echo Auto) auf den Markt gebracht, mit dem sich per Sprachsteuerung Stauinformationen abrufen oder Musiktitel abspielen lassen. Echo Auto verfügt über acht Fernfeldmikrofone, die die Stimme des Fahrers auch bei einem laufenden Gebläse oder Strassenlärm hören. Die Frage ist: Was hört der Assistent sonst noch alles? Die Polizei im US-Bundesstaat Arkansas verlangte von Amazon in einem mysteriösen Mordfall die Herausgabe von Audiodateien, weil der Netzwerklautsprecher Echo möglicherweise Geräusche am Tatort aufgezeichnet hat.

Auch im urbanen Raum gibt es zahlreiche Mikrofone. In immer mehr US-Städten werden im Boden und auf Hausdächern akustische Überwachungssysteme, sogenannte ShotSpotter, installiert, die Schüsse lokalisieren und automatisch die Polizei alarmieren. Fällt ein Schuss, zeichnen Sensoren das Geräusch auf. Der Schall kann dann geortet werden. In der US-Stadt New Bedford sollen die Mikros einen lauten Streit auf der Strasse aufgezeichnet haben, was über den Verwendungsweck der Hardware weit hinausginge.

Stimme ist einzigartig wie die DNA

Die Stimme ist wie der Fingerabdruck oder das Gesicht ein einzigartiges biometrisches Merkmal. Und anders als das Gesicht verändert sie sich kaum. Stimmen bleiben trotz Veränderungen wie Stimmbandlänge und Kehlkopfgrösse über Jahrzehnte gleich. Und im Gegensatz zur DNA können stimmbiometrische Daten geräuschlos und aus der Ferne erhoben werden, ohne dass die Person etwas davon merkt oder ihr Einverständnis gibt. Das macht Stimmerkennung zu einem interessanten Überwachungswerkzeug für Ermittler.

Die Investigativ-Plattform «The Intercept» enthüllte, dass die NSA vor zehn Jahren eine audioforensische Software entwickelte, die Millionen von Audiodateien scannte und in den Sprachaufzeichnungen Stimmen Terrorverdächtigen zuordnen konnte. Das Programm war sogar in der Lage, verstellte Stimmen zu erkennen. Es gibt KI-Systeme, die erkennen, ob jemand mit vollem Mund spricht. Am Moskauer Flughafen Domodedowo kommt laut der Nachrichtenagentur AP seit 2015 ein Stimmerkennungssystem zum Einsatz, das aufgrund von Veränderungen der Stimme verdächtige Passagiere erkennen soll.

In China gehen die Behörden noch einen Schritt weiter: Laut einem Bericht von Human Rights Watch erprobt die Polizei in der Provinz Anhui ein automatisiertes Stimmerkennungssystem, das Telefongespräche in Echtzeit abhört und einzelne Stimmen isoliert. In einem Fall soll die stimmbiometrische Identifikation dabei geholfen haben, einem Betrüger das Handwerk zu legen.

Im Jahr 2015 hatte die Polizei in Anhui bereits 70 000 Stimmabdrücke gesammelt und zu einer biometrischen Datenbank hinzugefügt. Wo Daten vorhanden sind, besteht auch immer ein Anreiz, diese abzugreifen. Am Ende könnte es heissen: Wer hat uns verraten? Sprachautomaten.

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