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«Einmal volles Haar, bitte!»: Sogar Männer unter 30 helfen mit Transplantation nach – wie Ex-Bachelor Clive Bucher

Nicht nur Prominente wie Englands Fussballer Wayne Rooney und Fussballtrainer Jürgen Klopp haben sich Haare transplantieren lassen: Auch hierzulande lassen sich mehr Männer behandeln, wenn sich eine Glatze bildet – sogar solche unter 30 Jahren. Ein prominentes Beispiel ist Ex-Bachelor Clive Bucher.
Deborah Gonzalez
Spriesst da noch was? Immer mehr Männer wollen ohne Stress in den Spiegel schauen. (Bild: Shutterstock)

Spriesst da noch was? Immer mehr Männer wollen ohne Stress in den Spiegel schauen. (Bild: Shutterstock)

Mehrmals täglich prüft Manuel seine Frisur im Spiegel. Sorgfältig rückt er mit Gel jede Strähne an seinen Platz. Niemand soll erkennen, dass ihm Haare ausfallen. Auch die Geheimratsecken kommen langsam zum Vorschein. In seinem Badezimmer stehen Anti-Haarausfall-Seren, Koffein-Shampoos und verschiedene Öle. Etliche Marken hat der Student schon ausprobiert – so richtig geholfen hat keine. Der 27-Jährige sagt:

«Es ist wirklich schlimm, jedes Mal wenn ich in den Spiegel schaue, schäme ich mich.»

Damit ist er nicht alleine, denn bis zu 80 Prozent der Männer bis 50 Jahren leiden unter Haarausfall. Auch wenn Manuel noch volles schwarzes Haar hat, sagt er: «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um über eine Haartransplantation nachzudenken. Noch wäre ja etwas da, um damit zu arbeiten.» Aber er zögert, den Eingriff durchführen zu lassen.

In den letzten Jahren ist das Interesse an Haartransplantationen stetig gestiegen. Im Jahr 2017 haben sich laut einer gross angelegten Studie aus den USA weltweit knapp über 635'000 Personen Haare transplantieren lassen. 2014 waren es erst 397'000. «Früher hat man sich deswegen geschämt, heute ist es kein Tabuthema mehr», sagt Nic Liotta, General Manager der «The Gentlemen’s Clinic» in Zürich.

Ein früher Eingriff macht durchaus Sinn

Das Thema Haartransplantation sei auch bei Männern wie Manuel, die noch genug Haare auf dem Kopf haben, angekommen. Immer mehr Männer ab 20 Jahren würden sich für das Thema interessieren und den Eingriff wagen. Für Liotta macht das durchaus Sinn:

«Wenn noch genügend Haare da sind, kann man natürlich anders arbeiten als mit einer Halbglatze.»

Nicht nur Prominente wie Englands Fussballer Wayne Rooney und Fussballtrainer Jürgen Klopp haben sich Haare transplantieren lassen, auch hierzulande trauen sich die Männer: Auf Internetplattformen wie Instagram und Snapchat legen immer mehr männliche Influencer offen, wieso sie sich in ihren jungen Jahren die Haare transplantieren lassen und brechen somit das Tabu. Auch Ex-Bachelor Clive Bucher hat den Eingriff vor zwei Monaten machen lassen und ist darüber sehr glücklich, wie er verriet.

Clive Bucher: «Beim Stylen habe ich immer geschaut, dass man den Haarausfall nicht bemerkt.» (Bild: Instagram/clivebucher)

Clive Bucher: «Beim Stylen habe ich immer geschaut, dass man den Haarausfall nicht bemerkt.» (Bild: Instagram/clivebucher)

Heutzutage seien es laut Liotta längst nicht mehr nur «eitle Fussballer und Banker», die ihr Erscheinungsbild verändern wollen. «Der Typ Mann hat sich gewandelt. Vom Künstler bis zum Skater – es kommen Leute aus allen Bereichen und Schichten zu uns», erklärt der 35-Jährige, der selber bereits zwei Haartransplantationen hinter sich hat.

1500 Haare werden an eine andere Stelle verpflanzt

Bei der Haartransplantation werden auf dem hinteren Teil des Kopfes einzelne Haarwurzeln entnommen und an der kahlen Stelle verpflanzt. Der Eingriff dauert einen Tag, je nach Menge der Haare geht das acht bis zehn Stunden. Die Kopfhaut wird dabei lokal betäubt oder der Patient in einen Dämmerschlaf versetzt. «Viele der jungen Patienten schauen während der Operation Netflix», sagt Liotta.

Im Durchschnitt werden 1500 Wurzeln transplantiert. Diese werden von den sogenannten Spenderhaaren genommen. «Die Körperhaare auf dem hinteren Teil des Kopfes wachsen immer wieder nach und sind von Natur aus stärker als die eigentlichen Kopfhaare», erklärt der Spezialist. Um eine kahle Stelle zu bedecken, reicht ein Eingriff. «Danach muss man an dieser Stelle keine Haare mehr transplantieren, in den meisten Fällen bleibt das Haar dort dauerhaft.»

Der Plastische Chirurg Benedikt Strub sagt dazu: «Dass ein geringer Teil der transplantierten Haare nach dem Eingriff wieder ausfallen, ist möglich. Die überlebenden Transplantate haben die gleichen Voraussetzungen wie normale Haare.» Nach dem Eingriff kann es bis zu ein Jahr dauern, bis man das Endresultat sieht, da die Haare erst wachsen müssen.

Der Eingriff sei kein sogenannter «Hochrisiko-Eingriff», dennoch bestünden wie bei jedem chirurgischen Eingriff Risiken, sagt Strub. Es kann zu einer Infektion kommen oder sichtbare Narben zurückbleiben, je nach Grösse der Nadel, die die Haare entnimmt.

Auch Eigenblut hilft – oder ein Tattoo

Haarausfall Die Haartransplantation ist nicht die einzige Methode, um der Glatze vorzugreifen. Es gibt auch die sogenannte «PRP»-Technik (Plättchenreiches Plasma), bei der das eigene Blut unter die Kopfhaut gespritzt wird. Die Plättchen sind voll mit Wachstumsfaktoren und Mikronährstoffen und sollen den Haarausfall nicht nur stoppen, sondern auch wieder neue Haare spriessen lassen. Für diejenigen, die bei einem Kurzhaarschnitt bleiben wollen, empfiehlt Experte Nic Liotta die Mikrohaarpigmentierung. «Das ähnelt einer Tätowierung und imitiert die Haarstoppeln», sagt er. Viele entscheiden sich dafür. «Das liegt an der Angst», erklärt Liotta, «man hat automatisch mehr Angst vor einer Operation als vor einem Tattoo-Termin.» (dgo)

Viel billiger in der Türkei

In der Schweiz ist die Auswahl der Kliniken, die Haartransplantationen anbieten, gross. Nichtsdestotrotz entscheiden sich viele Patienten für das Ausland. «Die Kosten spielen bei der Entscheidung eine grosse Rolle. Die Schweiz ist ein Hochpreisland, allein die Grundkosten sind hierzulande teurer», sagt Strub. In der Schweiz kostet der Eingriff je nach Menge der Haare zwischen 6000 und 12 000 Franken. In anderen Ländern, wie der Türkei zahlt man für den Eingriff um die 2800 Euro.

Auch die amerikanischen Autoren der Studie, die die Zunahme der Haartransplantations-Eingriffe festgestellt haben, warnen vor dem Gang ins Ausland. Low-Cost-Angebote seien vor allem in der Türkei weit verbreitet, jedoch wüssten nur wenige der Patienten, dass die Eingriffe von wenig bis gar nicht geschultem Personal durchgeführt werden.

Anders sieht das Ex-Bachelor Clive Bucher. Er ist vor zwei Monaten in die Türkei gereist, um sich die Haare transplantieren zu lassen. «Die Türkei ist viel besser für diesen Eingriff, weil sie ihn viel mehr praktizieren. Klar ist der Preis auch ein Pluspunkt – immerhin ist es dort fünfmal günstiger und das Endergebnis stimmt», sagt Clive. Die Empfehlung eines Bekannten und dessen Fotos hätten ihn überzeugt.

Der Ex-Bachelor macht kein Geheimnis daraus

Während seiner Bachelor-Zeit vor knapp einem Jahr schien Clive noch volles Haar zu haben. Den Eingriff habe er nicht nötig gehabt, sagt er selber, ihm seien jedoch schon seit längerem immer wieder Haare ausgefallen. Es sei also nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der Eingriff nötig gewesen wäre. Der Ex-Bachelor sagt:

«Beim Stylen habe ich natürlich immer geschaut, dass man den Haarausfall nicht bemerkt.»

Der Ex-Bachelor wollte jedoch kein Geheimnis daraus machen. Die Meisten seiner Fans hätten positiv reagiert und nach Informationen gefragt: Ob es wehtue, wo er es gemacht habe, wie das ginge. «Ich möchte möglichst vielen eine Hilfe sein, darum mache ich es auch öffentlich.»

Genauso wie Manuel, ist Clive erst 27 Jahre alt. Dass immer jüngere Leute zur Haartransplantation als Lösung für Haarausfall greifen, zeigt sich nicht nur auf Instagram und Snapchat, sondern auch in den Kliniken. In der «The Gentlemen’s Clinic» seien es oft Herren ab 25 Jahren, die sich darüber informieren. «Der Jüngste war 22 Jahre alt. Dank Leuten wie Clive, ist es leichter für die jüngere Generation – sie schämen sich nicht mehr», sagt Liotta.

Die Haartransplantation sei jedoch nicht nur eine äusserliche Veränderung: «Der Haarausfall ist eine Belastung für die jungen Männer und der Eingriff gibt ihnen dann ein gutes Gefühl, sie sind selbstbewusster», sagt Liotta. Schliesslich werde man mit dem täglichen Blick in den Spiegel immer wieder aufs Neue damit konfrontiert. Auch Manuel kennt das Gefühl. Und er sagt zum öffentlichen Statement von Leuten wie Clive Bucher, Jürgen Klopp und Wayne Rooney: «Sie machen es mir leichter. Es ist kein Tabu mehr.»

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