HAFENCITY: Hamburg – ganz elegant

Szenis, Gourmets und Design-Liebhaberinnen zieht es in die «coole Schöne» des Nordens. Das hat nicht nur mit der futuristischen Elbphilharmonie zu tun, die gerade in aller Munde ist. Hippe Lokale, edle Flaniermeilen und schicke Shops machen die Stadt am Wasser zum Hotspot für anspruchsvolle Städtebummler.

Text und Bilder: Angela Allemann
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Das neue Klangwunder: Der Saal der Elbphilharmonie bietet 1657 Plätze. (Bild: Christian Charisius/AP)

Das neue Klangwunder: Der Saal der Elbphilharmonie bietet 1657 Plätze. (Bild: Christian Charisius/AP)

Text und Bilder: Angela Allemann

 

Schön ist sie geworden, die Elbphilharmonie. Ihre Fertigstellung hat zwar auch ein paar Jahre länger gedauert als geplant, nämlich neun, und zehnmal so viel gekostet wie gedacht, nämlich rund 800 Millionen Euro. Doch jetzt, wo alles fertig ist, am 11. Januar das erste Konzert erschallte, sind alle milde gestimmt und schwärmen von dem funkelnden Wunderkristall, der auf dem rotem Sockel eines ehemaligen Kaispeichers, eines ehemaligen Tee-, Kaffee- und Kakaolagers, erstellt wurde. Denn das komplexe Glashaus obendrauf, dessen Waben sich unregelmässig wölben und öffnen wie ein Schiff mit geblähten Segeln, das ist schon ein Schauspiel für sich; je nach Licht, Wind und Wetter flirrt und schimmert es wie Mondstein.

Ende gut, alles gut. Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron feiern jetzt ihr architektonisches Wunderwerk, das weit mehr ist als nur ein Konzerthaus, sondern ein Meisterwerk aus atemberaubender Architektur und exzellenter Musik. Drei Konzertsäle, ein Luxushotel, 44 Wohnungen, Restaurants und eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform beherbergt das neue Gebäude. Ein spektakulärer Weg führt zum Musikgenuss, und zwar mit der Tube, einem futuristischen Tunnel, auf einer gebogenen, gut 80 Meter langen Rolltreppe. Das dreiwöchige Eröffnungsfestival bis Ende Januar versammelt klangvolle Namen international bekannter Orchester und Musiker, darunter die Wiener Philharmoniker, Kent Nagano, Riccardo Muti mit dem Chicago Symphony Orchestra sowie Cellist Yo-Yo Ma. Auf allen Plätzen wird fabelhafte Akustik dank steiler Ränge versprochen, kein Platz ist mehr als 30 Meter vom Dirigenten entfernt. Das neue Stadtviertel Hafencity, das seit einigen Jahren die Wasserfront der Elbe bestimmt, hat durch die «Elbphi», wie die Hamburger ihr neues Wahrzeichen liebevoll nennen, ein ganz neues Gesicht und einen Mittelpunkt bekommen. Immer noch unfertig ist die Hafencity mit der Speicherstadt, das haben neue Stadtviertel so an sich. Und so wird es auch noch ein paar Jahre bleiben; das Projekt Wohnen und Arbeiten am Wasser wird wohl erst in etwa zehn Jahren fertig sein. Dennoch haben sich bereits neue Treffpunkte zum Flanieren und Essen eta­bliert.

Der «König der Löwen» brüllt über das Elbwasser

Überhaupt hat sich die Wasserstadt, wo früher eine Hafenrundfahrt als die grösste Touristenattraktion galt, im Laufe der Zeit zur Weltstadt gemausert. Seit Jahren schon haben sich in Hamburg die Musicals etabliert. Der «König der Löwen» brüllt immer noch lautstark übers Elbwasser. «Cats» und «Das Phantom der Oper» folgten, «Mamma Mia» und «Das Wunder von Bern» lassen die Herzen der Eidgenossen höher schlagen.

Leisere Töne schlägt man in der Nähe der Alster an. Das Schauspielhaus in St.Georg ist nur einer von vielen Musentempeln und immer wieder mal für einen Skandal gut. In den Deichtorhallen, wo einst Blumen verkauft wurden, ist heute moderne Fotografie zu besichtigen.

Vom Weltklasse-Ballett zum Jungfernstieg

Wie keine andere kulturelle Institution ist das Hamburger Ballett mit dem Namen des gebürtigen US-Amerikaners John Neumeier verbunden. Die aussergewöhnlichen Leistungen seiner Compagnie zeigen sich in seiner neuen Inszenierung «Tatjana». Erreicht hat er solche Exzellenz durch sein eigenes Ballettzentrum, in dem er Nachwuchstalente ausbilden lässt, zehn Autominuten vom Zentrum entfernt. Und hier rund um die Binnenalster finden sich auch die nobelsten Shoppingmöglichkeiten. Hamburgs Luxusboulevard ist der Jungfernstieg, eingerahmt von Alsterkanälen mit ewig kreischenden Möwen, dem kurzen, aber edlen Neuen Wall, Hamburgs prächtigem Rathaus und den überdachten Colonnaden. Hinter denkmalgeschützten überglasten Jugendstilfassaden oder in gepflegten Kontorhäusern aus Backstein lagern hochwertige Produkte: Kunst, Antiquitäten und Lifestyle-Artikel. Marken wie Jil Sander und Joop (beide Topdesigner stammen aus Hamburg), Chanel und Prada haben sich hier einge­richtet. Neue sind dazugekommen: Feldenkirchen in der Poststrasse, Filipa K und Petra Teufel in den Hohen Bleichen. Und da in Hamburg die meisten Millionäre Deutschlands leben, darf das Leben auch etwas kosten. Läden wie Unger und Ladage & Oelke stehen für hanseatische Tradition. Kaffeeröstereien gibt’s an jeder Ecke, und Star-Coiffeure wie Marlies Möller und Udo Waltz präsentieren gleich zwei oder auch drei ihrer Nobelgeschäfte in der Stadt. Und das Alsterhaus, ein Warenhaus der Luxusklasse direkt am Wasser, wird immer schicker und hat die wohl bestsortierte Feinkostabteilung, die sich wunderbar für einen kleinen Snack direkt in der City eignet.

In der Tat setzen die Hamburger auf Qualität. Fisch muss entweder noch schwimmen oder ganz nahe am Wasser serviert werden. Bei Henssler & Henssler zum Beispiel, der gleich zwei Sushi-Tempel in der Stadt führt. Ein gediegener Klassiker ist das Fischereihafen-Restaurant mit seinem prächtigen Blick über den Hafen. Hier am Altonaer Elbufer befindet sich auch das Dockland von Hamburgs Stararchitektenteam Bothe Richter Teherani. Man kann das schiffsbugartige Haus über eine grosse Treppe besteigen; am Ende der Stufen wird man mit einem grandiosen Elbblick belohnt.

Ein Gläschen Champagner auf der Überfahrt

Wer dem Wasser und den grossen Schiffen ganz nahe sein will, fährt raus nach Blankenese, erläuft sich die steilen Hänge und engen Gässchen des Treppenviertels oder wandert den Elbhöhenweg auf der grünen Wasserseite entlang. Hin und wieder gibt es auch hübsche weisse Strände. Keine Frage, dass die kleinen Seemannshäuschen oder auch grössere Villen schön gepflegt und vom Feinsten sind. Sogar die omnipräsenten Kätzchen des Nobelquartiers haben ein glänzenderes Fell als anderswo. Das schicke und legendäre Hotel C. Jacob inmitten der Pracht macht es neuerdings den Gästen leicht, auf seine Lindenterrasse zu gelangen. Und zwar mit der hauseigenen ­Barkasse, der MS Jacob. Klar gehört auch ein Gläschen Champagner zur imposanten Überfahrt, vorbei an stolzen Kränen und mächtigen Containerschiffen, von Computern fast lautlos be- und entladen. Kaffee und Kuchen auf besagter Lindenterrasse mit dem Blick über den Elbstrom ist ein Muss nach dieser Lektion in Hamburgs Hafen, und auch die Ga­stronomie in dem klassisch weiss getünchten Haus mit wohl gepflegten Hortensien davor ist eine der besten der ganzen Stadt.

Nur noch zu toppen durch einen Schlummertrunk in der höchstgelegenen Bar der Stadt. «Tanzende Türme» heisst der Bürokomplex des Stararchitekten Hadi Teherani an der Reeperbahn, die sich längst von ihrem Schmuddelimage befreit hat. Unten logiert der Mojo-Club, wo Jazz, Soul und Bossa Nova getanzt wird. Ganz oben ist das «Clouds», Hamburgs höchstes Restaurant, 105 Meter hoch. Viel Glas sichert die gute Aussicht. Und noch stimmungsvoller ist die Freiluftbar ein Stockwerk höher. Von hier aus sieht man den Hafen in seiner Werktagskluft, abends stimmungsvoll zu blauer Stunde oder auch unter funkelndem Sternzelt in dunkler Nacht.

 

Herrlich hanseatisch: Gute Adressen in der Kultstadt am Wasser

Anreise und Touren: Swiss, Lufthansa und Eurowings fliegen Hamburg direkt an. Tourmark/Railtour/Suisse SA, Zollikofen, Tel. 031 378 02 44, www.railtour.ch, hat diverse Hamburg-Angebote mit Bahn, Nachtzug oder Flug im Programm.

Hotels: Westin Hamburg in der Elbphilharmonie mit Blick auf den Hafen und die einzigartige Speicherstadt, Unesco-Weltkulturerbe. 244 Zimmer und Suiten im 9. bis 20. Stock. Restaurant im 7. Stock, Spa mit einer Fläche von 1300 m2, ab 247.– € DZ.

Park Hyatt, Bugenhagenstrasse 8, sehr zentraler Klassiker, ab 220.– Euro/DZ. Hollywood-Stars mögen den riesigen Spa-Bereich.

Louis C. Jacob, Elbchaussee 401–403, ab 245.– Euro/DZ. Sehr exklusives Restaurant sowie Weinbar Kleines Jacob.

East, Stylisches Designhotel nahe der Reeperbahn auf St.Pauli, Simon-von-­Utrecht-Strasse 31.

Restaurants und Bars: Die Bank, die tatsächlich mal eine Bank war und heute eine Brasserie der Banker ist, Hohe Bleichen 17.

Clouds, Reeperbahn 1, gutes Essen, viel Aussicht, gute Drinks. Henssler & Henssler, Sushibars des Starkochs Steffen Henssler, Grosse Elbstrasse 160 und im Ono am Lehmweg 17 in Eppendorf. The Table, Shanghaiallee 15, Hafencity, chick, teuer und das neuste Top-Restaurant der Stadt.

Kultur: Tickets für die Elbphilharmonie können telefonisch unter der Nummer +49 40 357 666 66 bestellt werden, die Ticket-Hotline ist montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr erreichbar. Klicken, bestellen, ausdrucken oder auf dem Smartphone speichern. Für die einzelnen Veranstaltungen ist unter www.elbphil­harmonie.de, «Programm», jeweils ein Ticket-Button hinterlegt. Dort finden sich auch alle aktuellen Informationen rund um das Programm und die platzgenaue Bühnensicht.

Delikatessen: Mutterland, origineller Feinkostladen mit viel Hausgemachtem, Poststrasse 14–16. Carls Brasserie, ausgesuchte Weine, Tees und Gewürze, Kaiserkai 69, Hafencity. Oschätzchen im Alsterhaus, Hohe Bleichen, ein wahres Schlaraffenland.

Weitere Informationen: www.hamburg-tourismus.de, www.elbphilharmonie.de

Wilhelminische Backsteingotik prägt die Kanäle der Speicherstadt. (Bild: Angela Allemann)

Wilhelminische Backsteingotik prägt die Kanäle der Speicherstadt. (Bild: Angela Allemann)

Die Austernbar und Brasserie in Hohe Bleichen war einst Domizil einer Bank. (Bild: Angela Allemann)

Die Austernbar und Brasserie in Hohe Bleichen war einst Domizil einer Bank. (Bild: Angela Allemann)

Das Rathaus und die Colonnaden: Historische Flaniermeile mit Säulengang. (Bild: Angela Allemann)

Das Rathaus und die Colonnaden: Historische Flaniermeile mit Säulengang. (Bild: Angela Allemann)

«Tanzende Türme» an der Reeperbahn: Im 23. Stock befindet sich das höchste Restaurant Hamburgs. (Bild: Getty)

«Tanzende Türme» an der Reeperbahn: Im 23. Stock befindet sich das höchste Restaurant Hamburgs. (Bild: Getty)