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HAINAN: An Chinas südlichstem Punkt

Ganz im Süden zeigt die Volksrepublik ein Gesicht, das man als Europäer kaum von diesem Land kennt: Herrliche Palmenstrände an tiefblauem Meer vor urwaldbewachsener Bergkette. Die Insel Hainan ist ein tropisches Ferienparadies, in dem man als Besucher aus dem Westen immer wieder selbst zur Sehenswürdigkeit wird.
Der Guan Yin Buddha im Nanshan-Tempel ragt insgesamt 108 Meter in die Höhe. Die Statue auf einer künstlich aufgeschütteten Insel ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten im Süden Chinas. (Bild: Andreas Faessler)

Der Guan Yin Buddha im Nanshan-Tempel ragt insgesamt 108 Meter in die Höhe. Die Statue auf einer künstlich aufgeschütteten Insel ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten im Süden Chinas. (Bild: Andreas Faessler)

Text und Bilder: Andreas Faessler

Wer schon mal beim Anflug auf Honolulu aus dem Fenster geschaut hat, hat hier ein Déja-vu: Wenn Chinas südlichster Küstenabschnitt rund um die Stadt Sanya am Horizont auftaucht, ist die frappante Ähnlichkeit mit dem Archipel im Pazifischen Ozean unverkennbar. Wir sind auf der Insel Hainan, ganz zu Recht «Hawaii des Ostens» genannt. Kennen tut man diese knapp 34000 km2 grosse Inselprovinz hierzulande kaum. Für Strandferien im fernen Osten fliegt der Europäer nach Thailand, Indonesien oder Malaysia. Aber nach China? Man assoziiert die Volksrepublik kaum mit feinsandigen Stränden, Kokospalmenhainen und türkisfarbenem Meer unter glasklarem Azur.

Chinas «hauseigene» Ferieninsel wird fast ausschliesslich von Chinesen und Besuchern aus den umliegenden Staaten frequentiert. Lediglich ein paar Russen aus Sibirien finden ab und zu hierher. Östlich der Stadt Sanya mit ihren knapp 700000 Einwohnern liegen mehrere Buchten. Die populärste von ihnen ist die Yalong Bay, bekannt für ihre riesigen Luxusresorts und für den schönsten Sandstrand Chinas. Eingebettet in eine tiefgrüne tropische Hügellandschaft mit dem kitschig-blauen, kristallklaren Wasser des Südchinesischen Meeres, gibt die Yalong-Bucht ein überwältigendes Postkartenmotiv ab. Die mächtigen Hotelanlagen sind architektonisch genug geschickt konzipiert, dass sie dieses farbenprächtige Naturtheater für die Augen nicht stören. Der Strand und auch die Poolanlagen sind tagsüber fast leer. Der Grund: Chinesen meiden das gleissende Sonnenlicht. Erst am späteren Nachmittag füllen sich die Liegestühle allmählich mit Inland-Feriengästen. Ein Pluspunkt für westliche Sonnenanbeter – wenn man so will. Man hat viel Platz für sich.

Boomtown mit hartnäckiger Patina

Der Ausflugsradius für ausländische Touristen ist auf Hainan nicht besonders gross, die bekanntesten Sehenswürdigkeiten liegen im Einzugsgebiet von Sanya. Autofahren ist nur Chinesen gestattet, ein Mietwagen kommt nicht in Frage. Ein neuer Hochgeschwindigkeitszug verbindet Sanya mit der Provinzhauptstadt Haikou im Norden der Insel. Ansonsten ist man mit öffentlichen Bussen einigermassen gut bedient. Am besten aber kommt man mit dem Taxi herum. Man fährt für umgerechnet ca. 20 Franken vom Hotel in der Yalong-Bucht ins Zentrum von San­ya. Einerseits eine typisch chinesische Grossstadt mit reichlich Läden, Märkten und gesichtsloser Bausubstanz. Andererseits eine Art Boomtown mit hypermoderner, kühner Architektur – zumindest dem Anschein nach ein Zeichen, dass Tourismus und Wirtschaft florieren. Aber vieles davon wirkt dennoch verwahrlost und verwaist, zumindest in den Sommermonaten. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich das Land hier in seiner Entwicklung überschlägt. Die häufig anzutreffende Schäbigkeit im Angesicht der rasanten und erstaunlichen Modernisierung Chinas ist faszinierend. Ein Bummel durch die belebten Ladengassen der Innenstadt, ein Spaziergang an der neuen, gepflegten Strandpromenade mit dem künstlichen Phoenix Island im Blick, und schon hat man Sanya mehr oder weniger gesehen.

Die Sprachbarriere

Idealerweise zeigt man dem nächsten Taxifahrer einen Zettel, auf welchem der Hotelname auf Chinesisch steht. Englisch spricht auf Hainan kaum jemand. Mit etwas Glück findet sich unter dem Hotelpersonal eine Person, mit der eine Basiskommunikation möglich ist. Selbst am Flughafen: Fehlanzeige. Auf Hainan lernt man zwangsläufig, sich mit Hand und Fuss zu verständigen, was zuweilen für heitere Momente sorgt, aber man gewöhnt sich schnell daran. Und man wird für die Verständigungsschwierigkeiten von seinem chinesischen Gegenüber stets mit dem legendären Lächeln beschenkt. Ein Glück, dass die reich bestückten Speisekarten der zahlreichen Restaurants in der Yalong Bay mit Bildern versehen sind. Auch wenn schlussendlich trotzdem unklar bleibt, was genau man essen wird. Ernährungstechnisch ist man im Zentrum von Yalong bestens bedient, es lohnt sich, ausserhalb des Hotels essen zu gehen, die Speisen sind gut, frisch und sehr preiswert. Neben den erwähnten Gaststätten mit allem, was das Meer und der Rest der Natur hergeben, finden sich auch Starbucks und McDonald’s für diejenigen, welche es zur Abwechslung westlich mögen.

Ein nagelneues Besucherzentrum im Herzen Yalongs wird als Attraktion angepriesen, es wird Eintritt verlangt. Wofür, bleibt ein Rätsel. Eigentlich gibt es gar nichts zu sehen. Vieles ist unfertig oder geschlossen, was zuweilen befremdlich wirkt. Neben dem Besucherzentrum dreht eine junge Chinesin im weissen Röckchen ihre Runden in einer offenen Eishalle – bei 40 Grad im Schatten und extremer Luftfeuchtigkeit. Diese tropischen Verhältnisse sind auf Hainan im Juni und Juli üblich. Entsprechend gilt es, sich zu wappnen – mit sehr viel Trinkwasser, Schweisstuch respektive Ersatzkleidung und effektivem Sonnenschutz.

Tempelanlage der Superlative

Die Hauptattraktion Hainans liegt an der Küste westlich von Sanya, eine Autostunde von Yalong entfernt: Der Nanshan-Tempel ist ein 40000 m2 grosses buddhistisches Heiligtum. Erst 1988 erbaut, finden sich hier neben weitläufigen Gartenanlagen aufwendig konstruierte und authentische Tempelbauten unterschiedlicher Stile des Buddhismus. Ein Fest für die Sinne. Zu Fuss oder per Shuttle pilgert man durch das gepflegte Gelände von Pagode zu Pagode, über Brücken, durch Laubengänge und Blumenbeete. Die von allen Seiten her schallenden Erklärungen der Tourguides bleiben natürlich unverstanden, aber die eindrücklichen Ansichten sprechen für sich. Höhepunkt des Nanshan-Tempels und eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Südchinas ist der Guan Yin Buddha. Auf einer künstlichen Insel im Meer stehend, ist die Figur mit ihrer Gesamthöhe von 108 Metern die viertgrösste Statue der Welt.

Als Europäer auf Hainan muss man damit rechnen, selbst zur Attraktion zu avancieren und laufend – heimlich oder auch weniger diskret – fotografiert zu werden. Gross, blond, Bart etwa sind Attribute, die hier besonders viel Aufmerksamkeit ernten. Aber auch an solches gewöhnt man sich schnell, und es hat durchaus eine amüsante Komponente.

Auf verwunschenen Pfaden durch den Dschungel

Eine anderes beliebtes Ziel auf Hainan ist der weitäufige Yalong Bay Tropical Paradise Forest Park auf der Hügelkette über der Bucht. Idyllische Seerosen-Teiche, Pavillons, Pagoden und verwunschene Pfade entführen den Besucher in eine mystische Welt. Eine Hängebrücke führt schwindelerregend hoch über ein dicht bewaldetes Tal. Von hier aus sowie von der Pagode am höchsten Punkt des Parks hat der Besucher einen atemberaubenden Blick auf die gesamte Yalong Bay und über die tropische Hügellandschaft des Hinterlandes.

Auf einer Reise nach Hainan (oder einer anderen innerchinesischen Destination) sollte man sich auf unerwartet grosse Verspätungen und Ausfälle gefasst machen. Der vom chinesischen Militär kontrollierte Luftraum ist für das enorme zivile Flugverkehrsaufkommen viel zu eng bemessen, weshalb Stau in der Luft an der Tagesordnung ist. Und wenn Peking seine Flughafendrehscheibe wegen des Smogs kurzerhand für unabsehbare Zeit dicht macht, hat das extreme Auswirkungen auf den inländischen Flugverkehr – das Chaos an den Flughäfen ist vorprogrammiert.

Nichtsdestotrotz bleibt Hainan ein sehr lohnenswerter Geheimtip für Reisehungrige aus dem Westen, die eine kulturell und landschaftlich einzigartige Alternative zu den populären Feriendestinationen in Asien suchen.

Reisetipps

Reisezeit: Ganzjahresdestination, im Sommer heiss mit mehr Niederschlag.
Anreise:zum Beispiel mit Air China ab Zürich via Genf oder Frankfurt und Peking nach Sanya, in den Sommermonaten ab 650 Franken.

Hotelempfehlung:Huayu Resort & Spa Yalong Bay. Riesiges Erstklass-Resort mit tropischen Garten- und Poolanlagen, moderate Zimmerpreise, angrenzendes Einkaufszentrum mit Läden und Restaurants, wenige Gehminuten zum Strand. www.hainan-china.de

Pavillons und lauschige Teiche – Chinas Gartenarchitektur ist einzigartig. (Bild: Andreas Fässler)

Pavillons und lauschige Teiche – Chinas Gartenarchitektur ist einzigartig. (Bild: Andreas Fässler)

Der palmengesäumte Strand von Sanya ist tagsüber menschenleer. Moderne Appartmenttürme dominieren das nördliche Stadtzentrum. (Bild: Andreas Fässler)

Der palmengesäumte Strand von Sanya ist tagsüber menschenleer. Moderne Appartmenttürme dominieren das nördliche Stadtzentrum. (Bild: Andreas Fässler)

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