Kolumne

Postkarte aus Prag: Schön die Hand aufhalten

In der tschechischen Hauptstadt bedroht ein fehlgeleiteter Bauboom das Weltkulturerbe.

Rudolf Gruber
Drucken
Teilen

Alle Welt liebt Prag als eine der schönsten Städte, die Lokalregierung anscheinend nicht. Früher wollten die Kommunisten ganze historische Viertel roden, um ihr bourgeoises Antlitz zu zerstören und gesichtslose Plattenbauschachteln hinzustellen. Zum Glück fehlte das Geld dafür, auch fürchtete das Regime Proteste. Also liess man wertvolle Häuser und Gebäude einfach verfallen; an den Fassaden klebte zentimeterdick der Russ aus Industrieschloten und von Abgasen der Zweitakter-Kisten.

Nach der demokratischen Wende 1989 wurden die Altstadtviertel aufwendig restauriert, Horden von Touristen zwängen sich seither durch die engen Gassen. Dann kamen die Immobilienhaie: Immer mehr monströse Beton-Glas-Klötze schieben sich mittlerweile vor die prächtige Silhouette über der Moldau. Jetzt droht die Unesco, Prag von der Liste des Weltkulturerbes zu streichen. Ursache des fehlgeleiteten Baubooms: Zu viele Genehmigungen werden im Eilverfahren von Entscheidungsträgern erteilt, die reflexartig die Hand aufhalten.