Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vor 100 Jahren: Heldentat im Nebel über dem Atlantik

Nicht Charles Lindbergh flog als Erster nonstop über den Atlantik. Zwei Briten gelang dieses wagemutige Unternehmen schon acht Jahre früher, am 14. Juni 1919, in einem umfunktionierten Bomber.
Andreas Lorenz-Meyer
Navigator Arthur Brown und Pilot John Alcock vor der Vickers Vimy im August 1919. (Bild: Alamy)

Navigator Arthur Brown und Pilot John Alcock vor der Vickers Vimy im August 1919. (Bild: Alamy)

Transatlantikflüge sind heute etwas Normales. Die Passagiere an Bord bekommen Essen serviert und schauen sich einen Film an. So komfortabel hatten es die zwei wagemutigen Briten nicht, die den Ozean vor 100 Jahren als erste ohne Zwischenlandung überwanden. Genau: zwei Briten, und nicht der berühmte Charles Lindbergh, der im Mai 1927 in seiner «Spirit of St. Louis» von New York nach Paris flog.

Lindbergh war der erste, der allein flog. Aber eben erst acht Jahre nach John Alcock und Arthur Whitten Brown. Alcock, der Pilot, und Brown, der Navigator, wollten sich die 10000 Pfund Preisgeld schnappen, die der Besitzer der Zeitung «Daily Mail» schon vor dem Ersten Weltkrieg ausgesetzt hatte.

Und so stiegen die beiden am 14. Juni 1919 um 13.40 Ortszeit in Lester´s Field bei St. John´s, Neufundland in einen modifizierten Bomber vom Typ Vickers Vimy und flogen los in Richtung Osten.

Gerade mal zehn Meter über dem Wasser

Schon der Start verlief holprig: Der langsam aufsteigende Doppeldecker wäre fast in einem Kiefernwald am Ende des Startfelds gelandet. Auch danach gab es heikle Momente zu überstehen. Alcock steuerte den Bomber lange Zeit blind durch Wolkenbänke oder dicken Nebel. «Selten nur sahen wir Sonne, Mond oder Sterne», berichtete er später der «Daily Mail».

Um 6 Uhr morgens, schon recht nah am Ziel, ging es dann auch noch durch Schnee und Hagel. Alcock hatte die Maschine auf 3500 Meter Höhe gebracht, damit sie sich dort oben besser orientieren konnten. Die Vickers Vimy war mit Eis bedeckt, Brown versuchte es mit einem Messer wegzukratzen. Um der gefährlichen Vereisung zu entgehen, ging es wieder hinab, sehr weit hinab. Zwischenzeitlich flog man gerademal zehn Meter über dem Atlantik.

Immerhin: Der Wind wehte stetig aus Nord- oder Südwest und half den beiden voranzukommen. Schliesslich tauchten die Felsen von Eeshal und Turbot Island auf – Irlands Westküste, Europa! Rund 16 Stunden nach dem Rumpelstart in Neufundland, am frühen Vormittag des 15. Juni 1919, landeten Alcock und Brown in der Nähe von Clifden, County Galway.

Von King George V. zum Ritter geschlagen

Genau genommen legte Alcock eine Bruchlandung in einem Hochmoor hin, dem Derrygimlagh Bog. Aus der Luft habe es wie eine «reizende Wiese» ausgesehen, so der Pilot. Der Bomber, der die Pioniere gut 3000 Kilometer weit getragen hatte, versank bis zu den Achsen im Boden und fiel vorneüber. Das alles notierte der Reporter des «Daily Mail», der die Helden nach dem Frühstück in der Funkstation von Clifden befragte. Alcock und Brown wurden von King George V. zum Ritter geschlagen, und das Preisgeld bekamen sie natürlich auch. Überreicht wurde es ihnen vom damaligen Luftfahrtminister Winston Churchill.

Erstmals in die entgegengesetzte Richtung, von Osten nach Westen, ging es nur wenige Wochen später, allerdings nicht im Flugzeug. Am 2. Juli 1919 hob in East Lothian, Schottland, ein englisches Starrluftschiff vom Typ R34 in Richtung Amerika ab. «Tiny», so der ironische Spitzname des 196 Meter langen Riesen, benötigte viereinhalb Tage, um Long Island, New York zu erreichen. Ein Offizier sprang bei Ankunft mit dem Fallschirm aus 2000 Metern Höhe und dirigierte die Landung vom Boden aus.

In Deutschland hatte es bereits im Frühjahr 1919 ähnliche Pläne gegeben. Der Zeppelin LZ 114 stand bereit für den langen Flug nach Amerika, die Genehmigung vom Reichsmarineamt lag schon vor. Doch die Reichsregierung sagte Nein.

Erster transatlantischer Passagierverkehr

Nachdem der Atlantik, genauer der Nordatlantik, nun in beiden Richtungen überflogen worden war, folgten weitere Meilensteine. Darunter die erste Nonstop-Überquerung des Südatlantiks durch die Franzosen Dieudonnes Costes und Joseph le Brix, die 1927 von Saint-Louis, Senegal nach Natal, Brasilien flogen.

Bald ging es dann los mit dem transatlantischen Passagierverkehr. Zuerst mit den schwebenden Luftschiffen. Später, nach dem Hindenburg-Unglück 1937, mit Flugbooten. Ab Sommer 1939 kam die luxuriös ausgestattete Boeing 314, genannt Yankee Clipper, zum Einsatz. Pan Am nahm damit den ersten Passagier-Linienflugverkehr zwischen alter und neuer Welt auf. Da begann der Zweite Weltkrieg, und die Yankee Clipper wurden für militärische Zwecke gebraucht.

Die Boeing 314 hatte 74 Sitze, für damals eine Menge. Heute sind die Dimensionen viel gewaltiger. Der A380, das bisher grösste Passagierflugzeug, kommt auf 555 Sitzplätze. Im Jahr 2015 wurden auf den Nordatlantikstrecken 44 Millionen Sitzplätze angeboten. Die meisten Flüge starteten amerikawärts von London Heathrow, gefolgt von Paris Charles de Gaulle und Frankfurt. Jenseits des Atlantiks beförderte New Yorks JFK die meisten Passagiere nach Europa. 2017 erhöhte sich die Zahl der Nonstop-Strecken von 347 auf 431.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.