Heute ist tatsächlich der Tag der Heiligen Corona – ohne Pandemie wäre das kein Thema

Der Tag der Heiligen Corona wäre üblicherweise in der Schweiz höchstens eine Randnotiz. Doch in diesen Pandemiezeiten lässt der Name aufhorchen. Wer war dieses Mädchen, das wegen ihrer Überzeugung bei lebendigem Leib zerrissen wurde?

Jürg Krebs
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In Aachen reinigt und konserviert ein Student der Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft den Schrein der Heiligen Corona. Das Aachener Münster birgt viele Schätze – einen davon hat die Domschatzkammer aus gegebenem Anlass jetzt früher hervorgeholt als eigentlich geplant: Den Schrein mit den angeblichen Überresten der Heiligen Corona.

In Aachen reinigt und konserviert ein Student der Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft den Schrein der Heiligen Corona. Das Aachener Münster birgt viele Schätze – einen davon hat die Domschatzkammer aus gegebenem Anlass jetzt früher hervorgeholt als eigentlich geplant: Den Schrein mit den angeblichen Überresten der Heiligen Corona.

Keystone

Sie soll 16 Jahre alt gewesen sein, als zwei herabgebogene Palmen katapultartig emporschnellten und das in ihrer Mitte gefesselte Mädchen zerrissen. Ihr Name: Corona. Sie starb für ihren christlichen Glauben – und für die Liebe zu Victor. Der Soldat hatte zu Zeiten der Christenverfolgungen den Unmut der römischen Staatsmacht auf sich gezogen, war verhaftet und zu Tode gequält worden.

Ob Corona tatsächlich Victors Ehefrau war, ist nicht gesichert. Eine andere Theorie spricht davon, dass Corona die Braut eines anderen Soldaten war, die Victor während der Marter Mut zusprach. So wird es auf Wikipedia beschrieben. Und das Paryrologium Romanum nennt Victor und Corona als Heiligengefährten, also als Paar. Wie auch immer, Coronas Fürsorge endete auch für sie tödlich.

Corona, die Gekrönte

Corona heisst auf lateinisch die Gekrönte. Warum die junge Christin diesen Namen erhielt, liegt im Dunkeln. Doch auch das Virus Sars-Cov-2 trägt den Namen Corona, wegen seiner Ausstülpungen, die ihm je nach Blickwinkel eine Kronen-artigen Aura verleihen. Und ohne Pandemie wäre dieser Artikel über die antike Heldin wohl nicht erschienen.

Wo und wann sich die Geschichte zutrug ist ebenfalls nicht gesichert. Am wahrscheinlichsten ist, dass Corona um 160 nach Christus geboren und 177 nach Christus gestorben ist. Örtlich ist die Geschichte im damals griechisch geprägten östlichen Mittelmeerraum angesiedelt, also im Gebiet der heutigen Türkei, Syriens oder Ägyptens.

Von dort wurde die Legende von Corona gemäss Heiligenlexikon.de nach Italien und von dort ins heutige Deutschland überliefert. Für Norditalien sei sie seit dem 6. Jahrhundert verbürgt. In Feltre wurde im 9. Jahrhundert eine Basilika gebaut die Victor und Corona geweiht wurde.

Kaiser Otto brachte Corona nach Aachen

Der deutsche Kaiser Otto III. brachte schliesslich im 10. Jahrhundert Reliquien von Corona nach Aachen. Es sind nicht die einzigen, die in Europa zu finden sind.

Der Heilige Victor und Corona in einer Miniaturmalerei, Paris um 1480.

Der Heilige Victor und Corona in einer Miniaturmalerei, Paris um 1480.

Wikipedia

Die Verehrung der später heilig gesprochenen Corona ist vor allem in Österreich und Ostbayern präsent und konzentriert sich bei den Katholiken auf den 14. Mai. Für die Schweiz wird Corona nicht speziell genannt.

Schutzheilige gegen Seuchen

Im Ökumenischen Heiligenlexikon steht Corona für Standhaftigkeit im Glauben. An sie werden Bitten gerichtet gegen Unwetter und Miss­ernte und zur Abwendung von (Vieh-)Seuchen. Genauer belegt ist dies gemäss Wikipedia aber nicht.

Dafür ist es in diesen Pandemiezeiten passend. Und wer weiss, vielleicht hilft ein an die Heilige Corona gerichtetes Stossgebet, dass wir Covid-19 in den Griff bekommen.