Hommage an einen wahren Klassiker – den Herrenschuh

Erstmals in der Schweiz rückt eine Ausstellung die Geschichte des Herrenschuhs in den Fokus. Verändert hat sich dieser kaum – zum Glück.

Rahel Koerfgen
Drucken
Teilen
Zeitlose Eleganz. Der klassische Halbschuh von Bally. Bild: Bally

Zeitlose Eleganz. Der klassische Halbschuh von Bally. Bild: Bally

Während die Mode immer schnelllebiger wird, fast im Wochentakt auf Trends reagiert und sich stets aufs Neue erfindet, hält sich ein Klassiker bereits seit hundert Jahren: der Herrenschuh, kurz vor dem Ersten Weltkrieg von findigen Schuhfabrikanten entwickelt.

Ein Halbschuh aus Leder mit etwa fünf Ösen, tiefem Absatz, mit Lochmuster oder ohne, vorne abgerundet. Aller weltpolitischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts zum Trotz ist diese Grundform bis heute praktisch unverändert geblieben – ganz im Gegensatz zu den Damenschuhen.

«Das ist doch sehr bemerkenswert. Und trotzdem wurde darüber bis heute noch nie nachgedacht»

,sagt Philipp Abegg mit hörbarer Begeisterung. Abegg ist ein ­direkter Nachfahre des legendären Schweizer Schuhpioniers C. F. Bally und Präsident von Ballyana in Schönenwerd, der Stiftung für die Bally-Familien- und -Firmengeschichte.

Am Dienstag eröffnete er im dazugehörigen Museum und im Beisein von Polit- und Designprominenz eine Sonderschau, die es in der Schweiz noch nie gegeben hat: «Bally Monsieur» zeigt die Entwicklung des Bally-Herrenschuhs seit 1851. Rund 100 Schuhmodelle – die meisten sind Raritäten, die das Firmenarchiv von Bally zur Verfügung stellt – werden dort bis Oktober 2020 zu sehen sein. Nicht nur Halbschuhe aus feinstem Kalbsleder, sondern auch Bottinen mit ziemlich hohem Absatz oder Sneakers aus Segeltuch.

Besonders spannend aus schuhhistorischer Sicht sei die Zeit der grossen Wirtschaftskrise zwischen den beiden Weltkriegen, sagt Abegg: «Die Krise legte bei den Bally-Schustern ein Feuerwerk der Kreativität an den Tag, um die Schuhe an den Mann zu bringen.» Und als während des Zweiten Weltkriegs das Leder knapp und unsäglich teuer wurde, griffen die Schuster zu Alternativen wie Holz und auch Gummi.

Und welches Modell gefällt dem Bally-Nachkommen am besten? «Es geht nichts über den klassischen Herrenschuh, der sich so lange gehalten hat. Diese zeitlose Eleganz wird nie aus der Mode kommen», sagt Abegg.