Klub der jungen Dichter
Der absolut einzigartige, unglaubliche Maleo Mäuserich

Leandra Steinmann, Ettiswil, erzählt im «Klub der jungen Dichter» eine spannende Geschichte um einen Mäuserich auf einem Piratenschiff und dessen Rettung durch einen grünen Pagagei.

Leandra Steinmann, Ettiswil, 2. Jahr Berufsschule
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Leandra Steinmann, Ettiswil, 1. Jahr Berufsschule

Leandra Steinmann, Ettiswil, 1. Jahr Berufsschule

Die Nacht war kalt und stürmisch, als das Abenteuer begann... «Stürmisch» war ein netter Ausdruck; es goss aus Kübeln, als würde die Welt jeden Moment untergehen. Und eigentlich war das gar nicht mein Abenteuer. Zumindest nicht das richtige. Eigentlich sollte ich jetzt auf meinem Piratenschiff sein und meinen Kapitän unterstützen, als wichtigster Kämpfer an Bord. Uneigentlich aber, hatte ich gerade herausgefunden, dass ich auf dem falschen Schiff übernachtet hatte. Ich hatte gestern wohl einen zu viel hinter die Augenklappe gekippt. Und die blöden Saufnasen von Kameraden hatten mich alleine zurückgelassen. Wie zuverlässig.

Ich grummelte und richtete mich auf meine Hinterbeine. Mit zusammengekniffenen Augen scannte ich das unbekannte Schiff ab. Wir waren noch immer am Hafen, also würde ich unbemerkt fliehen können… Dann entdeckte ich die Flagge des Schiffes. Heiliges Kanonenfutter, ich war ausgerechnet auf dem Schiff unseres Erzfeindes gelandet! Dem Piratenschiff von 3-Finger-Jack. Ich fuhr mir mit der Pfote über die Schnauze. Schlimmer konnte es ja wohl nicht werden. «Segel setzen, Leinen los!», schallte es in diesem Moment übers Deck. Mein Kopf drehte sich so schnell nach rechts, dass ich ein verräterisches Knacken hörte. Tatsächlich stand da Holzbein-­Timo, ein treuer Kamerad von 3-Finger-Jack, und liess die Leinen los.

Keine Sekunde später schaukelte das Schiff bereits in den offenen Ozean hinaus. Ich nahm die Pfote vom Gesicht und tapste endlich nach vorne. Ich sollte zusehen, dass ich so schnell wie möglich von hier runterkam. Dank meiner geringen Grösse gelang es mir gut, unbemerkt zum Bug des Schiffes zu kommen. Meine Pfoten schlitterten über die nasse Oberfläche des Decks, als ich den Mast erreichte. Neben mir kreischte ein lächerlicher Möchtegern-Pirat auf, als er mich entdeckte. Ich hob die Augenbrauen und kletterte den Mast hinauf. So schlimm sah ich nun auch nicht aus. Das Gekreische des Piraten hatte mittlerweile die anderen angezogen. Tatsächlich tauchte fast die Hälfte der Mannschaft auf und starrte zu mir hoch. Was sehr ungünstig war. Ich schenkte dem Möchtegern-Piraten meinen übelsten Todesblick.

Genau in diesem Moment bahnte sich 3-Finger-Jack durch die Menge. «Was ist hier los?», rief er laut. Vermutlich ist es nicht nötig euch zu erklären, wieso er 3-Finger-Jack heisst. An seiner rechten Hand baumelte ein Handhaken und an der linken hingen bloss noch drei Finger, kein schöner Anblick sag ich euch. Dann entdeckte 3-Finger-Jack mich. Die Kinnlade stand ihm offen und der Hut wäre beinahe davongeflogen. «Beim Klabautermann! Maleo Mäuserich?»

Ich klammerte mich mit meinem Schwanz an den Mast fest und richtete mich auf die Hinterbeine. Mit gezücktem Degen sah ich meinen Erzfeind besserwisserisch an. «Der absolut einzigartige, unglaubliche Maleo Mäuserich.» 3-Finger-Jack stütze seine beiden Krüppel-Arme auf die Hüfte ab. «Arrgh! Dann lasst uns dich hier und jetzt zur Strecke bringen oder gehst du freiwillig über die Planke?» Ich grinste. «Nur über deine Leiche.» Damit hüpfte ich vom Holzmast herunter und landete in der Hocke. Mit meinem Degen zielte ich auf meinen Gegner. Die ganze Mannschaft hatte ihre Schwerter hervorgeholt und sah mich drohend an.

Um ehrlich zu sein: Ich hatte keine Ahnung, wie ich da lebend rauskommen sollte. Ich war der beste Kämpfer der ganzen sieben Weltmeere, aber gegen 20 Mann kam selbst der einzigartige Maleo Mäuserich nicht an. Die aufsteigende Panik verdrängte ich im Nu und stellte mich selbstbewusster denn je auf. Jetzt kam es auf alles oder nichts an. In diesem Falle wäre das Nichts mein Tod und darauf konnte ich gut verzichten. Und gerade als der erste mit dem Schwert in meine Richtung stiess, durchschnitt ein lautes Krähen den Himmel. Mir blieb gerade genug Zeit, um einen grünen Papageien zu erkennen, als sich auch schon dicke Krallen in meine Schultern bohrten und mich davonrissen.

Ich hörte 3-Finger-Jack fluchen, als er kapierte, zu wem der Papagei gehörte: Das war Bongo, das Hausvieh meines Kapitäns. Mir entwich ein schadenfrohes Lachen. «Wir werden uns wiedersehen Maleo Mäuserich, das hier ist noch nicht beendet!», schrie er mir hinterher. Ich konnte nicht anders, als ihm mit meiner Pfote eine Kusshand zuzuwerfen. Wie entzückend zu glauben, man könne mich besiegen...

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