Klub der jungen Dichter

Zuckerwatten-Karamell-Bonbons

Anja Schumacher, Malters, schreibt im «Klub der jungen Dichter» über einen erfolglosen, armen Künstler, der mit einem gefälschten Bild den grossen Coup landen will.

Anja Schumacher, Malters, 6. Primar
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Die Nacht war kalt und stürmisch, als das Abenteuer begann. Er schlich sich in den dunklen Saal, öffnete den Rucksack und nahm das Bild heraus…

Anja Schumacher, Malters, 6. Primar

Anja Schumacher, Malters, 6. Primar

Die Geschichte begann vor einigen Monaten in der Wohnung eines nicht sehr erfolgreichen Künstlers namens Hofer. Er hatte im bisherigen Leben nicht viel Glück gehabt. Bilder hatte er bis jetzt nur wenige an irgendwelche Verwandte verkauft, die sie nur aus Mitleid kauften. Der Künstler sass am kleinen Küchentisch in seiner leeren Wohnung. Er hatte einen Kaffee in der Hand und las die Zeitung. Auf der Titelseite stand «Gefälschtes Bild im Museum Alte Pinakothek in München aufgetaucht». Er las die Seite mehrere Male durch. Da kam ihm die Idee: Ich werde Bilderfälscher!

Er stellte den Kaffee neben die Zuckerwatten-Karamell-Bonbons, die er so liebte, und ging in seine Werkstatt in der Garage. Im Internet suchte er nach einem berühmten Bild, das er fälschen konnte. Er wählte eines aus, das zurzeit im Kunstmuseum Zürich hing. Als er nach einigen Wochen fertig war, fand er sein Werk sehr gelungen. Er konnte mit seinem Plan starten.

Er packte sein nachgemaltes Bild in den alten Rucksack und ging damit in das Kunstmuseum Zürich. Beim Kiosk vor dem Eingang kaufte er noch schnell seine Lieblings-Zuckerwatten-Karamell-Bonbons. Der Künstler zog sein dünnes Portemonnaie aus der Jackentasche und bezahlte die Bonbons. Die Kiosk Verkäuferin war froh, dass sie alle sechs Zuckerwatten-Karamell Bonbons-Schachteln, die sie seit langem nicht verkaufen konnte, endlich verkauft hatte. Im Museum bezahlte er anständig das Ticket und ging in die verschiedenen Säle, um die Bilder zu betrachten. Um zehn Minuten vor fünf Uhr ertönte die Durchsage: «Liebe Gäste, in zehn Minuten schliessen wir. Wir bitten Sie, das Museum zu verlassen.»

Nur einer verliess das Museum nicht. So schnell Hofer konnte, lief er in Richtung Toiletten und sperrte sich in einer Kabine ein. Da wartete er darauf, bis es Mitternacht wurde. Um sich die Langeweile etwas zu versüssen, ass er seine Bonbons. Als er sich sicher war, dass das Museum menschenleer war, schlich er sich in die Gänge. Er ging in den dunklen, grossen Saal und schaltete neben der Tür die Sicherung für den Strom aus. Als er sicher war, dass die Alarmanlage und die Kameras keinen Strom mehr hatten, öffnete er seinen Rucksack und nahm das Bild heraus. Nun tauschte er das Original mit der Fälschung aus. Zwei Tage später stand eine grosse Schulklasse im selben Saal, in dem vor zwei Tagen der Bilderaustausch stattgefunden hatte. Die Lehrerin mit den braunen schulterlangen Haaren erklärte den Kindern, dass sie besonders auf den Rahmen und die Details im Bild achten sollen. Ein aufgeweckter Junge schaute vom Prospekt zum Bild und wieder zurück. Ihm fiel auf, dass der Bilderrahmen an der Wand viel weniger Blumen besass, als der Rahmen im Prospekt. Der Junge ging zur Lehrerin und erzählte ihr von seiner Entdeckung. Die Lehrerin war schockiert. Nach wenigen Sekunden war der Vorfall gemeldet und der Kommissar vor Ort. Kommissar Arnold liess die Räume durchsuchen und die Polizisten fanden in der Herrentoilette einen ganzen Mülleimer voller Zuckerwatten-Karamell-Bonbons-Papiere. Der Kommissar marschierte schnurstracks zum Kiosk vor dem Museum. Die Kioskverkäuferin konnte sich an den Herrn mit dem Rucksack, der alle Schachteln Zuckerwatten-Karamell-Bonbons gekauft hatte, erinnern. So eine genaue Beschreibung hatte der Kommissar noch nie bekommen.

Bald kam man dem Künstler Hofer mit der Personenbeschreibung auf die Schliche. Er wurde verurteilt und musste für einige Zeit hinter Gitter. So blieb der Künstler Hofer auch weiterhin ein erfolgloser, armer Künstler.