HORW: Sie mischen die Kaffeeszene mit neuem Geschmack auf

Vom Feld in die Tasse: Drei Jungunternehmer haben genug vom Einheitsbrei und stellen in Horw eigenen Kaffee her – mit Unterstützung aus Zentralamerika.

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In der Rösterei in Horw wird getüftelt, auf der Suche nach dem besten Kaffeegeschmack. Im Bild: die Firmengründer (von links) – Mira Hochstrasser, Cornelius Heggli und Mario Waldispühl. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

In der Rösterei in Horw wird getüftelt, auf der Suche nach dem besten Kaffeegeschmack. Im Bild: die Firmengründer (von links) – Mira Hochstrasser, Cornelius Heggli und Mario Waldispühl. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

El Imposible – ein einst schier unbezwingbarer Hügelzug in El Salvador: Hier ist der Ursprung der Horwer Mikrokaffeerösterei «El Imposible Roasters GmbH».

Vier Tonnen Rohkaffee, abgepackt in Säcken a 70 Kilo, lagern in einem alten Lagerraum an der Horwer Kantonsstrasse. Von Hand haben sie einst Kaffeebauern in El Salvador gepflückt. 9500 Kilometer Luftlinie und 16 Flugstunden entfernt, laden Mira Hochstrasser (29), Mario Waldispühl (30) und Cornelius Heggli (31) die grünen Bohnen im Wert von gut 30 000 Franken mit Muskelkraft vom Lastwagen. Noch haben sie nicht den typischen Kaffeegeruch – erst nach dem Rösten entfalten sich die Geschmäcker. Süsslich, säuerlich, vanillig, Zitrusaroma.

«Kaffeesensorik muss gelernt sein»

Ein Spezialitätengeschäft für hochwertigen Kaffee soll in den nächsten Monaten in der alten Lagerhalle in Horw entstehen. «Ich habe in El Salvador Kaffeebauern kennen gelernt und selbst beim Pflücken Hand angelegt», sagt Heggli, der mehrmals Zentralamerika bereiste und seine Leidenschaft für Kaffee entdeckte. Mit dem Rohstoff – nach Erdöl dem zweitwichtigsten Handelsgut der Welt – verhalte es sich wie mit Wein oder Whisky. «Spezifische Kaffeesensorik muss gelernt sein.» Um dies herauszufinden, hat Heggli sein Pensum als Veranstaltungstechniker auf 60 Prozent reduziert.

Im neuen Jahr wollen sie liefern

Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Horwer Kaffeepackungen an die Kunden gehen. Je nach Qualität, Geschmack und Exklusivität der Bohnen kosten diese laut Heggli wohl zwischen 15 und 30 Franken pro 500 Gramm. Doch bevor die Jungunternehmer mit Kaffee Geld verdienen, müssen sie investieren. Gut 20 000 Franken braucht es noch. Mittels Crowdfunding soll das Geld zusammenkommen (siehe Hinweis).

Beinahe 100 000 Franken haben die drei bereits in die Mikrorösterei gesteckt – eine Röstmaschine und Messgeräte für Farbe und Feuchtigkeit gekauft. Und vor allem eins: Rohkaffee.

Der Kaffee stammt von acht Farmen aus El Salvador – bis auf zwei Plantagen hat Heggli den jeweiligen Bauern selbst die Hand geschüttelt. Für die restlichen zwei Betriebe bürgt sein Kontaktmann und Kaffeebauer in El Salvador. «Uns ist wichtig, dass wir ein Produkt aus einer transparenten und nachweislich fairen Wertschöpfungskette herstellen», sagt Mira Hochstrasser, Lebensmittelwissenschaftlerin und Mitgründerin des Unternehmens. Vom Feld in die Tassen laute ihr Motto. Rund ein Drittel der Einnahmen sollen einst zurück an die Kaffeebauern gehen. «Wir zahlen unseren Lieferanten höhere Preise als die Grossröstereien, dafür wollen wir sie anspornen, qualitativ hochstehende Bohnen zu liefern», sagt Heggli. Er spricht von der Ethik des Produkts, welches man vermitteln wolle und bei vielen Grossröstereien nur Nebensache sei. «Wir können zu 100 Prozent hinter unserem Produkt stehen, weil wir es direkt von den Bauern kaufen, ohne Zwischenhändler.»

Kunden sollen Herkunft kennen

Dass Transparenz bei den Lebensmitteln immer mehr an Bedeutung gewinnt, stellt auch Mitbegründer Mario Waldispühl fest. Er ist Mitinhaber und Küchenchef des Gasthofs Krone in Blatten bei Malters. «Die Gäste wollen wissen, woher das Fleisch oder das Rüebli auf ihrem Teller kommt», sagt er. Nur beim Kaffee würden sie selten nachfragen. «Das wollen wir ändern.»

Ob der Horwer Kaffee einst auch in seinem Restaurant über den Tresen geht, werde man anschauen, sagt Wal­dispühl. Zuerst wolle man die Spezialität ab der Rösterei in Horw und allenfalls übers Internet unter die Leute bringen. Doch zuvor wird das Lokal umgebaut, ausprobiert, getüftelt, immer auf der Suche nach dem besten Geschmack. Mal sind die Bohnen mehr, mal weniger geröstet.

Trend erreicht nun die breite Masse

Zwischen vier und sechs Tonnen Kaffee wollen die drei pro Jahr produzieren. Zum Vergleich: Nespresso verarbeitet im Jahr 40 000 Tonnen, grössere Röstereien im Raum Luzern gut 700 Tonnen. «Wir können und wollen die Grossen nicht konkurrenzieren», sagt Heggli. «Für uns ist Kaffee Leidenschaft, und wir sprechen mit unserem Produkt Kunden an, die das Gleiche wollen.» Und von denen gebe es immer mehr.

Laut Heggli seien kleine Röstereien im Trend – ähnlich den Kleinbrauereien, die in den vergangenen Jahren landauf, landab entstanden sind. «Der Trend hin zu nachhaltigen und exklusiven Produkten erreicht allmählich die breite Masse.» In der Stadt Luzern gibt es zum Beispiel an der Bruchstrasse mit «Hässig & Hässig» eine zweite Mikrorösterei.

Christian Hodel

Hinweis

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie unter: www.roasters.ch oder www.wemakeit.com/projects/roasters-mikrokaffeeroesterei