Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kunstreise ins Engadin: St.Moritz wird zum Nabel der Kunstwelt

Das Engadin lockt nicht nur mit Natur und Glamour. Es bietet von St. Moritz bis Sent eine Fülle von Galerien und Museen. In Susch hat eine polnische Millionärin ein Museum für Gegenwartskunst eröffnet.
Silvia Schaub
Eine polnische Milliardärin eröffnete das Muzeum Susch. (Bild: Conradin Frei)

Eine polnische Milliardärin eröffnete das Muzeum Susch. (Bild: Conradin Frei)

Natürlich ist es einerlei, wo man im Engadin steht: Das unvergleichliche Licht, das schon so manchen Dichter, Schriftsteller und vor allem Künstler in das Hochtal gelockt hat, ist fast überall gleich. Und doch gibt es weisse Flecke auf der Landkarte, die bis anhin verschmäht wurden.

Das Dorf Susch am Fuss des Flüelapasses zum Beispiel. Bekannt ist der Ort höchstens wegen seiner Burn-out-Klinik – oder weil man im Stau steht vor dem nahegelegenen Vereina­tunnel. Genau dort, an diesem schattigen Punkt im Niemandsland zwischen St. Moritz und Scuol, hat eine polnische Milliardärin nun einen Kunstort geschaffen, der seinesgleichen sucht.

Eine leidenschaftliche Sammlerin

Grazyna Kulczyk heisst sie, ist eine leidenschaftliche Kunstsammlerin zeitgenössischer polnischer und mitteleuropäischer Kunst und will mit ihrem Museum für Gegenwartskunst die Welt nach Susch holen. Dazu erwarb sie ein Ensemble aus Pfarrhaus, Empfangs- und Wirtschaftshäusern sowie einer ehemaligen Brauerei, die zu einem Kloster aus dem 12. Jahrhundert gehörte. Für das Muzeum (die polnische Schreibweise von Museum) haben die Architekten Chas­per Schmidlin und Lukas Voellmy die existierenden Strukturen behutsam restauriert und mit neuen Anbauten kombiniert, so dass in dem verwinkelten Gebäude 26 Räume mit einer Fläche von 1200 Quadratmetern entstanden. Darin werden neben einer permanenten Ausstellung zwei Wechselausstellungen pro Jahr gezeigt, dazu auch Forschung und Debattier-Veranstaltungen über Kunst betrieben.

Eine massive dekonstruierte Treppe

Insbesondere die Installationen, die ortsspezifisch von den Künstlern geschaffen wurden, überzeugen – wie etwa Sara Masügers Installation «Inn Reverse», die mit skulpturalen Formen die natürlichen Felsformationen des Engadins widerspiegeln soll. Oder Miroslaw Balkas glänzender, sich langsam drehender Stahl­zylinder, der sich in einer natürlichen Grotte befindet. Spektakulär ist die schwarze Metallskulptur von Monika Sosnowska, eine massive, dekonstruierte Treppe, die fast eine Tonne wiegt und 14 Meter hoch über alle vier Stockwerke des Museums reicht. Und manchmal ist das Kunstobjekt schlicht die Natur, wie etwa im Raum mit der Quelle, die meditativ über den Felsen tropft.

«Die Dichte an Kunst im Engadin ist einzigartig»

Künstler und Kunstliebhaber jubeln bereits. Wie etwa Künstler Rolf Sachs, der in St. Moritz wohnt und in einem Interview meinte: «Die Dichte an Kunst ist im Engadin einzigartig.» Nun sei mit dem Muzeum eine Achse entstanden, die von St. Moritz bis Scuol führe.

In der Tat verbindet Susch die Kunst-Hotspots im Ober- mit denjenigen im Unterengadin. Als Magnet dient Kunstfreunden immer noch St. Moritz, wo sich neben dem ­Segantini-Museum mit seinem beeindruckenden Tryptichon in den letzten Jahren eine Handvoll illustrer Galerien angesiedelt haben – angefangen bei Carsten Greve und Andrea Caratsch bis hin zu Künstlersohn Vito Schnabel.

Auch Hauser & Wirth sind jetzt in St.Moritz

Seit diesem Winter sind auch Hauser & Wirth in St. Moritz vertreten. Weiter unten im Tal lockt in Madulain die Kunsthalle «La Stalla». Nur einen Sprung ist es von dort nach Zuoz, das mit seinen vielen Galerien die wohl grösste Kunstdichte im Tal aufweist. Darunter stechen die Galerie Tschudi in der Chesa Madalena gleich am Dorfplatz hervor sowie die Galerie von Monica de Cardenas. Im Dorf S-chanf hat sich der Basler Stefan von Bartha eine Dependance eingerichtet.

Künstler und Lokalmatador kauft Schloss

Wer vom Muzeum in Susch Richtung ­Osten fährt, wird auch im Unterengadin auf seine Kosten kommen. In den vergangenen Jahren hat sich in dieser Ecke der Schweiz in Sachen Kunst einiges getan. Der international bekannte Künstler und Lokalmatador Not Vital hat vor zwei Jahren das Schloss Tarasp erworben und lässt es derzeit sorgfältig umbauen. Neben eigenen Werken und solchen aus seiner persönlichen Sammlung veranstaltet er auch Wechselausstellungen, vornehmlich von befreundeten Künstlerinnen und Künstlern.

Kunst in der ehemaligen Badstube

Ganz in der Nähe, im ehemaligen ­Badehaus des Kurhotels Scuol, liegt die Fundaziun Nairs, ein Kulturort erster Güte. Als ein Kompetenzzentrum für Kunst und Kultur bezeichnet Christof Rösch, künstlerischer Leiter und Kurator, den Ort. Dank der kürzlich erfolgten Renovation werden hier nicht nur Wechselausstellungen und Tagungen im Bereich der Kunst und Architektur durchgeführt, in den ehemaligen Badestuben und Ruheräumen können 30 Kunstschaffende beherbergt werden.

Eselsbrücke, Glashaus und ­behaarter Turm

Noch mehr Not Vital bekommt der, der seinen «Parkin Not dal Mot» besucht (nur in den Sommermonaten geöffnet). Der weitläufige, wilde Park eingangs von Sent birgt eine ganze Fülle seiner Kunstobjekte, wie etwa die Eselsbrücke oder die fliegende Bühne, das Glashaus oder den behaarten Turm. Ein anderer Schweizer Künstler erhält ebenfalls in Sent eine grosse Bühne: Alberto Giacometti. Im Keller der Pensiun Aldier zeigt Hotelier und Kunstliebhaber Carlos Gross seine einzigartige Grafiksammlung des Künstlers aus dem Bergell. Womit der Bogen zum anderen Ende des Engadins wieder geschlagen wäre.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.