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Hunde- und Katzenfutter: Das neuartige «Barfen» ist ein Gesundheitsrisiko

In jedem zweiten Hundefutter aus rohem Fleisch finden sich multiresistente Bakterien. Diese sogenannten «Barf»-Menüs können antibiotika-resistente Bakterien verbreiten.
Bruno Knellwolf
Hunde und Katzen tragen oft multiresistente Bakterien mit sich, die auch über Tierfutter mit Rohfleisch übertragen werden können. (Bild: Ralph Ribi)

Hunde und Katzen tragen oft multiresistente Bakterien mit sich, die auch über Tierfutter mit Rohfleisch übertragen werden können. (Bild: Ralph Ribi)

Für den Liebling gehört nur das Beste und Natürlichste in den Fressnapf. So füllen Hunde- und Katzenbesitzer immer häufiger den Futtermix «Barf» in den Napf, was für «Biologically Apporopriate Raw Food» steht. Verfüttert wird beim «Barfen» rohes Fleisch, Schlachtnebenprodukte, Knochen und Zutaten wie Obst und Gemüse. Doch diese trendigen Barf-Menues sind problematisch, wie eine Studie des Instituts für Lebensmittelsicherheit der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich zeigt.

51 Rohfutter-Proben untersucht

Untersucht haben die Forscher 51 Rohfutter-Proben verschiedener Anbieter in der Schweiz auf die Zahl der Keime, auf normale und antibiotika-resistente Enterobakterien sowie auf Salmonellen. Am meisten interessieren dabei die gegen Antibiotika resistenten Bakterien. Die Wunderwaffe gegen Bakterien wird zunehmend stumpfer. Durch die massive und zum Teil falsche Anwendung von Antibiotika haben sich immer mehr resistente Bakterien entwickelt. Keime können inzwischen ein sogenanntes ESBL-Enzym entwickeln, die gewisse Antibiotika wirkungslos machen. Dummerweise genau jene mit der grössten Breitenwirkung. Die Situation mit den multiresistenten Bakterien sei in den letzten Jahren ausser Kontrolle geraten, sagt Professor Roger Stephan von der Uni Zürich.

Aufgeschreckt hat deshalb eine frühere Studie der Uni Zürich, die zeigte, dass bei Hunden und Katzen viele solcher gefährlichen Bakterienstämme gefunden wurden. Die Forscher vermuteten darauf mögliche Übertragungswege auf die Haustiere durch die Verfütterung von rohem Fleisch.

Die aktuelle Studie hat diese Vermutung nun bestätigt. Bei 73 Prozent der Futterproben wurde der Richtwert für Enterobakterien überschritten. Bei 61 Prozent wurden Bakterien gefunden, welche das ESBL-Enzym bilden. Zweimal wurden Salmonellen, zweimal Escherichia coli-Bakterien mit dem Colistin-Resistenzgen mcr-1 entdeckt. Das ist ein übertragbarer Resistenzmechanismus gegen das Reserve-Antibiotikum Colistin, der in China kürzlich nachgewiesen wurde. «Dass wir bei über 60 Prozent der Proben ESBL-bildende Bakterien gefunden haben, ist erschreckend», sagt Magdalena Nüesch-Inderbinen, Erstautorin der Studie. «Darunter waren auch einige Escherichia coli-Typen, die bei Menschen und Tieren Infektionen auslösen können.»

Ein bedeutender Risikofaktor

Das Barfen sei ein bedeutender Risikofaktor für die Übertragung von antibiotika-resistenten Bakterien. Zum einen kommen Tierbesitzer bei der Zubereitung des Futters mit den multiresistenten Bakterien in Berührung. Zum anderen haben die Haustiere engen Kontakt zu Menschen, wodurch das Risiko einer Übertragung vom Tier auf den Menschen steigt. «Aufgrund unserer Studie muss man auch davon ausgehen, dass sich ein Mensch mit Salmonellen anstecken könnte», sagt Nüesch-Inderbinen.

«Wir raten daher allen Hunde- und Katzenbesitzern, die ihre Tiere mit Barf ernähren wollen, vorsichtig mit dem Futter umzugehen und strikte Hygiene bei der Fütterung einzuhalten»

sagt die Forscherin. «Die Tierhalter sollten sich des Risikos bewusst sein, dass ihr Tier vielleicht multiresistente Bakterien in sich trägt und diese verbreiten kann.»

Risiko ist vom Hygieneverhalten abhängig

Ist denn auch die Verfütterung von Rohfeisch vom Metzger ein Risiko? Das sei ein Lebensmittel und kein Futtermittel, was eine andere Qualitäts-Kategorie sei. «Es ist aber bekannt, dass Geflügelfleisch resistente Keime enthalten kann, ein Hund, der solches Fleisch roh frisst, könnte womöglich auch gefährliche Keime aufnehmen», sagt Nüesch-Inderbinen. Eine Studie zur Höhe des Ansteckungsrisiko gibt es noch nicht. «Das Risiko hängt vom Hygieneverhalten ab.»

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