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Hüte dich vor Killerpflanzen, auch wenn sie harmlos aussehen

Sie sehen harmlos aus, verbergen aber ein gefährliches Gift. Die Liste der Killerpflanzen ist lang und die Unwissenheit darüber tödlich. Die Vielfalt der pflanzlichen Verteidigungsstrategien ist gross.
Bruno Knellwolf
Der Eisenhut will nur die langrüsselige Gartenhummel als Bestäuber - und setzt dafür sein Gift ein. (Bild: Getty)

Der Eisenhut will nur die langrüsselige Gartenhummel als Bestäuber - und setzt dafür sein Gift ein. (Bild: Getty)

Friedlich blühend stehen die Pflanzen im Garten oder am Wegesrand. Doch wehe dem, der ihnen zu nahe kommt oder sich in sie verbeisst. Denn unter diesen Gewächsen könnten Killerpflanzen sein, ausgestattet mit illustren, giftigen Mordwaffen. Und das aus gutem Grund: Denn Pflanzen können nicht davon rennen, wenn Gefahr droht. Also brauchen sie Verteidigungsstrategien, um sich gegen Pflanzenfresser, aggressive Pilze und Bakterien zu wehren. Dabei setzen sie auf Chemie, bilden giftige oder zumindest schädliche Stoffe, die Infektion und Fressfeinde abwehren oder töten.

Die meisten dieser Killerpflanzen gehören ausgerechnet zu den Blütenpflanzen, die wir am liebsten in unseren Gärten sehen. So wie der Eisenhut, der in jedem Gartencenter verkauft wird. Der Eisenhut lockt wie alle Blütenpflanzen seine Bestäuber durch eine Kombination aus Duft, Farbe und Futter an – jeweils perfekt auf eine bestimmte Tierart zugeschnitten. Der Eisenhut schätzt die langrüsselige Gartenhummel als Bestäuberin.

Nektar muss den Richtigen belohnen

Diese ist wie die meisten Insekten vor allem am Nektar interessiert. Diese Süssigkeit belohnt den richtigen Bestäuber, der die Fortpflanzung der Pflanze garantiert. Den Nektar mögen aber auch andere Insekten wie die Ameisen, die, wenn möglich, einfach ein Loch durch die Blütenhülle bohren, um zur süssen Nahrung zu gelangen.

Das verhindert der Eisenhut, indem er Gifte in seine Kelchblätter einlagert. So bleibt sein Nektar der Gartenhummel mit dem langen Rüssel vorbehalten. Um Nektarräuber abzuwehren, verwendet der Eisenhut ein extrem starkes Gift, das schon seit dem dritten Jahrhundert vor Christus bekannt ist. Wird die Pflanze trotzdem gegessen, wirken ihr Gift auf jene Nervensignale, welche bei Menschen die Körpersignale regeln und Muskellähmung und Herzrhythmus-Veränderungen verursachen.

Ertappte Mörderin

Das machte sich vor zehn Jahren eine eifersüchtige, verlassene Frau in England zunutze. Sie mischte das Pulver des Himalaja-Eisenhuts unter ein Curry und servierte es ihrem ehemaligen Partner und dessen Verlobten. Letztere überlebte, der Ex-Mann verstarb an Kammerflimmern und Kreislaufversagen. Die Analyse des Currys und der Kräutermischung durch die britische Polizei überführte die Giftköchin.

So verwundert es nicht, dass die legendäre britische Krimi-Autorin Agatha Christie eine ausgebildete Apothekerhelferin war, die in beiden Weltkriegen in der Arzneimittelausgabe gearbeitet hatte. Sie nutzte ihr Wissen über Gifte in vielen ihrer 66 Krimis. In «Das Geheimnis der Goldmine» nutzt ein Mörder das Gift Taxin aus der Eibe. Mit dem bitter schmeckenden Eibengift tötet er seine zweite Frau und das Hausmädchen. Eibengift schmeckt allerdings bitter – kein Problem für einen Mörder aus Britannien. Er mischt das Taxin der Eibe in die bittere britische Marmelade.

Lähmungen, Irritationen und Stillstand

Das Repertoir der harmlos aussehenden Killerpflanzen ist vielfältig. Ihre Gifte bringen das Herz zum Stillstand, greifen das Gehirn an, lähmen die Muskeln, lassen Organe wie Nieren und Leber versagen oder lösen Hautirritationen oder Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus. Die Liste unscheinbarer Killer in unseren Gärten ist lang wie auch die der Anekdoten und skurrilen Fallbeispiele, welche die Botanikerin Elisabeth A. Dauncey und der Phytochemiker Sonny Larsson anführen. Besonders schön anzuschauen ist zum Beispiel der Oleander, der an Ferien in Italien erinnert und deshalb bei uns gerne eingetopft wird. Die Toxizität dieses Hundsgiftgewächses hat sich schon bei Alexander dem Grossen gezeigt. Dessen Soldaten wurden vergiftet, weil sie die Zweige des Oleanders als Grillspiesse benutzten.

Vergiftete Wachteln

Vergiftet wurden auch die Israeliten beim Auszug aus Ägypten, wie im Alten Testament berichtet wird. Sie hatten sich bei Gott beklagt, weil sie dauernd nur Manna essen mussten. Gott gab ihnen deshalb Wachteln zum Verzehr, worauf die Israeliten von einer Seuche befallen wurden, an de viele starben. Beschrieben wird im vierten Buch Mose wohl der Coturnismus. Die Wanderung der Wachteln (lateinisch Coturnix coturnix) geht zeitlich einher mit der Samenbildung des Schierlings. Die Samen dieser Pflanze sind aber giftig. Sie vergiften somit das Fleisch der Wachteln und später die Menschen, welche dieses auf ihrem Teller haben.

Der Rote Fingerhut ist prächtig, aber auch giftig. Wird aber auch als Heilmittel genutzt. (Bild: Getty)

Der Rote Fingerhut ist prächtig, aber auch giftig. Wird aber auch als Heilmittel genutzt. (Bild: Getty)

Der Gefleckte Schierling ist seit Alters als Giftpflanze bekannt. Sein Sud wurde bei den Griechen den zum Tode verurteilten als Giftbecher gereicht, weil sein Gift, das Coniin, eine Lähmung der Muskeln hervorruft. Äusserlich angewandt dient es als Schmerzmittel, innerlich als Beruhigungs- und krampflösenden Mittel. Das zeigt, dass das Gift der Pflanzen nicht nur tödlich ist, sondern auch heilende Wirkung haben kann. Im Lauf der Jahrtausende haben die Menschen durch Versuch und Irrtum, durch Zufall und gründliche Forschung den Nutzen der Giftpflanzen erkannt. Das Gift des Fingerhuts hat therapeutische Wirkung auf den Herzmuskel und jenes in der Weidenrinde kommt heute im vielleicht meistgenutzten Medikament vor: Aus der giftigen Salicylsäure machte der Chemiker Felix Hoffman vor 120 Jahren das Aspirin.

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