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Yvonne Eisenring veröffentlicht Buch über verstorbenen Vater: «Ich hätte eine Million Fragen»

Yvonne Eisenring wurde der Vater früh genommen. 17 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht die 31-Jährige private Texte. Dies, um einen natürlicheren Umgang mit einem Tabuthema zu fördern.
Susanne Holz
Hat ihren Vater schon mit 14 verloren: die Autorin und Journalistin Yvonne Eisenring. (Bild: PD)

Hat ihren Vater schon mit 14 verloren: die Autorin und Journalistin Yvonne Eisenring. (Bild: PD)

Es gibt Menschen, die reden nie viel mit ihrem Vater, streiten sich eher mit ihm – und das ein Leben lang. Und dann gibt es Menschen, die lieben ihren Vater heiss und innig und führen tausend Gespräche mit ihm. Zu diesen glücklichen Personen zählt Yvonne Eisenring – aber leider nur 14 Jahre lang. In ihrem Buch «Eine Frage der Zeit» schildert die heute 31-jährige Autorin und Journalistin zu Beginn, wie ihr Vater, ein Lehrer, 17 Jahre zuvor – am ersten Tag der Sommerferien – an einem Herzinfarkt stirbt.

Kurz und prägnant führt die Autorin ins Buch ein, erzählt von ihren Eltern, ihrer Kindheit und dem guten Verhältnis zum Vater. Und gerade weil das so sachlich geschieht, wird klar, wie gross die gegenseitige Wertschätzung war. Was auf diese kurze Einleitung folgt, wurde während 17 Jahren geschrieben. Nicht schwer, vielmehr leicht spiegeln fünfzig Texte wider, welche Fragen Yvonne Eisenring ihrem Vater im Lauf der Zeit gerne gestellt hätte und das nicht mehr konnte.

Liebe und Fragen überdauern den Tod

Fragen wie: «Warum hat der Weg des geringsten Widerstands so einen schlechten Ruf?», oder: «Wenn sich das Universum stetig ausdehnt, was wird dann verdrängt?» Solche Gedanken und Fragen notierte der Teenager und später die junge Frau in einem kleinen Buch mit braunem Ledereinband – ein Geschenk der Mutter. Dass Liebe und Fragen den Tod überdauern, wird im Buch zuletzt noch einmal überraschend deutlich, wenn die Autorin vom toten Vater gerne wissen möchte: Was würde er sie heute fragen, wenn das möglich wäre?

Yvonne Eisenring sagt von sich: «Ich hätte eine Million Fragen an meinen Vater, wenn ich ihn jetzt treffen könnte.» Da wäre nicht nur die Frage, wie er ihr neues Buch findet. Nein, dieses Vater-Tochter-Gespräch würde vermutlich Stunden dauern:

«Könnten wir uns jetzt treffen, würde ich mit ihm die letzten 17 Jahre besprechen wollen.»

Ihr Vater fehle ihr besonders, wenn sie Schönes oder Trauriges erlebe: «Weil ich das gerne mit ihm teilen würde.» Doch die Journalistin stellt auch klar, dass die Gedanken an den früh verstorbenen Vater nur selten leidvoll sind – oft sind sie verbunden mit einem Lachen.

«Ich glaube, es ist eine falsche Annahme, dass der Gedanke an einen verstorbenen Menschen grundsätzlich traurig ist. Manchmal finde ich die Vorstellung, wie mein Vater auf etwas reagieren würde, sogar lustig.»

Ihre privaten Aufzeichnungen zu veröffentlichen, war die Idee einer Freundin – der Illustratorin Nicole Kim. «Als mir meine Freundin vorschlug, diese Texte zu veröffentlichen, wollte ich zuerst nicht. Denn wer das Buch liest, erfährt viel über mich, mein Leben, mein Denken. Aber weil ich finde, wir sollten natürlicher und ehrlicher mit dem Tod umgehen, habe ich mich dann doch dafür entschieden. Wünsche ich mir, dass sich etwas verändert, muss ich selber einen Schritt machen.» Es stimme schon, der Tod sei ein Skandal. Aber dass er totgeschwiegen werde, mache ihn so unerträglich.

Yvonne Eisenring: Eine Frage der Zeit. Illustriert von Nicole Kim. edition flv, 128 S., Fr. 28.- www.flv-kollektiv.com

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