Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Interview

Hotelkönigin Ljuba Manz: «Männer sind wie Waschmaschinen - leicht zu bedienen»

Als Cabaret-Tänzerin kam Ljuba Manz in die Schweiz. Sie heiratete Hotelier Caspar Manz und übernahm die Führung. Jetzt hat die Chefin über sechs ­Luxushotels ihre Biografie veröffentlicht. Ein Gespräch über Prügellektionen, die Waffen einer Frau und erhörte Gebete.
Melissa Müller
«Hotelkönigin» Ljuba Manz hat ihre Biografie veröffentlicht. (Bild: Urs Bucher)

«Hotelkönigin» Ljuba Manz hat ihre Biografie veröffentlicht. (Bild: Urs Bucher)

Die «Zarin von Zürich» verspätet sich ein paar Minuten zum Interview im «Gotthard» an der Zürcher Bahnhofstrasse, das ihr gehört – nebst fünf weiteren Luxushotels. «Nehmen Sie auch ein Glas Champagner?», fragt Ljuba Manz und lächelt charmant. Obschon bald 80 Jahre alt, bewegt sich die ehemalige Tänzerin elastisch und aufrecht auf ihren hohen Stiefeletten. Dieser Tage ist eine Biografie über die Zürcher Hotelière mit russischen und Wiener Wurzeln erschienen. Sie erzählt die unglaubliche Geschichte des russischen Flüchtlingskinds, das in bitterer Armut aufwächst und in die Welt der Schönen und Reichen aufsteigt. Nun gewährt die «Hotelkönigin» eine Audienz in der Präsidentensuite, auf einem Sofa mit goldenen Kissen. Der grosse Smaragd an ihrem kleinen Finger glitzert mit ihren hellwachen blauen Augen um die Wette. Sie ist auf Zack, hat noch eine Liste zum Abarbeiten. Die Chefin schaut auf ihre weisse Swatch: «In einer halben Stunde sind wir hier fertig, dann muss ich weiter.»

Frau Manz, was Sie erlebt haben, passt in sieben Leben. Welcher Lebensabschnitt war der spannendste?

Ein jeder auf seine Art. Als Kind sieht man die Welt mit grossen, offenen Augen, voller Erwartung. Es ist schön, wenn man spürt, dass man ein gewünschtes Kind ist. Wenn einen die Eltern trösten, wenn man heulend nach Hause kommt, weil man von den Mitschülern verprügelt wurde.

Sie wurden verprügelt?

Als wir von Moskau nach Wien zogen, konnte ich kein Wort Deutsch und die anderen Kinder nannten mich russisches Schwein. Mein Vater sagte: Wenn du nicht gelernt hast, mit dem Mund zu sprechen, sprich mit den Fäusten. Das hab ich gemacht (lacht). Ich hatte ein paar Buben an meiner Seite, ich war damals schon ein fesches Ding. Sie haben mir geholfen, die anderen Mädchen zu verprügeln. So hab ich früh gelernt, mich durchzusetzen. Schwierigkeiten machen einen stärker. Man muss aus allem lernen.

Als Kind war Ihr grösster Wunsch ein eigenes Bett. Heute sind Sie Herrin über Hunderte Betten...

...der Herr hat mich wirklich erhört! (Lacht schallend, hebt das Champagnerglas) Wir lebten in Wien unter miesesten Umständen, teilten uns als Familie ein einziges Zimmer. Da war so ein kleines Öfele, da konnte man Briketts reinschmeissen. Es gab im Korridor eine einzige Toilette für sechs Wohnungen. Ich wollte mich aus dieser Armut befreien. Ich dachte immer: Es gibt einen Stern, der mich führt. Du musst nur dran glauben. Und fleissig beten.

Sie tanzten als junge Frau in Nachtclubs. Daraus haben Sie nie ein Geheimnis gemacht, als Sie Unternehmerin und Teil der High Society wurden. Warum nicht?

Warum sollte ich? Ich war ja nie verklemmt, das waren die anderen. Warum soll ich mich schämen, weil ich einen schönen Körper habe? Weil ich gut tanzen kann? Weil ich damit viel Geld verdiente? Viele Frauen machen sich nackig – ganz umsonst. Ich habe mich dafür bezahlen lassen. Weil ich das Geld brauchte. Damals war ja die Polizeistunde schon um 22 Uhr. Da konnten sich die Männer nur Appetit holen, um dann zu Hause zu essen. Ich tanzte im «Terrasse» in Zürich, das war ein wunderschönes Etablissement.

Tanzen Sie heute immer noch auf dem Tisch am legendären russischen Sylvester im «Gotthard»?

Das letzte Mal vor drei Jahren. Dann hat mein Ehemann (der 30 Jahre jüngere Mathematiker Marco Conte, Anmerkung der Red.) gesagt: Darling, jetzt mal langsam, die Männer schauen so von unten rauf zu dir.

1974 heirateten Sie Hotelier Caspar Manz. In den Achtzigerjahren übergab er Ihnen die Führung und Sie modernisierten den Betrieb. Obschon Sie sich in dieser Männerwelt durchsetzten, kamen Sie bei den Feministinnen nicht so gut an...

...weil ich ja eigentlich keine Feministin bin. Ich liebe die Männer! Ich habe Freude an einem Mann. Ich will ja nur, dass er mich als Partnerin auf Augenhöhe akzeptiert. Dass wir einen Dialog führen können.

Das ist doch ein emanzipierter Gedanke.

Sehr viele Ehen gehen kaputt, weil die Frauen meinen, sie müssten den Männern etwas beweisen und bocksteinhart sein. Dabei können sie ihn doch einfach um den Finger wickeln. Ist doch so einfach. Männer sind waschmaschinenleicht zu behandeln.

Das müssen Sie mir näher erklären.

Schauen Sie, Frauen und Männer sind wie Wasser und Stein. Wasser kann jeden Stein wegtragen. Die Schwäche der Frau ist auch ihre Stärke. Ein Mann ist gegenüber einer Frau immer im Nachteil, weil er ihr gegenüber eine gewisse Unsicherheit verspürt.

Soll man etwa das hilflose Huscheli spielen?

Man muss dem Mann die Möglichkeit geben, seine Stärken auszuspielen. Dann weiss die Frau, wie sie ihn nehmen muss und hat ein leichtes Spiel.

Ihre Vita ist Hollywood-reif. Sie trafen den Dalai Lama, den Schah von Persien, Marlene Dietrich, Violinist Isaac Stern, die Komponisten Karajan und Bernstein. Wollten auch Sie ein Star sein?

Nein. Ich arbeite heute noch, mit bald 80 Jahren, bin voller Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Familie. Das ganze Leben ist auch Pflicht.

Als Sie 1989 eröffneten, dass Sie die neue operative Chefin sind, liefen acht Manager aus Ihrer Sitzung. Sie verliessen den Raum in corpore, weil sie eine Frau als Vorgesetzte nicht akzeptieren wollten.

Da dachte ich: Oh Herr, wenn du mir nicht hilfst, was mache ich denn da? Ich habe versucht zu verstehen. Und begriffen: Wenn man etwas neu machen will, muss man das Alte komplett wegtragen. Wie beim Zahnarzt, der bohrt, bis der Zahn sauber ist. Ich wusste: Jetzt sind sie alle gegangen, jetzt kann ich frisch beginnen.

Die Biografie beleuchtet vor allem Ihre strahlende Heldinnenseite. Wo Licht ist, ist aber auch Schatten. Wo ist Ihr Schatten?

(Schaut sich theatralisch um, zuckt mit den Schultern). Da ist kein Schatten. (Lange Pause). Wissen Sie, den Schmerz, den trägt man ja für sich. Den zeigt man nicht. Steht ja genug drin im Buch über meine Kindheit und meine Jugend, die ja nicht unbedingt sehr rosig waren, ja?

Über Schmerz spricht man nicht?

Ich hab das gelernt von der Fürstin Sayn-Wittgenstein-Sayn. Sie hatte sich den Knöchel fürchterlich verstaucht beim Skifahren in St. Moritz. Bei einer Einladung zum Kaffee liess sie sich nichts anmerken. Da sagte ich: Mannilein, du musst zum Doktor. Sie entgegnete: Weisst du, den Gästen zeigt man die Freude, den Schmerz behält man für sich. Erst als alle weg waren, ging sie ins Spital.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.