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ILLGAU SZ: Seilbahn-Abenteuer auf Abruf

Seilbahnen gelten gemeinhin als öffentliche Verkehrsmittel. Eine Bahn ist eine Bahn. In der Seilbahn von Ried im Muotatal hinauf nach Illgau verhält es sich ein bisschen anders, da bewegt man sich auch als ÖV-Benutzer schon fast individuell.
Die Bel Etage des Muotatals: das Dörfchen Illgau. (Bild: Beda Hanimann)

Die Bel Etage des Muotatals: das Dörfchen Illgau. (Bild: Beda Hanimann)

Unten an der Talstation stehe ich vor geschlossener Glastür, an der Wand eine Anleitung zum Jeton-Kauf, eine Ansammlung von Knöpfen, «Talfahrt», «Bergfahrt», auf einem steht «Telefonanruf». Kein Mensch weit und breit. Also drücke ich auf Telefonanruf. Es läutet aus einem Wandlautsprecher wie ein richtiges Telefon, und bald meldet sich eine Männerstimme. Ob ich unten sei, gut, er komme in zwei bis drei Minuten. Aber da kommt keiner. Stattdessen öffnet sich nach Ablauf der Zeit wie von Geisterhand die Schiebetür der Station. Und aus dem Lautsprecher weist mich die Männerstimme an, einzusteigen.

Bald setzt sich das Gefährt in Bewegung, und mutterseelenallein schwebe ich über steile Waldhänge und Felswände hinweg. Oben wartet der zur Lautsprecherstimme gehörende Mann, wir erledigen das Geschäftliche. Das mit den Jetons übrigens, das sei gedacht, wenn mal niemand von der Seilbahn zugegen sei. Individueller geht ÖV nicht. Und viel individueller geht nicht einmal der eigentliche Individualverkehr.

Und so stehe ich in Illgau, einem Dörfchen hoch über dem Muotatal, das sich offiziell «Die Sonnenterrasse» nennt und in Musikerkreisen für seinen eigenen Volksmusikstil bekannt ist. Eine Übertreibung ist das mit der Sonnenterrasse nicht, wunderbar eingekuschelt liegt das Dorf da oben, selbst der öffentliche Parkplatz ist ein prächtiger Aussichtspunkt. Und wer noch nicht genug Seilbahn-Abenteuer hat: Vom Dorf führt eine weitere Seilbahn noch höher, nach St. Karl. Ich habe noch nicht genug. Ein anderes System diesmal, unten empfängt mich die Wärterin, die Bahn fährt immer um Viertel vor – und oben steige ich, wieder mutterseelenallein, in einer als Scheune getarnten Bergstation aus. Prächtiges Wandergebiet mit unbekannten Blicken in die Schwyzer Alpen. Und ich realisiere: Ich bin ganz nahe an der Strasse von Schwyz über die Ibergeregg, mit Bus und Seilbahn wäre Illgau also auch von oben erreichbar.

Aus der Übernachtung in Illgau wird leider nichts, die paar Zimmer im «Sigristenhaus» sind ausgebucht, und die Wirtin macht mir wenig Hoffnung auf ein Bett in der Gegend. Im Muotatal werde gerade ein Film gedreht, da dürfte alles belegt sein. Das muss ein cinephiles Tal sein, denke ich, mein letzter Besuch im Muotatal galt vor ein paar Jahren der Premiere des Films «Wätterschmöcker». Diesmal geht es, wie ich anderntags im «Alpenblick» hinten beim Hölloch-Eingang erfahre, um einen aus Deutschland Heimgekehrten, der im Tal eine Schreinerei geerbt hat.

Illgau ist ein Bijou, das Muotatal ein magisches Tal mit einem Höhlensystem und einem Urwald, die in Europa zu den grössten gehören. Eine faszinierende Welt für sich, aber mittendrin in der Schweiz. Und so nahe am schon fast mondänen Brunnen, wo ich schliesslich übernachte, Zimmer mit Balkon und Seeblick, grossartig! Aber das beschauliche Illgau geht mir nicht aus dem Sinn, mit dem «Sigristenhaus» habe ich quasi noch eine Rechnung offen. Zu verlockend war das Bild der Bauarbeiter, die nach dem Mittag vor der Beiz in der Sonne sassen, als ich vorüberhetzte von Seilbahn zu Seilbahn. Ich werde es beim nächsten Mal dann tatsächlich von der andern Seite her probieren. Und damit ein gutes Werk tun. Die attraktive Buslinie über die Ibergeregg scheint gefährdet zu sein, der Chauffeur verteilt Umfragezettel, um mit der Begeisterung der Passagiere das Bedürfnis nach der Linie zu untermauern.

Wie anreisen, wo nächtigen

Die letzte Meile: Luftseilbahn Ried-Illgau (ab Haltestelle Ried Seilbahnstation Illgau der Buslinie 60.501, Arth-Goldau–Muotathal)

Der Hoteltipp: Gasthaus Sigristenhaus, 6434 Illgau, Tel. 041 830 12 02.
www.sigristenhaus.ch

Beda Hanimann

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