Unser Härtetest für den Škoda Karoq Scout: Im Offroad-Modus durch Albanien

Wie geländetauglich ist der neue Škoda Karoq Scout? Wir haben ihn auf den Schotterpisten des Balkanlands getestet.

Moritz Friedhoff
Drucken
Teilen
Auf holprigen Pisten durch atemberaubende Landschaften: Der Škoda Karoq Scout kann sich ihm Hinterland Albaniens ­beweisen. Bild: zvg

Auf holprigen Pisten durch atemberaubende Landschaften: Der Škoda Karoq Scout kann sich ihm Hinterland Albaniens ­beweisen. Bild: zvg

Empfangen von strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen, betreten wir Ende Oktober das Rollfeld des Flughafens in Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Nach der Einreise der Erstkontakt mit der Mitgliedern der Reisegruppe: Vor dem Terminal stehen sie, in Reih und Glied, frisch gewaschen und foliert – 13 Karoq Scout in markantem Offroad-Look, mit Dachgepäckträger und darauf festgezurrtem Ersatzrad.

Moment. Zuerst einmal ein paar Fakten zum Reiseland. Albanien wurde in der Vergangenheit von verschiedensten Kulturen geprägt. So sind illyrische, römische, osmanische und italienische Einflüsse wahrnehmbar. Besonders trifft dies auf die Hauptstadt Tirana zu, in der ein Viertel der Albaner beheimatet ist.

Hier vermischen sich allerlei Einflüsse zum bunten Miteinander. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte ein wegweisender Einschnitt. Unter Enver Hoxha hat der Kommunismus das Land jahrzehntelang fest im Griff. Die Kommunisten verwehrten der Bevölkerung jeglichen Besitz und auch private Fahrzeuge. Hochrangigen Funktionären war vorbehalten, einen der 3000 Dienstwagen zu nutzen.

Zurück in die Gegenwart: Vom Flughafenparkplatz dirigiert uns das Führungsfahrzeug durch das Herz der Hauptstadt. Auf der Strasse herrscht pure Anarchie. Wer nicht den Mut besitzt, sich in jede noch so kleine Lücke zu drängen, bleibt buchstäblich auf der Strecke.

Zweispurige Stadtautobahnen werden problemlos als fünfspurig angesehen, Fahrbahnränder und angrenzende Grünstreifen als Verkaufsfläche oder Viehweide genutzt. Fensterputzende Jungs sowie Mädchen mit Bauchläden, in denen sich frische Backwaren verbergen, drängen sich mitten auf die Fahrbahn.

Offroad vorbei an Granatapfelbäumen

Als wir das Stadtzentrum verlassen, geht es zügiger voran. Der 190 PS starke Zweiliter-Diesel und das Doppelkupplungsgetriebe des Karoq machen Freude, besonders auf der erstaunlich guten Asphaltstrecke. Schliesslich biegen wir ab und erreichen eine schmale Bergstrasse, die uns zur Burg Petrelë aus dem fünften Jahrhundert führt.

Trotz unliebsamen Überraschungen macht der Škoda Karoq Scout eine gute Figur. Bild: zvg

Trotz unliebsamen Überraschungen macht der Škoda Karoq Scout eine gute Figur. Bild: zvg

Der Kurvenreichtum der Strasse lädt uns ein, den Fahrmodus im Karoq auf «Sport» zu stellen. Die Schaltwippen am Lenkrad ermöglichen eine sport­liche Fahrweise, der Sound­generator lässt meinen Beifahrer und mich beim beherzten Tritt aufs Gaspedal allerdings schmunzeln.

Von der Burg aus starten wir endlich in die lang ersehnte erste Offroadetappe und zwängen uns auf eine rudimentäre Schotterpiste. Grobe Steine und tief ausgewaschene Rinnen prägen den langsam steiler werdenden Aufstieg. Immer wieder säumen Zitronen- oder Granatapfelbäume mit handtellergrossen Früchten unseren Weg. Die Offroad­etappe endet nach etwa zwei Stunden mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang oberhalb unseres Zielortes Elbasan. Hier beziehen wir unsere ­Hotels und essen an der römisch-osmanischen Stadtmauer zu Abend.

Elbasan war einst die Industriemetropole des kommunistischen Albaniens. Hier entstand ein gigantisches Stahlwerk mit rund 12000 Mitarbeitern, von dem heute allerdings nur ein beeindruckender «Lost Place» übrig ist.

Am nächsten Morgen brechen wir mit dem ersten Tageslicht auf und passieren zahlreiche Wildflüsse sowie den Stausee Banjë, welcher eine hochmoderne Wasserkraftanlage speist. Bemerkenswert: Albanien bezieht 95 Prozent des Stroms aus Wasserkraft und besitzt ausserdem grosses Potenzial für Wind- und Solarenergie. Potenzial ist ohnehin ein Schlüsselwort, betrachtet man das Land als Ganzes. Neben einer jungen offenen Bevölkerung und touristisch sehr reizvollen Gegenden besitzt Albanien zum Beispiel grosse Ölvorkommen.

Diese Aussicht gibt es nur für Abenteurer, die sich mit ihrem Auto auf Naturstrassen trauen. Bild: zvg

Diese Aussicht gibt es nur für Abenteurer, die sich mit ihrem Auto auf Naturstrassen trauen. Bild: zvg

Viel Traktion, viel Unterstützung

On- und offroad geht es weiter nach Berat, der über 2400 Jahre alten «Stadt der 1000 Fenster» – Unesco-Weltkulturerbe. Nach einem kurzen Mittagsstopp begeben wir uns zur Osum-Schlucht, dem «Grand Canyon» Albaniens. Dort startet die nächste Off­roadetappe. Nun kann der kleine Bruder des Kodiaq mit seiner modernen Allradtechnik nochmals zeigen, was in ihm steckt – denn die Passage hat es in sich.

Dank seines elektronisch geregelten Allradantriebs ist ein Traktionsverlust selten zu beklagen, und die Kraft landet stets dort, wo sie gebraucht wird. Der «Offroad-Modus» ermöglicht es dem Fahrer zudem, einen Grossteil der Arbeit dem Auto zu überlassen und sich getrost der wunderschönen Landschaft zu widmen. Das einzige Manko des Karoq ist die recht geringe Bodenfreiheit. Bei mancher Fahrrinne kratzt es doch sehr am optional erhältlichen Unterbodenschutz, der immerhin Schlimmeres verhindern kann. Der Tag endet schliesslich im Touristenort Gjirokastra, mit einem Raki unter freiem Himmel.

Der letzte Reisetag beginnt mit einem reichhaltigen Frühstück in typisch albanischer Manier. Frisches Brot, Weichkäse von Kuh und Schaf, Oliven, Tomaten, frischer Joghurt und viele weitere Köstlichkeiten stärken uns für die Fahrt. Wir starten wie gewohnt im Škoda-Gänsemarsch und passieren erneut beeindruckende Landschaften, urtümliche Märkte sowie alte Bauernhöfe und sammeln viele weitere Eindrücke eines unterschätzten Landes.

Nach der finalen Offroadetappe erreichen wir den südlichsten Ort Albaniens, die Hafenstadt Sarandë, wo wir mittels einer Fähre nach Korfu übersetzen. Dort betreten wir griechischen Boden. Auch wenn Griechenland nicht das wohlhabendste Land der EU ist, liegen zwischen ihm und Albanien Welten. Der Anblick von Ampeln macht uns deutlich , dass wir auf unserer gesamten Reise durch Albanien nicht eine einzige gesehen haben. Irgendwie bemerkenswert.