Im Sommer 2021 soll alles gut sein – sagt der österreichische Kanzler: Was sagt der Virologe?

Bundeskanzler Sebastian Kurz ist nach Gesprächen mit der Pharma äusserst optimistisch, was die Corona-Pandemie betrifft. Virologe Manuel Battegay ist nur teilweise-optimistisch. Forschungsfortschritt könne man nicht planen.

Sabine Kuster
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Vor dem Virus wie vor der Wahrsagekugel: Wann wird sich die Lage normalisieren?

Vor dem Virus wie vor der Wahrsagekugel: Wann wird sich die Lage normalisieren?

(Bild: Imago)

Im Sommer die Normalisierung. Das tönt nach einem Ziel in Sichtweite. Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz ist überzeugt, dass dies möglich sein wird. Er stützt sich auf ein Gespräch mit den drei Chefs der Pharmaunternehmen Novartis, Roche und Lonza. Diese wollen die Pandemie mit Medikamenten und Impfungen besiegen.

Sebastian Kurz, österreichischer Kanzler.

Sebastian Kurz, österreichischer Kanzler.

(Bild: Roland Schmid)

Doch was sagt der Virologe dazu? Manuel Battegay ist Chefarzt am Unispital Basel und Mitglied der Swiss National Covid-19-Taskforce. Er findet: «Dies ist eine optimistische Einschätzung.» Während Kurz davon sprach, dass neue Medikamente die Krankheitsverläufe schon in den nächsten Monaten abschwächen werden, sagt Battegay: «Eine gute Impfung wird direkter helfen die Pandemie zu überwinden als eine Therapie.» Bei Viruserkrankungen bestehe immer das Risiko, dass Therapien für einen Teil der Patienten zu spät komme.

Impfstoff für die Masse vermutlich erst ab Herbst

«Im Winter wissen wir, ob ein oder mehrere Impfstoffe wirksam sind oder nicht.» Und im Falle eines sicheren und wirksamen Impfstoffes werde dieser dann erst nach sechs weiteren Monaten in genügender Menge zur Verfügung stehen. Realistisch ist ein Impfstoff für alle also eher ab Herbst 2021. Dass ein wirksamer Impfstoff überhaupt gefunden wird, diesbezüglich ist auch Battegay optimistisch:

Manuel Battegay, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene, Universitätsspital Basel

Manuel Battegay, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene, Universitätsspital Basel

(Bild: Kenneth Nars)
«Ich bin recht zuversichtlich, dass einer der nun in Phase 3 getesteten Impfstoffe, wenn auch nicht perfekt, schützen wird.»

Auch die medikamentöse Therapie für Covid-19-Patienten mache tatsächlich Fortschritte, aber sie seien noch klein. «Erst wenn es gelingt, eine wirksame Therapie frühzeitig zu geben und so Hospitalisationen gerade auf Intensivstationen zu verhindern, werden wir einen grossen Schritt weiter sein.» In Kombination mit einem mindestens zu 60 Prozent wirksamen Impfstoff seinen auch Medikamente sehr wichtig.

«Wir können jetzt die Zeitlinie nicht festlegen, denn Fortschritte lassen sich nicht planen», fasst Battegay zusammen. «Aber die Intensität der Forschung und bisherige Resultate sind beispiellos.»

Was wäre ohne Impfung und Medikamente?

Und was geschieht mit der Viruserkrankung ohne die medizinische Hilfe? «Es ist spekulativ zu sagen, wie sich Covid-19 und der Krankheitsverlauf ohne Impfung und Medikamente entwickeln wird», so Battegay. «Bis anhin gibt es keine Hinweise, dass sich das Virus weltweit abgeschwächt hat.» Ausserdem ist weiterhin nicht klar, wie lange und wie stark jemand nach durchgemachter Krankheit durch die Antikörper geschützt ist. «Immerhin sind bis anhin Re-Infektionen selten», sagt der Virologe.

Dass man auch ohne Antikörper gegen Covid-19 geschützt sein könnte, bezweifelt er. Ein Kreuzschutz aufgrund Infektionen mit anderen Coronaviren sei in grossen Studien nicht belegt.

Der Winter werde nochmals streng, denn dann treten Viren, welche die Atemwege angreifen, verstärkt auf. Und das Gesundheitswesen werde auch sehr beansprucht werden, weil gleichzeitig andere Erkrankungen wie die Grippe verstärkt auftreten. Dass uns ein sehr fordernder Herbst und Winter bevor steht - das ist sich auch der Kanzler Österreichs bewusst.