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In den letzten zehn Jahren hat die Anzahl der Nebeltage stark abgenommen – warum das schade ist

Ein Blick in die Statistik offenbart: In den letzten zehn Jahren gab es weniger Nebeltage. Das ist bedauernswert, denn graue Dunst ist besser als sein Ruf.
Niklaus Salzmann
An der Belchenflue unweit von Olten scheint das Nebelmeer in die Tiefe zu stürzen. (Bild: Lukas Schlagenhauf)

An der Belchenflue unweit von Olten scheint das Nebelmeer in die Tiefe zu stürzen. (Bild: Lukas Schlagenhauf)

Der Herbst bedeutet für Bewohnerinnen und Bewohner des Schweizer Mittellandes , dass sie – wenn es gerade nicht regnet – von Nebel eingehüllt sind. Am Flughafen Zürich ist dies im Oktober im Schnitt an jedem dritten Tag der Fall, wie die Daten von Meteoschweiz zeigen. Und der September und November sind ähnlich grau.

51 Nebeltage pro Jahr gab es am Flughafen Zürich im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. In den Siebzigern waren es jährlich 78 Nebeltage.

Doch das ist kein Grund zu jammern – früher war es schlimmer. «Vor einigen Jahrzehnten gab es deutlich häufiger Nebel als jetzt», sagt Klimatologe Elias Zubler von Meteoschweiz. «Das hängt damit zusammen, dass die Bisenlagen, welche die Bildung von Nebel oder Hochnebel begünstigen, seltener geworden sind.» Weshalb dies so ist, lässt sich nicht sagen – wahrscheinlich seien vorwiegend natürliche Schwankungen dafür verantwortlich. Ein Einfluss des Klimawandels kann nicht ausgeschlossen werden, lässt sich aber bislang auch nicht bestätigen.

Vermutlich haben die Menschen auf andere Weise unabsichtlich zur Reduktion des Nebels beigetragen, nämlich indem sie sich um saubere Luft bemühten. Denn wie der Kondensstreifen hinter einem Flugzeug bilden sich auch Nebeltropfen dort, wo Staub oder Abgas in der Luft ist. Sauberere Luft heisst also weniger Nebel.

Den Aargau trifft es besonders stark

Ach so, deshalb liegt der Autobahnkanton Aargau so oft im Nebel, denken sich nun vielleicht von Vorurteilen belastete Menschen aus den Nachbarkantonen. Es stimmt, der Aargau ist tatsächlich häufig grau. Aber nicht wegen der Autobahn, sondern wegen der Flüsse. Nebel entsteht an den tiefsten Stellen einer Region, wo sich die kalte Luft sammelt. Das Mittelland, das wie eine Badewanne zwischen Alpen und Jura liegt, ist dazu prädestiniert. Und innerhalb des Mittellands sind es die Flusstäler, die am tiefsten liegen. Entlang der Aare, der Reuss, der Limmat liegt deshalb oft Nebel. Am stärksten trifft es den Aargau, wo die drei Täler zusammentreffen.

Doch wirklich schlimm ist es auch im Aargau nicht, zumindest im Vergleich zum Norden. Auf dem Brocken, dem mit 1141 Metern über Meer höchsten Berg in Norddeutschland, steht auf einem Schild geschrieben, wie viele Nebeltage es da jährlich gibt: 306. Ein unrühmlicher Rekord?

Nicht unbedingt. Ausgerechnet der Brocken steht einem Phänomen Pate, das ausserordentlich schön ist. Das Brockengespenst. Solche Gespenster tauchen nur bei Nebel auf, können ziemlich gross sein und verändern ihre Form geisterhaft. Bei genauer Beobachtung nehmen sie aber durchaus menschliche Züge an, ja, sie gleichen jeweils sogar ganz konkret der Betrachterin oder dem Betrachter. Er begegnet dem Gespenst aber nie, wenn er selber im dichten Nebel steht. Sondern am Rande einer Nebelzone, wenn er die Sonne im Rücken hat. Denn es ist sein eigener Schatten, der auf die Nebelwand projiziert wird, der ihm geisterhaft vorkommt. Da der Nebel in Bewegung ist, scheint auch die Schattengestalt fliessend gespenstisch seine Form zu verändern.

Der Schatten auf dem Nebel, genannt Brockengespenst, wird von der farbigen Glorie gekrönt. (Bild: Brocken Inaglory / Wikipedia)

Der Schatten auf dem Nebel, genannt Brockengespenst, wird von der farbigen Glorie gekrönt. (Bild: Brocken Inaglory / Wikipedia)

Angst vor dem Brockengespenst muss also niemand haben. Sein gutartiger Charakter wird in den Bergen manchmal sogar deutlich sichtbar: Es kommt vor, dass der Schatten eine Art Heiligenschein um den Kopf hat. Diese farbigen Ringe heissen Glorie. Sie sehen regenbogenartig aus und entstehen ebenfalls, wenn Lichtstrahlen auf Wassertröpfchen fallen und gespiegelt werden – die exakten Prozesse dahinter sind ziemlich komplex und hängen mit der Wellennatur des Lichtes zusammen.

Zu sehen sind Glorien oft auch vom Flugzeug aus auf den tiefer liegenden Wolken – um den Schatten des Flugzeuges herum. Noch näher mit dem Regenbogen verwandt ist der Nebelbogen, der bleiche Bruder des Regenbogens. Nur am äusseren Rand wirkt er gelblich und am inneren bläulich, dazwischen weiss, und dies in einem deutlich breiteren Band als beim Regenbogen. Das passiert, weil die Nebeltröpfchen kleiner sind als Regentropfen. Die einzelnen Farben, die wir aus dem Regenbogen kennen, überlagern sich und vermischen sich zu Weiss.

Das Nebelmeer fliesst über die Jurakrete

Wann und wo solche Phänomene sichtbar werden, ist allerdings nicht einfach vorherzusagen. Der Nebelbogen zum Beispiel ist bei allzu kleinen Tröpfchen nicht mehr sichtbar. Einfacher ist es mit dem Nebelmeer. Zwar ist es für Meteorologen äusserst schwierig zu prognostizieren, wo exakt die Obergrenze des Nebels ist und wann er sich auflöst. Doch mittels Webcams können Sonnenhungrige in Echtzeit verfolgen, ob sie die Pilatus-, Säntis- oder Weissensteinbahn über die Nebelgrenze bringt.

Der Nebelbogen ist ein enger Verwandter des Regenbogens. (Bild: Andreas Walker)

Der Nebelbogen ist ein enger Verwandter des Regenbogens. (Bild: Andreas Walker)

Wahre Nebelfans haben jedoch andere Ziele im Blick. Allen voran die Belchenflue. Dieser Bergkamm, der an der Grenze zwischen den Kantonen Basel-Land und Solothurn liegt, wird bei gewissen Bedingungen regelrecht von Nebelwellen überspült. Das passiert, wenn die Nebelobergrenze gerade etwa auf Gipfelhöhe (1099 Meter über Meer) liegt und zudem der Wind gegen die steile Seite der Flue bläst. Wer das einmal gesehen hat, findet es fast schon schade, dass es weniger Nebeltage gibt als früher.

Weshalb es der Nebel kalt mag

Luft enthält gasförmiges Wasser. Warme Luft kann sehr viel mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Wenn sich Luft abkühlt, kann deshalb der Punkt erreicht werden, wo sie nicht mehr den gesamten in ihr enthalten Wasserdampf aufnehmen kann. Dann beginnt das Wasser zu kondensieren, es bilden sich Tröpfchen, die wir als Wolke oder in Bodennähe als Nebel wahrnehmen. Das beobachten wir in der Schweiz in den kühleren Monaten von September bis ungefähr April. Während im Herbst und Frühling häufig Bodennebel auftritt, der sich rasch auflöst, legt sich im Winter oft eine hartnäckige Hochnebelschicht übers Flachland. (nsn)

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