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Interview

iPad in der Schule: «Es darf nicht einfach um einen Trend gehen»

Medienpädagoge Thomas Merz über Ablenkung als Herausforderung der digitalen Gesellschaft, Strategien für Schüler und die Schule der Zukunft.
Bruno Knellwolf
Thomas Merz ist Medienpädagoge und Prorektor der Pädagogischen Hochschule Thurgau. (Bild. Reto Martin)

Thomas Merz ist Medienpädagoge und Prorektor der Pädagogischen Hochschule Thurgau. (Bild. Reto Martin)

Schüler erzählen, dass in der Kantonsschule das iPad vor allem zum Gamen genutzt wird. Ist es möglich, beim Unterricht mit iPads diese Ablenkung zu verhindern?

Thomas Merz: Ablenkung ist natürlich eine der zentralen Herausforderungen der digitalen Gesellschaft. Das betrifft nicht nur die Schule, sondern genauso die Freizeit und die Arbeitswelt. Gerade darum müssen im Unterricht auch solche Fragen mit zum Thema gemacht werden.

Und das hilft?

Schülerinnen und Schüler müssen Strategien erwerben, wie sie sich trotzdem auf das Lernen konzentrieren können. Dazu gehört, sich auch gegenseitig darin zu unterstützen. Bei Gruppenarbeiten zum Beispiel eine entsprechende Rolle zu definieren oder zu lernen, wie man sich auch für unangenehme Aufgaben motivieren kann. Solche Selbst- und Sozialkompetenzen kann man nicht einfach voraussetzen, aber man kann sie gezielt erarbeiten und fördern.

Gibt es irgend einen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass der Unterricht mit iPads besser ist also ohne?

Der entscheidende Punkt ist nicht die Frage, iPad oder nicht. Sondern dass digitale Geräte neue Lehr- und Lernformen ermöglichen, die ohne gar nicht realisiert werden können. Wenn wir die Schüler auf die Welt vorbereiten wollen, die sie ausserhalb der Schule erleben, dann sind digitale Formen unerlässlich. Auch traditionelle Unterrichtsformen haben aber nach wie vor ihren Platz.

In amerikanischen Waldorf-Schulen werden Bildschirme aus dem Klassenzimmer verbannt. Rennen wir einem Trend nach, der bald keiner mehr sein wird?

Es darf hier nicht um die Alternative gehen, entweder möglichst viel Digitalisierung in den Schulen oder gar keine. Und es darf auch nicht einfach um einen «Trend» gehen. Schule muss aber die Schüler auf die tatsächliche Welt von heute und vor allem von morgen vorbreiten. Digitale Kompetenzen werden in immer mehr Berufen mit grösster Selbstverständlichkeit erwartet. Und wer Politik, wer Wirtschaft, wer Kultur von heute verstehen und gestalten will, muss verstehen, wie digitale Medien unsere Gesellschaft prägen und wie sie funktionieren.

Kinder verbringen sowieso schon viel zu viel Zeit vor dem Bildschirm. Müssten die Schulen nicht genau anderes als lange Bildschirmpräsenz bieten?

Die Schule der Zukunft braucht unbedingt auch medienfreie Räume. Spielen miteinander, einander zuhören, Naturerfahrungen, kreatives Spielen mit Material, handwerkliche Fähigkeiten, Musik, Sport, philosophische Gespräche gehören zentral zur schulischen Bildung. Und zugleich gehört auch ein kompetenter, mündiger Umgang mit Medien zu den Lernzielen. Gerade die schulische Nutzung digitaler Medien und deren Reflexion kann und soll auch dazu führen, dass die Schüler ihre Mediennutzung in der Freizeit hinterfragen. Das gehört übrigens auch ausdrücklich zum Lehrplan.

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