Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

ITALIEN: Familienparadies Südtirol

Nicht nur wegen des günstigen Eurokurses ist Südtirol so beliebt. Die kindergerechte Infrastruktur und die zahlreichen Freizeitangebote locken so manche Familie in die nördlichste Provinz des Landes.
Adrenalinkick: Im Hochseilgarten auf der Familienalm Taser oberhalb von Schenna kann man klettern, bergsteigen und die Höhenangst überwinden. (Bild: Sarah Coppola-Weber)

Adrenalinkick: Im Hochseilgarten auf der Familienalm Taser oberhalb von Schenna kann man klettern, bergsteigen und die Höhenangst überwinden. (Bild: Sarah Coppola-Weber)

Sarah Coppola-Weber

Ellen Gromann aus Kreuzlingen hat schon viel von Südtirol gehört. Viel Gutes. Als Reisebloggerin ist sie viel unterwegs, war aber noch nie in diesem Gebiet. Also packte sie letztes Jahr den Koffer und reiste mit ihrer Familie nach Völs im Schlerngebiet, den Nachbarort von Kastelruth, Heimat der Kastelruther Spatzen. Sie staunte über die herzlichen Menschen, die Ruhe ausstrahlten und ihr ein leichtes Lebensgefühl vermittelten. «Südtirol ist landschaftlich superschön, die kulinarischen Spezialitäten sind hochwertig und die Angebote qualitativ hochstehend», schwärmt sie.

Ferien auf dem Bauernhof sei eine tolle Sache und im Vergleich zu einer Ferienwohnung in der Schweiz viel günstiger. Südtirol biete eine Vielzahl an Freizeitmöglichkeiten, wie Schwimmen, Wandern, Kanufahren oder Reiten. «In Völs hatten wir alles, was wir brauchten. Es ist ein schönes Wandergebiet, hat einen Weiher zum Baden, und die Kinder konnten die freilaufenden Haflingerpferde auf der Alm streicheln.» Für die nächsten Familienferien in Südtirol hat sie die Destination bereits ins Auge gefasst: «Ich möchte gerne in Dorf Tirol Ferien machen.» Das Dorf liegt oberhalb Merans und abseits vom Rummel.

Viel Programm im Familienhotel

Katia De Nitti hat Südtirol vor vier Jahren als Fixpunkt für ihre Familienferien auserkoren. Die Heimweh-Italienerin fährt mit ihrer Familie meistens im Herbst dorthin, und immer wieder an einen anderen Ort. Nach einem Aufenthalt in Meran seien sie ins Trentino gereist, was ihnen aber nicht so gut gefiel, danach haben sie in Brixen Ferien gemacht und dann in St. Ulrich.

De Nittis Lieblingsstadt heisst Bozen: «Im Gegensatz zu Meran sind Bozen und Umgebung italienischer.» Wie sie auf die Feriendestination Südtirol gekommen ist? «Ich suchte nach einer Möglichkeit, mit einem Kleinkind in Norditalien Ferien zu machen, wollte aber nicht in eine Grossstadt wie etwa Mailand oder Turin reisen.» Mit Südtirol war eine interessante Alternative gefunden. «Es ist nicht so weit weg, das Essen schmeckt lecker, und die Gastfreundschaft ist hervorragend.»

Ferien im Familienhotel geniesse sie aber mit Vorsicht: «Bei der Fülle an Programmen, die dort geboten werden, ist es manchmal schwierig, auf eigene Faust etwas zu unternehmen», sagt sie. So ziehe sie lieber ein «normales» Hotel mit einem kleinen Spielzimmer vor, denn das sei es auch, was Südtirol ausmache: «Die Kinderfreundlichkeit haben die Südtiroler in der DNA, Kinderspielplätze und Ecken für die Kleinen gehören überall zum Standard.»

Waldtieren auf der Spur

Die kindergerechte Infrastruktur und die vielen Freizeitangebote locken so manche Familie nach Südtirol. Das wissen auch die Tourismusfachleute in Schenna, einem 2700-Seelen-Dorf oberhalb von Meran, und haben zu diesem Zweck ein Familienprogramm auf die Beine gestellt, das an «Alice im Wunderland» erinnert. Und das für alle Altersstufen etwas zu bieten hat – denn während grössere Kinder gerne Abenteuer und Nervenkitzel erleben und die Kleineren lieber Spielplätze unsicher machen und Tiergärten besuchen, gelangen Eltern oft schon bei der Ferienplanung an ihre Grenzen und fragen sich, wie sie sämtliche Kinderwünsche unter einen Hut bringen sollen und gleichzeitig auch selber auf ihre Kosten kommen.

Die Autorin hat in einem Selbsttest mit ihren drei Sprösslingen (13, 9 und 6 Jahre alt) ausprobiert, wie gut es sich in dem Dorf mit doppelt so vielen Gästebetten wie Einwohner Ferien machen lässt. Schon das Programm tönt vielversprechend: Reitausflug, Tierspuren-Wanderung, Ausflug auf die Familienalm, Hochseilgarten. Mit einem Pferdeausflug gelingt der Auftakt perfekt. Die Kinder sitzen hoch zu Ross, während die Eltern und der Pferdeführer die Zügel in der Hand halten.

Bei der Tierspuren-Wanderung mit der Kindergärtnerin Elisabeth Taibon Karnutsch starten wir mit einem Ratespiel und sind sogleich mitten im Thema: Welches Tier hat wohl diesen Tannzapfen angeknabbert? Woher stammen diese Löcher im Baumstamm? Und wer hat sich an diesem durchlöcherten Blatt satt gegessen? Elisabeth Taibon Karnutsch fordert die Gruppe auf, selber auf Spurensuche zu gehen. Alle paar hundert Meter werden die Funde untersucht, und die Kursleiterin liefert uns Informationen dazu.

Auf einem Parcours sollen wir herausfinden, was für Spuren Mensch und Tier hinterlassen haben: da ein Skelett, dort eine Feder oder ein Gebiss. Aber auch einen Kugelschreiber und einen Holzlöffel finden wir. Anschliessend lassen wir uns die einzelnen Tierspuren genau erklären. Von wem stammt dieses Gebiss? Welches Tier hat diesen Pfotenabdruck hinterlassen? Und was hat es mit dem Hirschgeweih auf sich? Apropos Hirsch: Zum Abschluss unserer Wanderung durchqueren wir ein Hirschgehege, sehen aber keine Tiere. Wir stehen schon unterhalb des Geheges, als sich plötzlich etwas regt im hohen Gras: Ein Hirsch taucht auf, dann zwei und schliesslich drei. Eines ist sicher: Beim nächsten Waldbesuch werden wir die Augen offen halten und bewusster auf Tierspuren achten.

Familienalm auf 1450 Metern

An unserem dritten und letzten Tag in Schenna fahren wir mit der Seilbahn auf die Familienalm Taser, die auf 1450 Metern liegt und sich seit 2000 ganz den Familien widmet: Sepp Gamper, selber Vater von drei Kindern, liegen die kleinen und grossen Gäste am Herzen. Vier Chalets mit zwölf Wohnungen und sieben Doppelzimmer gehören zum Familienhotel, das als erstes Südtiroler Hotel mit dem europäischen Umweltzeichen Eco Label ausgezeichnet worden ist und maximal 70 Gästen Platz bietet.

Ein Abenteuerspielplatz und ein Bergzoo laden die Kinder zu neuen Entdeckungen ein; beim Indianerdorf kann man Bogenschiessen üben und am Waldrand im Hochseilgarten die Höhenangst überwinden. Das machen wir: Unser Bergführer hilft uns beim Anziehen der Ausrüstung, erklärt und zeigt uns, wie wir uns mit den Karabinern an den Seilen festhaken sollen. Er begleitet uns, während wir uns von Baum zu Baum hangeln, die einen mutiger, die anderen weniger. Die grösste Mutprobe erfolgt zum Schluss, als Krönung des Ganzen: Wir rasen – an einem Seil hängend – mitten über die Wiese und müssen uns, sobald das Seil ausgeschwungen ist, selber daran abseilen.

Mit der Familienalm trifft Sepp Gamper, der umsorgende Gastgeber, den Nerv der heutigen Zeit: «Der Trend geht zurück zur Natur, das stellen wir eindeutig fest.» Er lebt das ganze Jahr über auf der Alm, die von Ostern bis Allerheiligen offen ist. Seine Frau zeigt den Gästen als Wanderführerin die schönsten Bergplätze, während er für Abwechslung in den Ferien sorgt, den stressgeplagten Gästen Ruhe vermittelt und ihnen Kraftorte zeigt, damit diese zu ihrem inneren Frieden finden.

Wandern und Schlemmen

Südtirol wird mit Vorliebe im Frühling und Herbst bereist, da dann angenehme Wandertemperaturen herrschen. Bei den Routen hat man die Qual der Wahl: Rund 17 000 Kilometer Wander- und Forstwege stehen zur Verfügung. So können zahlreiche Seen umrundet werden, in der Umgebung von Meran laden die Waalwege entlang den Bewässerungskanälen und in den Dolomiten die Sellaronda zur Erkundungstour, und auch die Naturpärke Texelgruppe und Schlern lohnen einen Ausflug.

Und im Herbst stehen die Erntedankfeste an, und «Törggele» ist angesagt – eine althergebrachte Tradition, bei der die Herbstprodukte degustiert werden. Das Wort stammt vom lateinischen «torquere» und bezeichnet den Zeitpunkt der Weinpresse. Die Buschenschenken – Gasthöfe, die sich in einem Weinanbaugebiet befinden und bei denen der Wirt gleichzeitig Weinbauer ist – hängten jeweils einen Zweig an den Eingang, um zu signalisieren, dass der frisch gepresste Traubensaft gekostet werden darf. In den Buschenschenken können auch Kaminwurzen (Salami), Speck, Knödel, Gerstensuppe, Schlutzkrapfen (Spinatravioli) oder Käse genossen werden. Ganz nach dem Südtiroler Motto: «Wandern und Schlemmen».

Von Ötzi bis zu den Erdpyramiden

Unterkunft: In Südtirol gibts eine Vielzahl an Pensionen (B & B), Hotels und Ferienwohnungen. Für Familien sei die Südtiroler Familienhotelkette mit 25 Betrieben erwähnt: www.familienhotels.com

Tipps:Reisebloggerin Ellen Gromann rät zu einem Besuch des Ötzi-Museums im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen, Führung empfohlen. Infos unter www.iceman.it, am 22. Mai Internationaler Museumstag und freier Eintritt, die Erdpyramiden in Ritten bei Oberbozen («sehenswert, aber relativ schlecht ausgeschildert», www.ritten.com) sowie das «Riverboarding» auf der Etsch (www.acquaterra.it, www.xsund.it).

Katia De Nitti kehrt gerne im Caffè Ristorante Walthers (www.walthers.it) auf der Piazza Walther in Bozen ein.
Infos zu Schenna:Tourismusbüro www.schenna.com (+39 0473 945 669), neu sind 19 Wanderungen zu fünf Themen im Büchlein «Unser grösster Schatz» zusammengestellt, mit Rätsel, Gewinnspiel und Geschenk. Für die Erzähl- und Spielewanderung, Kräuter- oder Tierspurenwanderung mit Elisabeth Taibon Karnutsch gibt es Infos beim Tourismusbüro.

Familienalm Taser: www.familienalm.com
Für den Hochseilgarten muss man sich anmelden: Tel. +39 0473 945 615.

Welches Tier hat am Tannzapfen geknabbert? Auf Spurensuche mit Elisabeth Taibon Karnutsch. (Bild: Sarah Coppola-Weber)

Welches Tier hat am Tannzapfen geknabbert? Auf Spurensuche mit Elisabeth Taibon Karnutsch. (Bild: Sarah Coppola-Weber)

Das Schloss Tirol auf einem Hügel über Meran war die Stammburg des Grafen von Tirol. (Bild: Sarah Coppola-Weber)

Das Schloss Tirol auf einem Hügel über Meran war die Stammburg des Grafen von Tirol. (Bild: Sarah Coppola-Weber)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.