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JAPAN: Die gemütlichste Millionenstadt der Welt

Hypermodern und gleichzeitig hochtraditionell, hibbelig und trotzdem immer entspannt: So ist Tokio – die Megametropole, die auch für Stil und Detailverliebtheit steht. Eine Entdeckungsreise zeigt, dass die Stadt weit mehr ist, als uns Bilder vermitteln.
Einen guten Überblick über die Grösse der Stadt erhält man von einem der vielen Türme, denn «unten» fühlt sich die Stadt kleiner an. Schön ist die Aussicht auf den prägnanten rot-weissen Tokyo Tower. (Bild: Marco Kamber)

Einen guten Überblick über die Grösse der Stadt erhält man von einem der vielen Türme, denn «unten» fühlt sich die Stadt kleiner an. Schön ist die Aussicht auf den prägnanten rot-weissen Tokyo Tower. (Bild: Marco Kamber)

Text und Bilder Marco Kamber

Eine erste Reise nach Tokio verspricht unzählige Entdeckungen: noch nie gesehene, grosse, unglaublich detailverliebte und ganz schön verrückte. Um sich auf einen Trip nach Tokio vorzubereiten, könnte man tagelang in Reiseführerbibliotheken verbringen und eine mehrseitige Liste von Sehenswürdigkeiten aller Art herausstreichen.

Doch die Schönheit der Stadt liegt nicht unbedingt nur in den Publikumsmagneten, sondern in den Momenten dazwischen: die frühmorgendliche U-Bahn-Fahrt, wenn alle unterwegs zur Arbeit sind. Das kleine Fenster in der Hintergasse, aus dem das kalte Neonlicht flackert. Die akribisch aufgehängten Hemden auf der Wäscheleine bei jenem Balkon im achten Stockwerk. Die Blumentöpfe, wie sie vor den Hauseingängen stehen – harmonisch nach Grösse nebeneinander plaziert, dass man gleich ein Foto machen möchte. Die Familie, die unter einem Kirschbaum steht und eine Viertelstunde voller Freude im Gesicht beobachtet, wie die Blütenblätter sanft von den Zweigen fallen.

Teppichböden und Jazz

Sie wird unvergesslich bleiben: die Stunde, nach der man zerknittert aus dem Langstreckenflieger ausgestiegen ist und zum ersten Mal japanischen Boden betritt. Wahrscheinlich verbrachte man die rund zwölf Stunden im Flugzeug damit, die Bilder Revue passieren zu lassen, die einem Filme, Magazine oder Erzählungen von Freunden von diesem Land vermittelt hatten. Wird es so sein?

Bestimmt anders: Filme verleihen uns, bis auf eher unbekannte Ausnahmen, das Bild einer ruhelosen Stadt – verrückt und verstörend. Doch so ist es nicht, wie man bei der Ankunft am Flughafen Narita merkt. Über flauschigen Teppichboden zieht man hier seinen Rollkoffer, im Hintergrund läuft sanfter Jazz. Und dann wird man ausgespuckt – in eine grosse Menschenmenge und gleichzeitig in eine Ruhe, wie man sie an europäischen Flughäfen nur kennt, wenn man mit dem letzten Flieger ankommt. So ist die Grundstimmung dann auch in Tokio: Man begegnet sich mit Respekt, wird niemals angerempelt und hegt feine Gesten.

Grünes Japan

Mit der Metro fährt man in die Stadt. Üppiges Grün und Reisfelder prägen die Landschaft. Kleine Wohnhäuser begrüssen einen nach einer halben Stunde, bis man sich nach einer weiteren halben Stunde die Augen reibt: Wie eine aufsteigende Klavierpartitur wachsen die Hochhäuser allmählich. Und dann ist man da, mitten in der Zehnmillionenstadt. Unser Ziel ist Harajuku – ein kleiner Metrobahnhof gleich neben einem der grössten Stadtparks, dem Yoyogi-Park. Ein Teil des Quartiers ist das brausende und nervöse Auffangbecken für alle jungen Leute, die als Manga-Figuren verkleidet durch die Strassen gehen und die Wirtschaft unter den Ständen ankurbeln, die allerlei bunten Krimskrams verkaufen. Eindrücklich! Aber auch anstrengend. Hat man die Nerven behalten, mündet man in die Harajuku Street und in ein überschaulich-gemütliches Spazierquartier von der Art, wie man es überall findet in Tokio.

Unzählige kleine Läden reihen sich hier. Viele Secondhand-Boutiquen, wo die Kleiderstangen nach Label bezeichnet sind und man wahre Schnäppchen einsacken kann. Was auch von der Konsumkultur der Japaner spricht: Mit dem hart erarbeiteten Geld kaufen sie sich gerne immer das Neuste – und wenn etwas Neueres kommt, gehts mit Taschen voll kaum Getragenem in den Secondhand-Laden.

Am Tresen oder im Izakaya

In Harajuku lässt sich aber auch mit der goldenen Kreditkarte shoppen: An der Miyuki Street finden sich Prada, Gucci und japanische Traditionshäuser wie Comme des Garcons. Und zwar stilvoll in feiner Architektur: So haben die Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron einige simple und einige kunstvoll komplexe Bauten für die Labels an der teuren Meile gebaut. Beim Besuch, der sich auch ohne etwas zu kaufen lohnt, kann man sich von den Verkäufern auch die Architektur erklären lassen.

Nach einigen Stunden Harajuku packt einen der Hunger. Dafür geht man am besten ins nahe Viertel Shinjuku auf eine Schüssel Ramen. Am langen Tresen sitzt man, bestellt und schaut zu, wie der Meister die japanische Suppe frisch zubereitet. Ob eine einfache Miso mit Nudeln und frischen Pilzen oder eine deftige Schüssel Tonkotsu mit frisch gebratenem Hackfleisch. Hier kann man auch den Alltag der geschäftigen Japaner beobachten. Nicht selten ein schön melancholisches Bild: Viele sitzen müde an der Bar, gern alleine, und schlürfen ihre Suppe nicht ganz geräuschlos hinunter. Dazu isst man knackigen Kabis mit Soja und trinkt ein grosses Glas Bier.

Wenn es langsam dunkel wird und die Neonschilder die Stadt in kühles Licht hüllen, erwacht das andere Tokio. Ein Spaziergang zum Golden-Gai-Quartier lohnt sich. Die Leute lachen, es qualmt aus den kleinen Grillhäusern, die selten mehr Platz als für sechs Personen haben. Im Viertel, das im Zweiten Weltkrieg nicht zerbombt wurde, geht man durch schmale autofreie Gassen und geniesst in einer kleinen Kneipe zuerst Rindsfiletspiesse und Tee, bevor man danach in feinen Bars Cocktails probieren geht.

Von der Metro bis zum Turm

Wer es rustikal mag, landet in einem Izakaya in einer richtigen japanischen Beiz, sitzt am Tisch, manchmal aber auch auf Tatami-Matten. Hier kann man viele Stunden mit günstigen Getränken und unzähligen Snacks oder Sushi verbringen. Für japanische Verhältnisse ist es hier eher laut und verraucht, aber es geht lustig zu und her. Izakayas sind beliebte Treffpunkte für Arbeitskollegen, die nach dem strengen Alltag ihre Gespräche locker und feuchtfröhlich weiterführen. Viele Izakayas sind nicht auf Touristen ausgerichtet, und so zeigt man, sofern man kein Japanisch kann, einfach mit dem Finger auf die Speisekarte und lässt sich überraschen.

Ab und zu sollte man sich ein Taxi gönnen: In ganz Japan, wo es Teil der Kultur ist, seinem Arbeitsgerät grosse Sorge zu tragen, kurven noch immer ausschliesslich Modelle aus den 90er-Jahren durch das verzwirnte Strassennetz. Oder man holt sich einen Metropass. Vor der ersten Reise mit der Bahn ist aber Konzentration gefordert. Hat man einmal die richtige Linie gefunden und ist am Ziel angekommen, kommt die zweite Herausforderung, den richtigen Ausgang der Station zu finden. Gerade die wichtige Station Shinjuku, wo in Stosszeiten jede Sekunde 400 Leute irgendwo ein- oder aussteigen. Tipp: vor der Fahrt schauen, welchen der Dutzend Ausgänge man nimmt, um auf der richtigen Strasse zu landen.

Atemberaubender Überblick

Wer Sightseeing-Energie hat, wird auch nach nur einer Woche in Tokio nicht mit dem Gefühl nach Hause gehen, zu wenig gesehen zu haben: Die berühmten Punkte sind schnell zu erreichen. Am besten schafft man sich auch einen atemberaubenden Überblick vom Dach eines Hochhauses. Dabei empfiehlt sich das Tokyo Metropolitan Government Office – quasi das Rathaus von Tokio. Aus 243 Metern Höhe erblickt man die Megastadt von oben. Dies kostenlos, allerdings sind Warteschlangen in Kauf zu nehmen.

Mönchische Ruhe

Tokio ist bekannt dafür, dass sich Hypermodernismus mit traditioneller Kultur vermischt. Ein Beispiel zeigt sich, wenn man durch den Yoyogi-Park spaziert. Der «Central Park Tokios», wie er oft beschrieben wird, ist eine Oase der Ruhe, wo Kids sich von ihrem Rendez-vous im nahen Harajuku erholen, mit 700 Jahre alten Bäumen, bietet verschiedene Spazierwege, die irgendwann alle beim grossen Eingangstor des Menji-Schreins münden. Dort wird die Mönchskultur fortlaufend gelebt und kann von Touristen beobachtet werden. Das Areal um den Tempel ist ein Ort der totalen Stille: Man hört das Rauschen der Bäume, sieht grüne Papageien oder Raben durch die Luft kurven und kann frische Luft tanken.

Buchquartier und Fischmarkt

Hingehen. Besonders lohnenswert sind das Buchquartier Jimbocho (beim Ginza-Viertel), Akihabara, «Electric Town» für Computernerds, Tsukiji als grösster Fischmarkt der Welt, das Udon-Restaurant hinter dem Senso-Ji-Tempel. Und Karaoke: Im privaten Raum kann man sich stundenlang vergnügen.

Feierabendstimmung im teuren Geschäftsquartier Ginza. (Bild: Marco Kamber)

Feierabendstimmung im teuren Geschäftsquartier Ginza. (Bild: Marco Kamber)

Lockeres Austauschen in einer Ramen-Bar im Golden Gai. (Bild: Marco Kamber)

Lockeres Austauschen in einer Ramen-Bar im Golden Gai. (Bild: Marco Kamber)

An jeder Ecke die Liebe zum Detail. (Bild: Marco Kamber)

An jeder Ecke die Liebe zum Detail. (Bild: Marco Kamber)

«Sakura»: Im April blüht die Stadt rosa. (Bild: Marco Kamber)

«Sakura»: Im April blüht die Stadt rosa. (Bild: Marco Kamber)

Gemütlicher Dorfcharakter in Harajuku. (Bild: Marco Kamber)

Gemütlicher Dorfcharakter in Harajuku. (Bild: Marco Kamber)

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