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JUBILÄUMSJAHR: Auf den Spuren Luthers

Unterwegs zu den Wirkungsstätten des grossen Reformators in Thüringen und Sachsen-Anhalt: Die Reise führt nach Wittenberg zur Schloss- und zur Stadtkirche, nach Eisenach und auf die Wartburg, wo Martin Luther das Neue Testament ins Deutsche übersetzte. Weitere Stationen sind die Städte Erfurt und Eisleben.
Die neueste Attraktion in Wittenberg ist das «360-Grad-Panorama 1517» von Yadegar Asisi, das im Zeitraffer die Ereignisse von vor 500 Jahren ins Szene setzt. (Bild: asisi/Tom Schulze)

Die neueste Attraktion in Wittenberg ist das «360-Grad-Panorama 1517» von Yadegar Asisi, das im Zeitraffer die Ereignisse von vor 500 Jahren ins Szene setzt. (Bild: asisi/Tom Schulze)

Gerhard Lob


Es luthert in Deutschland. Luther-Erlebnispfad, Luther-Meile, Luther-Wein, Luther-Ausstellung. Luther als Playmobil-Männchen. Luther, wohin man auch schaut. Und das gilt insbesondere für Mitteldeutschland, wo Martin Luther (1483–1546) gelebt und gewirkt hat. An unzähligen Orten wird des grossen Reformators gedacht, der nicht nur die deutsche Geschichte nachhaltig geprägt hat. Denkmäler glitzern rausgeputzt, Museen zeigen sich erneuert, didaktische Wege sind neu angelegt. Und überall wird betont, dass nicht allein die Person Luthers im Zentrum des Jubiläumsjahrs steht, sondern sein Werk und Wirken.

«Wir wollen überlegen, wo wir heute in Deutschland, Europa, ja der Welt Reform und Reformation benötigen», sagt Margot Kässmann, Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche Deutschland für das Jubiläumsjahr. Tatsächlich fiel etwa das Jubiläum zum 500.Geburtstag von Martin Luther im Jahr 1983 viel bescheidender aus, zumal die neuen Bundesländer wie Thüringen und Sachsen-Anhalt damals noch Teile der nicht gerade kirchenaffinen DDR waren.

Sich selbst zur Ikone gemacht dank der Hofmaler Cranach

Die Pforte an der Schlosskirche in Wittenberg gehört natürlich zu den Hauptattraktionen, auch wenn der Anschlag der 95 Thesen vom 31. Oktober 1517 – Anlass für das 500-Jahr-Reformationsjubiläum – keineswegs historisch verbürgt ist. Ein Gitter hält die Besucher zwar auf Distanz. Doch ununterbrochen werden Fotos und Selfies geschossen. Dabei lohnt sich auch ein Blick auf den Tympanon des Thesenportals: Christus am Kreuz vor der Silhouette von Wittenberg, geradeso als sei er in Deutschland gekreuzigt worden; davor kniend Luther mit der deutschen Bibel und sein Freund Philipp Melanchthon mit dem Augsburger Bekenntnis.

Überhaupt fallen die vielen Luther-Bilder und Luther-Darstellungen auf, auch im Inneren der Schlosskirche. Es erscheint wie ein Widerspruch für eine Person, welche den Bilderglauben vieler Gläubiger kritisierte und sich gegen Heiligendarstellungen der katholischen Kirche aussprach. Doch man weiss. Luther verdankte seinen Einfluss und Erfolg unter anderem der Tatsache, dass er sich selbst zur Ikone machte. Dank der Hofmaler Lucas Cranach Senior und Junior. Deren Bilderwerkstatt fertigte Porträts von Luther im Akkord an. Ein Blick in die Cranach-Höfe und Cranach-Häuser in Wittenberg lohnt sich.

Die Schlosskirche – mit den Grabmalen Luthers und Melanchtons – ist schon lange ein Pilgerort für Protestanten, genauso wie die Stadtkirche mit dem Cranach-Altar, wo 1521 der erste evangelische Gottesdienst gefeiert wurde. Dazu kommt das Luther-Haus, in dem Martin Luther mit seiner Frau Katharina von Bora und den sechs gemeinsamen Kindern wohnte – Anfang März wurde es pünktlich zum Jubiläumsjahr nach umfangreicher Renovation wiedereröffnet. Es beherbergt das grösste reformationsgeschichtliche Museum der Welt.

Nur wenige Schritte entfernt lockt seit vergangenem Herbst die jüngste Attraktion Wittenbergs: Das «360-Grad-Panorama 1517» von Yadegar Asisi. Was von aussen wie der Öltank einer Raffinerie aussieht, entpuppt sich im Inneren als ein Riesenrundbild, das versucht, die Ereignisse vor 500 Jahren in Szene zu setzen. Akustik und Lichteffektive sind so getrimmt, dass der Alltag über 24 Stunden im Zeitraffer vor dem Besucher abläuft. Von einem sechs Meter hohen Turm kann man ins Wittenberg der Renaissance eintauchen. Ob es damals in der kleinen Stadt an der Elbe mit etwa 2000 Einwohnern und weniger als 400 Häusern wirklich so geschäftig zu- und herging, darf bezweifelt werden. Im realen Wittenberg ist es heutzutage wohl nur am Reformationstag, dem 31.Oktober, so voll, wenn sich Gaukler, Musikanten, Wirte, Handwerksleute und fahrendes Volk in historischen Kostümen aus dem Mittelalter durchs Städtchen schieben.

Doch wer sich auf die Spuren Luthers begibt, muss damit rechnen, nicht allein zu sein. Dies gilt auch für das Städtchen Eisenach in Thüringen. Luther hat hier als Schüler von 1498 bis 1501 gewohnt, als «Kurrende», das heisst Sänger, der von Haus zu Haus zog, verdiente er sich Geld. Im Luther-Haus wird nicht nur an diese Zeit erinnert, sondern auch in einer eindrücklichen Dauerausstellung «Luther und die Bibel» dargelegt, welche Wirkung sein Werk auf Sprache, Literatur und Musik hatte. Im Erdgeschoss kann der Besucher spielerisch eine Münze einwerfen, um zu schauen, wie viele Jahre oder Jahrhunderte Ablass gewährt werden. Willkommen im Mittelalter!

Mit dem Tintenfass gegen die Teufelsfratze an der Wand

Ganz in der Nähe thront die Wartburg über Eisenach. Unzählige Male ist beschrieben worden, wie Luther 1521/22 als Junker Jörg hier das Neue Testament ins Deutsche übersetzte. «Es war allerdings nicht die erste Übersetzung ins Deutsche, und er hat es auch nicht ganz alleine gemacht», betont die Führerin bei der Tour durch die Burg, wohl wissend, dass diese beiden Auffassungen weit verbreitet sind. Neu und wirklich revolutionär war, dass Luther aus dem griechischen Original (nicht aus dem Latein) in die «sächsische Kanzleisprache» übersetzte. Und er konnte auf Mitarbeitende zählen. Als endlich die berühmte Luther-Stube erreicht wird, geht der Blick auf einen dunklen Fleck an der Wand. Auch um diesen rankt sich eine beliebte Legende. Denn Luther soll an der Wand eine Teufelsfratze gesehen haben, auf die er ein Tintenfass warf. Er wollte den Teufel verscheuchen, der ihn beim Übersetzen der Heiligen Schrift störte.

20 Jahre Rückblende: Nach erfolgreichem Schulbesuch in Mansfeld, Magdeburg und Eisenach liess sich der 17-jährige Luther im Mai 1501 als «Martinus Ludher ex Mansfelt» für das Sommersemester in die Erfurter Universitätsmatrikel eintragen. Nach einem Gewitter am 2. Juli 1505 gelobte er in Todesangst, Mönch zu werden, und trat als Novize in das Erfurter Augustinereremitenkloster ein. Bis heute sind dort die weiss-roten Bodenfliesen im Kapitelsaal zu sehen, über die Martin Luther als katholischer Mönch schritt. «Der Raum mit seiner dicken Säule in der Mitte und dem Gewölbe war vor 500 Jahren der einzige Raum, in dem Mönche das Schweigegelübde brechen und reden durften», sagt Pfarrerin Irene Mildenberger. «Er ist neben dem steinernen Altartisch in der Augustinerkirche, wo Luther aufgeregt seine erste Messe gelesen hat, eines der wenigen original erhaltenen Zeugnisse seines Klosteraufenthaltes.» Heute finden im heizbaren Kapitelsaal im Winter Gottesdienste statt.

Am 18. Februar 1546 starb Martin Luther im Alter von 62 Jahren in Eisleben, auf einer Reise, um einen Streit der Grafen von Mansfeld zu schlichten, und nicht daheim in Wittenberg: So schloss sich der Lebenskreis just in seiner Geburtsstadt, wo in seinem Geburtshaus eine Gedenkstätte eingerichtet ist und seine Taufkirche steht. Das Haus am Andreaskirchplatz 7 wird als Sterbehaus bezeichnet, der preussische Fiskus erwarb es 1862, richtete eine Gedenkstätte ein, die inzwischen modernisiert und mit einer Ausstellung in einem Anbau erweitert wurde. Beim Gang durch die Räumlichkeiten erhält man einen Eindruck, wie es damals gewesen sein könnte. Denn: Dieses «Sterbehaus» gilt nach letzten Forschungen nicht mehr als der historische Ort, an dem Luther verstarb – das wirkliche Sterbehaus war vermutlich das Stadtschloss, in dem sich heute das Hotel Graf von Mansfeld befindet. Dieses steht in nächster Nähe zur mächtigen St.-Andreas-Kirche, in der Luther seine letzten Predigten hielt. Bei Führungen wird dort die erst vor kurzem renovierte Kanzel gezeigt, auf der Luther sprach – fast wie die Reliquie eines Heiligen.

Gedenkstätten, Sonderausstellungen und ein einmaliger gesamtdeutscher Feiertag

Martin Luther war in seinem Leben viel unterwegs, obwohl das Reisen im 16. Jahrhundert nicht so komfortabel war wie heute. So gibt es etliche Lutherstätten in Deutschland. Für die hier geschilderte Reise wurde ein Auswahl getroffen: Eisleben (Geburts- und Sterbeort), Erfurt (Studienort), Eisenach (Teil der Schulzeit) mit der Wartburg (Bibelübersetzung) sowie Wittenberg (langjähriger Lebens-und Wirkungsort). Zu den Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt gehören fünf Museen: Geburtshaus und Sterbehaus (Eisleben), Elternhaus (Mansfeld), Lutherhaus und Melanchtonhaus (Wittenberg). Wichtige Luther-Orte in Thüringen sind neben Eisenach und Erfurt auch Arnstadt, Schmalkalden und Weimar.

Infos:Lutherland Thüringen www.lutherland-thueringen.de
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. www.martinluther.de
www.lutherstadt-wittenberg.de
Lutherjahr 2017 www.luther2017.de
Reformationsjubiläum www.r2017.org
App: «Luther to go»

Ausgewählte Sonderausstellungen:
Berlin:Der Luthereffekt. 500 Jahre Protestantismus in der Welt (12. April bis 5. November, Deutsches Historisches Museum im Martin-Gropius-Bau)

Wittenberg:Luther! 95 Menschen – 95 Schätze (13. April bis 16. Juli; 3. August bis 5. November, Augusteum/Lutherhaus)

Eisenach: Luther und die Deutschen (4. Mai bis 5. November 2017, Wartburg), «Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer: Luther aus katholischer Sicht» (13. April bis 5. November, Lutherhaus)

Kirchentag: Der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag wird vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg stattfinden.

Reformationstag: 2017 ist der 31. Oktober einmalig ein gesamtdeutscher Feiertag.

Anreise:Swiss bietet ab Zürich täglich Direktflüge nach Leipzig an. Von dort erreicht man im Zug oder Mietauto in Kürze Erfurt oder Wittenberg. Von Zürich aus gibt es auch gute Zugverbindungen über Frankfurt nach Erfurt bzw. Leipzig.

Ausflugstipps: Im Mittelalter galt Mühlhausen nach Erfurt als bedeutendste Stadt Thüringens. Die gesamte Stadtanlage mit der begehbaren Stadtmauer zeugen von der Bedeutung der einstigen Reichsstadt. Ein wenig bekanntes Juwel. Zwischen Erfurt und Eisenach befindet sich die schmucke Kleinstadt Gotha. Im Jahre 1820 wurde hier mit der Gothaer Versicherung das deutsche Versicherungswesen begründet. Das barocke Schloss Friedenstein dominiert das Stadtbild. Es war bis 1825 Residenz der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg sowie bis 1918 der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha. Das Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar war eines der grössten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Seit 1958 eine Nationale Mahn- und Gedenkstätte. www.buchenwald.de(lob)

Die Thesentür an der Schlosskirche Wittenberg. (Bild: PD)

Die Thesentür an der Schlosskirche Wittenberg. (Bild: PD)

Eine Weltkugel auf dem Wittenberger Marktplatz. Am 20. Mai wird «Weltausstellung Reformation» eröffnet. (Bild: Zöllner/Getty)

Eine Weltkugel auf dem Wittenberger Marktplatz. Am 20. Mai wird «Weltausstellung Reformation» eröffnet. (Bild: Zöllner/Getty)

Der Ort der Bibelübersetzung: Die Wartburg hoch über Eisenach. (Bild: Gerhard Lob)

Der Ort der Bibelübersetzung: Die Wartburg hoch über Eisenach. (Bild: Gerhard Lob)

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