Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KÄFER: Das erste Weltauto

Ferdinand Porsches bahnbrechende Vision der Vorkriegszeit wird zum meistverkauften Auto der Welt. Der Käfer erlebt einen unaufhaltsamen Siegeszug in den Wirtschaftswunderjahren und ist einst in Hitlers Auftrag entstanden.
Bruno Knellwolf
Der VW 38 aus dem Jahr 1938 mit einer aussen angebrachten Hupe und glattflächiger Stossstange. (Bild: Prestel)

Der VW 38 aus dem Jahr 1938 mit einer aussen angebrachten Hupe und glattflächiger Stossstange. (Bild: Prestel)

Bruno Knellwolf

Denkt man an Porsche, fährt ein Sportwagen aus Stuttgart vor. Doch eigentlich muss man den Namen mit einem Auto verbinden, das Geschichte hat wie ­keines sonst. Denn, der 1875 im böhmischen Mattersdorf in der Donaumonarchie geborene Ferdinand Porsche ist der Entwickler des VW Käfers. Ein Kultauto, das es vor 50 Jahren als Herbie zur Kinofigur gebracht hat und jahrzehntelang das meistverkaufte Auto der Welt war.

Ferdinand Porsche darf als drittes Kind eines Spenglers nicht studieren, interessiert sich aber stark für neue Gebiete der Technik: elektrische Anlagen und Verbrennungskraftmaschinen. Seine Begabung zeigt sich schnell. Wegen seiner mangelnden Schulbildung besucht er, ohne dort eingeschrieben zu sein, Vorlesungen an der Technischen Hochschule Wien. Gleichzeitig fertigt er erste Skizzen für ein Elektroauto an. Porsche sieht die Vorteile des elektrischen Fahrzeugantriebs wie das geräuschlose und abgasfreie Fahren – ein Visionär wohl auch aus heutiger Sicht. Er entwirft ein Fahrzeug, dessen Räder mit einem in der Nabe eingebauten Elektromotor versehen sind. Dieses Konzept präsentiert er Ludwig Lohner, der dem 22-Jährigen darauf 1897 eine Stelle als Entwickler in seiner Wiener Hof-Wagenfabrik anbietet. Drei Jahre darauf zeigt Porsche sein Fahrzeug, die Lohner-Porsche-Chaise, mit immerhin 50 Kilometern Reichweite an der Weltausstellung in Paris. Ferdinand Porsche wird über Nacht berühmt und entwickelt darauf ein Hybridauto, das mit Strom und Benzin läuft. Nun ist Porsche nicht mehr zu bremsen. Unter seiner Feder entstehen verschiedene ­ Autos, und vor dem Ersten Weltkrieg­­­ beschäftigt er sich auch mit Flugmotoren, wie Keith ­Seume in seinem Käfer-Buch beschreibt.

Porsche macht Mercedes

Der Weltkrieg endet für Deutschland und Österreich-Ungarn desaströs. Porsches Auto sind vorerst nicht mehr gefragt. Entmutigen lässt er sich nicht und denkt wegen des Erfolgs des ersten Massenautos in den USA, des Ford T, ebenfalls über ein Familienauto nach. Der Daimler-Konzern macht Porsche zum technischen Leiter in Stuttgart, wo er weitere beeindruckende Fahrzeuge entwickelt, die Daimler unter dem Namen Mercedes vermarktet. Sein Ziel, Autos für die grosse Masse zu bauen, kann er aber dort in diesen wirtschaftlich schwierigen 1920er-Jahren nicht verwirklichen. Er verlässt Daimler, geht für kurze Zeit zu Steyr in Wien und gründet darauf in Stuttgart die F. Porsche GmbH, um seine Dienste als freier Entwickler anzubieten. 1932 erhält Porsche ein lukratives Angebot aus der UdSSR, Chefkonstrukteur bei den Sowjets zu werden, lehnt aber ab. Dafür entwickelt er in Stuttgart seine Idee eines Volksautos weiter, in Zusammenarbeit mit der Firma Zündapp. Sein Auto «Projekt 12» hat schon Ähnlichkeit mit dem späteren Käfer.

Hitler verspricht den Sparern ein günstiges Volksauto

Richtig ins Rollen kommen seine Ideen aber erst mit dem Aufstieg Adolf Hitlers. Der Diktator und Führer der Nationalsozialisten will nicht nur ein Netz von Autobahnen erstellen, die Deutschen sollen auch mit dem eigenen Auto darauf fahren können – er selbst lernt das Autofahren allerdings nie. Hitler trifft Porsche und ist von dessen Ideen für einen Kleinwagen mit 26 PS begeistert. Am 12. Oktober 1935 präsentiert Porsche drei Prototypen der Serie VW 3. Nun folgte Serie um Serie, die getestet wird. Im April 1939 schenkt Porsche Hitler zu dessen Geburtstag ein Cabriolet des KdF-Wagens. Eines dieser Kraft-durch-Freude-Autos, die Hitler den ausgesuchten Sparern im deutschen Volke verschaffen will. So weit kommt es nicht. Der Ausbrauch des Zweiten Weltkriegs 1939 verhindert den Produktionsbeginn der KdF-Wagen.

Nach Kriegsende ist die ­Autoproduktion im zerstörten Deutschland schwierig. Bis 1950 laufen aber doch 86812 Käfer vom Band. Richtig in Schwung kommt die Produktion allerdings erst, als ausgerechnet Kriegsgegner England Volkswagen stützt. Nun beginnt die grosse, weltweite Erfolgsgeschichte des Autos von Ferdinand Porsche, die er selbst aber nicht mehr erlebt. 1951 stirbt der geniale Autobauer. 65 Jahre nach seiner Premiere und nach einer Produktionszeit von 58 Jahren läuft am 30. Juli 2003 im mexikanischen Puebla der letzte Käfer vom Band: mit der Nummer 21529464.

Keith Seume: VW Käfer. Das Buch. Prestel-Verlag 2017, 304 S., Fr. 52.90.

Der Superkäfer aus dem Jahr 1974: der VW 1303 mit grossen Rückleuchten, Elefantenfüsse genannt. (Bild: Prestel)

Der Superkäfer aus dem Jahr 1974: der VW 1303 mit grossen Rückleuchten, Elefantenfüsse genannt. (Bild: Prestel)

Das Cockpit eines 1957 für die USA gebauten Käfers. (Bild: Prestel)

Das Cockpit eines 1957 für die USA gebauten Käfers. (Bild: Prestel)

Ferdinand Porsche, genialer Konstrukteur und Erfinder des VW Käfers. Bild: Getty (Bild: Getty)

Ferdinand Porsche, genialer Konstrukteur und Erfinder des VW Käfers. Bild: Getty (Bild: Getty)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.