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KAMERA: «Die Landschaften rennen nicht davon»

Zur Aurora Borealis nach Nordnorwegen, zu den Berggorillas in Uganda oder in die Wüsten Ägyptens: Fotoreisen werden immer beliebter. Bei der Wahl des Anbieters und der Ausrüstung gibt es für Hobbyfotografen einiges zu beachten. Geduld und Kreativität gehören aber ebenso ins Gepäck wie ein gutes Stativ.
Die Suche nach der schönsten Bildkomposition – eine Gruppe auf Fotoreise in der Weissen Wüste, dem ägyptischen Teil der Libyschen Wüste. (Bild: www.fotoreisen.ch)

Die Suche nach der schönsten Bildkomposition – eine Gruppe auf Fotoreise in der Weissen Wüste, dem ägyptischen Teil der Libyschen Wüste. (Bild: www.fotoreisen.ch)

Natalie Ehrenzweig

Acht, zehn Menschen staksen mit Stativ, Fototasche und Kamera auf dem steinigen Strand umher, suchen den besten Bildausschnitt, den schönsten Lichteinfall, bauen alles auf, überlegen sich den Einsatz von Filtern. Dann nieselt es. Raus mit dem Lappen, es wird gewischt, denn die Linse muss trocken sein, damit das gewünschte Bild gestochen scharf wird. Dabei läuft schon mal der eine dem anderen ins Bild, um einen Bildausschnitt zu finden, den sonst niemand hat. Genau: So etwas erlebt man auf einer Fotoreise, zum Beispiel in Nordnorwegen.

«Eine Fotoreise und ein Fotoworkshop sind zwei verschiedene Konzepte», erklärt Dionys Moser von www.fotoreisen.ch. In einem Workshop werden zum Beispiel spezifische Themen behandelt, wie bewegtes Wasser. «Wichtig dabei ist, dass wir die Bilder vergleichen und besprechen. Das machen wir auf einer Fotoreise nicht. Wer so eine Reise bucht, muss seine Kamera bereits im Griff haben, denn die Zeit reicht nicht, jemandem unterwegs die Grundbegriffe des Fotografierens beizubringen», betont der Fotograf.

Auf einer Fotoreise, sei es zur Aurora Borealis nach Nordnorwegen, zu den Berggorillas nach Uganda oder zu den verschiedenen Völkern im Omo Valley in Äthiopien, machen die Guides selber auch Bilder. Und das bewusst. «Es geht dabei darum, den Teilnehmenden eine Bildidee zu zeigen, sie zu inspirieren», erklärt Dionys Moser. «Fotoreisen sind für Menschen geeignet, die gern ihr ‹Auge› schulen möchten und ihre Kenntnisse in bezug auf die Bildkomposition oder auch die Fototechnik erhöhen möchten», führt Stian Klo von Lofoten Tours weiter aus. Kein Notstromaggregat auf dem Vulkan Dionys Moser veranstaltet sowohl Landschafts-, Tier- als auch Kulturfotoreisen. «Am beliebtesten sind die Landschaftsfotoreisen. Ist ja auch klar wieso: Landschaften rennen nicht davon», erklärt er lachend. Es gibt noch andere Gründe, weshalb Landschaftsfotografie beliebt ist: «Es gibt vieles, das mich als Fotograf interessiert. Doch ich mag die Einsamkeit und Stille, die man als Landschaftsfotograf erlebt. Zuoberst auf meiner eigenen Reisewunschliste steht die Antarktis», erzählt Stian Klo. Wer sich nun also mit seiner Kamera auf eine Reise machen will, braucht Geduld und Kreativität. «Es dauert seine Zeit, bis man das richtige Motiv und optimale Lichtverhältnisse findet», sagt der norwegische Fotograf Klo. «Wenn es um die Ausrüstung geht, muss man seinen eigenen Anspruch und Bedarf klären», betont Dennis Polkläser, Guide bei Lofoten Tours. Fotoreisen sind meist teuer. (8 Tage ab ca. 3000 Franken – ohne Flug.) «Wir versuchen, wo möglich, mit Einheimischen zu arbeiten. Solche Reisen bedeuten immer einen grossen logistischen und organisatorischen Aufwand», erläutert Dionys Moser. Fotointeressierte aus allen Berufsgattungen und sozialen Schichten treffen auf solchen Reisen aufeinander. «Die einen können sich so eine Reise öfter leisten, die anderen sparen lange darauf hin. Aber das Interesse an der Fotografie verbindet, und es ergeben sich Kameradschaften quer durch die Gesellschaft», freut sich Moser. Das kann auch Christian Friedrich
bestätigen. Er hat sich in den letzten fünf Jahren vier solche Fotoreisen gegönnt: Weisse Wüste Ägypten, Isle of Skye, Äthiopien und jetzt die Lofoten: «Mit vielen habe ich immer noch Kontakt.» Der Berner «knipst», wie er selber sagt, schon etwa seit 1998. «2013 habe ich dann die einjährige Fotoschule absolviert, seither fotografiere ich», schmunzelt er. Seit einem guten Jahr gibt Friedrich selber Fotokurse an der Fotoschule Baur in Bülach. Auf die Lofoten kam er, weil er sich für das Nordlicht und die rauhe Küstenlandschaft interessiert. Das Niveau auf solchen Reisen sei oft recht unterschiedlich, «aber das macht es ja auch spannend».

Eigentlich reist Christian Friedrich lieber alleine, wenn er fotografieren möchte. «In einer Gruppe steht man sich schon mal im Weg, und man kann nicht sein eigenes Ding machen», gibt er zu bedenken. Doch gewisse Destinationen seien viel einfacher zu erreichen mit einer Fotoreise, auch wenn es dabei mal zu Pannen kommen kann: «Als wir in Äthiopien waren, waren wir drei Nächte auf einem Vulkan», erzählt Friedrich, «und wir hatten keinen Strom, um die Batterien der Kameras zu laden.» Denn als sie oben angekommen waren, stellte sich heraus, dass der Veranstalter das versprochene Notstromaggregat «vergessen» hatte. «Da mussten wir improvisieren», erinnert er sich. Auf den Fotoreisen schätzt er das Know-how der Guides, er lernt viel. Beispielsweise hatte ihm jemand einen guten Tip gegeben zum Fotografieren eines Panoramas, das aus vielen Bildern zusammengesetzt wird: «Auf dem ersten Bild links halte ich einen Finger ins Bild, auf dem letzten rechts ebenso. So muss ich bei der Bildbearbeitung nicht lange nach den Bildern suchen», sagt Christian Friedrich.

Wichtig sind gute Ortskenntnisse der Guides

Nach den Erfahrungen des passionierten Hobbyfotografen laufen diese Fotoreisen immer recht ähnlich ab: «Oft ist die Gruppe international, wie hier auf den Lofoten, wo wir Leute aus den USA, England, Deutschland, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Brasilien und der Schweiz sind. Da ist die Sprache unter den Teilnehmern in der Regel Englisch.» Zur Vorbereitung rät Christian Friedrich, sich im Internet Bilder von anderen Fotografen anzuschauen. So findet man möglicherweise Locations, die man auch besuchen wolle. «Bei der Auswahl der Reiseagentur empfehle ich, darauf zu achten, dass möglichst viele Einheimische involviert sind, die Gruppe nicht zu gross ist und der Fotoguide gute Ortskenntnisse hat.»

Bevor man sich auf die Suche nach einem Anbieter von Fotoreisen macht, hilft es, sich über seine Bedürfnisse klar zu werden. Trotz Vorbereitung erleben die Guides lustige Situation mit den Reiseteilnehmern: «Es hat schon die eine oder andere skurrile Frage gegeben», erzählt Dennis Polkläser. «Eine der schönsten bis jetzt war, wann denn der Wasserfall eingeschaltet werde.» Stian Klo fügt an: «Leute erwarten Bahnen auf die Berge und denken, man könne genau sagen, wann das Nordlicht komme.»

Per Zufall entdeckt

Aber es gibt auch erstaunliche Erlebnisse, wie sie Dionys Moser hatte: «Eine Frau wollte eigentlich nur durch die Weisse Wüste trekken. Das Trekking wurde aber wegen zu wenig Teilnehmern nicht durchgeführt. Sie kam dann einfach mit der Fotoreisegruppe dahin mit – in der Bauchtasche hatte sie einen kleinen Fotoapparat dabei. Sie hat trotzdem gute Bilder geschossen.» Zwei Jahre später schrieb sie Dinoys Moser, sie hätte sich in der Zwischenzeit eine gute Kamera gekauft und durch diese Reise ihre Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckt.

Objektive, Filter, Speicherplatz

Die meisten Fotoreise-Anbieter haben keine obligatorische Ausrüstungsliste. Um von so einer Reise optimal profitieren zu können, sollten aber folgende Dinge im Gepäck sein:

«Für Landschaftsfotografie ist ein Weitwinkelobjektiv wichtig, ausserdem Grau- und Grauverlaufsfilter», sagt Dionys Moser von www.fotoreisen.ch. Ob Tiere oder Landschaften – es gehört ein Stativ eingepackt. «Statt ein billiges zu kaufen, kann es sich lohnen, ein gutes, teureres zu mieten. Denn gute Stative mit Kugelköpfen kosten gut und gerne 1000 Franken. Das Gleiche gilt für Objektive», rät Moser. Zum Reinigen und Trocknen der Linse könne zum Beispiel ein Reisebadetuch benützt werden. Darüber hinaus ist Speicherplatz für die Bilder erforderlich, wie etwa ein Laptop oder Bildertank.


HINWEIS
www.fotoreisen.ch
www.lofotentours.com

Das Sujet der Begierde auf den Lofoten ist das Nordlicht – Aurora borealis. Die grüne Farbe entsteht durch Sauerstoffatome, die auf andere Teilchen treffen. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Das Sujet der Begierde auf den Lofoten ist das Nordlicht – Aurora borealis. Die grüne Farbe entsteht durch Sauerstoffatome, die auf andere Teilchen treffen. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Nicht nur die Berggorillas, die gesamte Tierwelt Ugandas fasziniert die Besucher. Ein Chamäleon posiert für die Teilnehmer einer Fotoreise. (Bild: www.fotoreisen.ch)

Nicht nur die Berggorillas, die gesamte Tierwelt Ugandas fasziniert die Besucher. Ein Chamäleon posiert für die Teilnehmer einer Fotoreise. (Bild: www.fotoreisen.ch)

Landschaftsfotografie in China: Gigantische Schluchten und Berge bilden hier die Kulisse. (Bild: fotoreisen.ch)

Landschaftsfotografie in China: Gigantische Schluchten und Berge bilden hier die Kulisse. (Bild: fotoreisen.ch)

Die Stative sind aufgestellt auf den Felsen an der Küste im Norden Norwegens. Bei Wind und Wetter warten Fotoreisende auf den Lofoten auf das gute Licht. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Die Stative sind aufgestellt auf den Felsen an der Küste im Norden Norwegens. Bei Wind und Wetter warten Fotoreisende auf den Lofoten auf das gute Licht. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

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