«Tatort»: Kein stures Gut und Böse

Mit diesem Fall verabschiedet sich Hauptkommissar Jens Stellbrink. Ein guter letzter «Tatort »mit Devid Striesow. 

Susanne Holz
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In sieben Folgen mit Devid Striesow alias Hauptkommissar Jens Stellbrink hat man das Saarland seit 2013 ziemlich lieb gewonnen. Und auch für den Saarländischen Rundfunk war der «Tatort» mit dem witzigen Stellbrink ein Quotenhit. Nun verabschiedet sich Nordlicht Striesow mit seinem achten Fall, Titel «Der Pakt», vom Publikum – auf eigenen Wunsch.

Er tut das mit der gewohnten Leichtigkeit und dem gewohnt unaufgeregten Charme. Zum Abschied darf zudem eine Lehrschwester namens Maria Krafft (Nina Vorbrodt) heftig mit ihm flirten: «Herr Stellbrink, falls Sie mich doch noch festnehmen möchten, hier meine Karte.» Die selbstbewusst sympathische Frau Krafft bildet junges Krankenpflegepersonal aus, das zu Beginn des Krimis Party macht. Schwesternschülerin Vanessa wird die Party nicht überleben.

Wer hat sie getötet? Der oberflächliche Schönling Dr. Sharifi (JascharSarabtchian), ein Assistenzarzt aus dem Iran? Oder der junge koptische Christ Kamal Atiya (El Mehdi Meskar), der zusammen mit seinem kleinen Bruder in Deutschland nur geduldet wird und deshalb illegale Flüchtlinge an die Ausländerbehörde verrät?

Der Chef der Ausländerbehörde, Dr. Hesse (Christian Intorp), ist eine bissige Karikatur des selbstgerechten Bürgers aus dem oberen Mittelstand. Wenn er beim familiären Grillieren die Gattin fragt: «Hast du gesehen, wie schön Laurenz den Schwenker angezündet hat?», dann ist das ziemlich abstossend. Dass aber der junge Kamal ganz ähnlich nur an die eigene Sippschaft denkt, indem er andere Flüchtlinge verrät, um den Bruder zu beschützen, das lässt die Saarländer wie so oft über den Tellerrand hinausblicken. Ein komischer, ein tragischer, ein guter letzter «Tatort» mit Striesow aka Stellbrink.

«Tatort» aus Saarbrücken: «Der Pakt». Heute, SRF 1, 20.05 Uhr.