Keine Lust auf Joggen in der aktuellen Hitze? Wir haben eine einfache Lösung

Keine Lust auf Joggen in der aktuellen Hitze? Wir haben eine einfache Lösung

Bild: Piroska Maurer

Wenn das Joggen in der Sommerhitze zur Qual wird, startet man am besten abends spät. Das führt zu besseren Laufzeiten – und ist gesünder.

Simon Maurer
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Geisterstunde. Gerade hat es zwölf Uhr geschlagen und ich mache mich bereit, loszurennen. Doch ich bin nicht auf der Flucht, renne weder von der Polizei noch von Gangstern davon. Denn heute nehme ich mir den erfolgreichen Politiker Frank Underwood aus «House of Cards» zum Vorbild und jogge in der Nacht statt am Tag.

Frank ist nicht der einzige Serienheld, der aus Zeitmangel immer nur in der Nacht rennt. Auch jüngere Sympathieträger wie Archie aus «Riverdale» oder Scott McCall, der «Teen Wolf», joggen lieber in der Dunkelheit. Da kann es nicht allzu falsch sein, der ungewöhnlichen Trainingsmethode eine Chance zu geben. Denn ich stelle mir den Lauf zu später Stunde entspannend vor: angenehme Temperaturen, freie Strassen und nur wenige Menschen.

In der Nähe einer Kirche renne ich los. Die Glocken läuten noch, und die Stimmung ist so wie ich sie mir vorgestellt hatte. Friedlich und gespenstisch schön, als würde hier kaum je ein Mensch vorbeikommen. Dabei rasten hier noch vor wenigen Stunden jede Menge Autofahrer durch.

Doch bereits nach wenigen Metern muss ich anhalten, mein gemütlicher Mitternachtslauf droht nun doch zu einer Flucht zu werden. Der Schlüsselbund klirrt bei jedem Schritt, so dass mir bestimmt bald die ganze Nachbarschaft auf den Fersen ist. Die erste Regel des Nachtjoggens habe ich schnell gelernt: Nie mit ganzem Schlüsselbund loslaufen!

Die zweite Regel ist naheliegender und hat mit dem Mond zu tun. An normalen Tagen empfiehlt es sich, nur gut belichteten Strassen entlang zu joggen. Auf dunklen Routen ist die Gefahr zu gross, sich die Knöchel zu verstauchen.

Bild: Yuchen Chang

In Vollmondnächten oder mit Stirnlampe gilt dies nicht, denn dann scheint der Mond so hell, dass sogar Gebäude einen Schatten haben. In solchen Nächten sind auch kleine, schlecht beleuchtete Routen am Stadtrand absolvierbar und Läufer werden mit einem atemberaubenden Sternenhimmel belohnt. Beachten sollte man aber auf jeden Fall Regel Nummer zwei: Nur bei guten Lichtverhältnissen joggen!

Zuletzt lohnt sich noch ein Blick auf den Kalender, wenn man den Wochentag nicht am Mondstand ablesen kann. An Freitagen und Samstagen füllen sich die Strassen mit Partygängern. Sie sind weniger scheu als Katzen und Füchse, die man sonst um diese Zeit trifft, und versperren auch mal ein Trottoir. Wer die Stille und Einsamkeit der Nacht schätzt, ist deshalb gut beraten, Regel Nummer drei zu berücksichtigen: Möglichst nicht am Freitag oder Samstag rennen gehen!

Meine gewohnte Joggingroute nähert sich bald dem Ende. Anders als die letzten Male schwitze ich fast nicht. Die Temperatur ist perfekt für einen Schlusssprint und dabei denke ich schon an den Proteinshake, der meine Muskeln heute Nacht besonders stark wachsen lassen wird, weil der Körper während dem Schlaf besonders gut aufbaut. Das Joggen in der Nacht soll übrigens auch deshalb gesund sein, weil der Organismus schon im Sommer an die etwas kälteren Herbsttemperaturen gewöhnt wird – und deshalb weniger schnell an einer Erkältung erkrankt.

Und schon stehe ich wieder vor meiner Haustüre. Kaum zu glauben: Auf Anhieb meine drittbeste Zeit über sechs Kilometer! Und das, obwohl ich als Student in der Lernphase der letzten Wochen das Joggen vernachlässigt habe. Eine kurze Internetrecherche bestätigt, dass ich nicht der Einzige bin mit dieser Erfahrung. Nachtjoggen verhilft vielen Hobbysportlern zu besseren Zeiten. Ob das an der Temperatur liegt – oder doch an den Mondphasen?

Einen Zweifel gilt es allerdings noch auszuräumen: Es heisst, das Joggen zu später Stunde hindere am Einschlafen. Das trifft nicht auf alle Läufer zu. Gerade junge sind ohnehin bis spätabends hellwach. Auch auf mich trifft es nicht zu: Ich schlief sogar schneller ein als sonst. Die Geisterstunde ist halt auch zum Schlafen angenehmer als die Höllenhitze vom Tag.

Die drei besten Nachtjogging-Routen der Schweiz:

Zürich: Auf den Spuren mittelalterlicher Diebe

Bild: sgm

Es gibt kaum eine Stadt, die ein grösseres Nachtjoggerparadies ist wie Zürich. Bereits der Start jedes Laufes wird in den Ausgangskorridoren des Bahnhofsgebäudes mit einer Lichtshow gefeiert.

Bild: sgm

Von da ist man schnell in der Altstadt und beim Sankt Peter, wo die engen Gassen und die flackernden Lichter einem das Gefühl geben, von der Obrigkeit verfolgt zu sein. Da fällt es leicht, nochmals einen Zacken zuzulegen und in Richtung Bellevue/Chinawiese zu flüchten. So müssen sich schon die mittelalterlichen Diebe gefühlt haben, als sie vor 500 Jahren die gleiche Strecke entlang rannten.

Basel: Durch die Stadt der Hindernisse

Bild: sgm

In der Stadt am Rhein gibt es eine Tradition, die Nachtjogger vermeintlich stört. Alle paar Tage stellen die Bewohner am Abend grosse und kleine Müllsäcke vor ihre Türen und versperren so die Strassen. Doch die wahren Sportsliebhaber haben sich längst an die Hindernisse gewöhnt und sie in ihr Training eingebaut. Alle paar Meter einen zusätzlichen Sprung über den Müllsack – und schon ist die Oberschenkelmuskulatur fit!

Wohnquartiere: Wo Fuchs und Katz die Strassen übernehmen

Nirgends trifft man weniger Menschen als in einer Arbeitstagnacht in den Wohnquartieren der Agglomeration. Im aargauischen Baden und der angrenzenden Gemeinde Wettingen kann man zum Beispiel einen speziellen Vorgang beobachten: In der Nacht übernehmen Tiere die Regentschaft über die Strassen. Füchse, Dachse, noch häufiger Katzen markieren ihre Reviere und starren eindringende Jogger vorwurfsvoll an. Manchmal flitzt sogar eine Fledermaus am Licht der Strassenlampen vorbei. Zumindest die Vierbeiner sind aber alles andere als ängstlich und springen erst weg, wenn man sich ihnen bis auf wenige Meter genähert hat.

Das sind die besten Songs für einen Lauf zu später Stunde:

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