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Interview

«Kindern tut es gut, wenn nicht nur die Mutter sie betreut»

Dass sie nicht Teil der Familie ist - aber doch mehr als eine Angestellte, macht die Arbeit der Nanny nicht ganz einfach. Und für die berufstätigen Frauen heisse es, sich vom Bild der «perfekten Mutter »zu lösen, sagt die Forschungsprojektleiterin Margrit Stamm.
Interview: Susanne Holz
Margrit Stamm, em. Professorin Uni Fribourg, Direktorin des Forschungsinstituts Swiss Education, Bern. (Bild: PD)

Margrit Stamm, em. Professorin Uni Fribourg, Direktorin des Forschungsinstituts Swiss Education, Bern. (Bild: PD)

Das Modell Nanny boomt. Die Praxis zeigt: Für eine Familie mit mehreren Kindern ist eine Nanny meist nicht teurer als der Krippenbesuch die ganze Woche. Doch haben es Nannys gar nicht so einfach. Zu diesem Schluss kommt das Forschungsprojekt «Mary Poppins» unter der Leitung von Margrit Stamm, Professorin emerita an der Universität Fribourg und Direktorin des Forschungsinstituts Swiss Education in Bern, sowie von Franziska Templer, Dozentin an der PH Bern.

Margrit Stamm, was hat Sie zu der jüngst abgeschlossenen Studie «Mütter und Schattenmütter: ­Nannys zwischen Kind und Familie» veranlasst?

Wenn es um Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, stehen fast ausschliesslich Kitas, Tagesfamilien und Grosseltern als Betreuungsinstitutionen oder -personen im Mittelpunkt. Kaum jemand spricht von der Betreuungsform der Nanny – obwohl sie immer attraktiver wird! Zwar gibt es keine gesamtschweizerischen Daten zur Frage, wie viele Familien eine Nanny angestellt haben, doch dürfte aufgrund unserer Hochrechnungen die Anzahl Nannys mehrere tausend bis zehntausend Personen umfassen.

Wird die Studie noch fortgeführt?

Ja, in Form einer Vertiefungsstudie zum Mama-Mythos, das heisst zur Frage, weshalb moderne Frauen sich trotz Berufstätigkeit in der Familie bis zur Erschöpfung engagieren. Diese Studie und die Nanny-Studie werden in ein Buch münden mit dem Titel «Der Mama-­Mythos – Warum Frauen in Kind und Familie überinvestieren».

Ihre persönliche Meinung: Wie viel Mutter darf/sollte eine Nanny sein?

Wollen Frauen moderne und vielleicht umfassend berufstätige Mütter sein, müssen sie ihre primäre und einzigartige Rolle als liebende und hingebungsvolle Mutter in der Familie aufgeben und eine gleichwertige externe Person – eben eine Nanny oder eine Grossmutter, eine Erzieherin in der Kita oder eine Tages­mutter etc. – akzeptieren. Das ist für viele Frauen eine riesige Herausforderung, denn dies erfordert einen Perspektivenwechsel von der perfekten Mutter zur lediglich «hinreichend guten Mutter». Doch unsere Studie zeigt: Kindern tut es gut, wenn sie nicht ausschliesslich von der Mutter überversorgt und perfekt betreut und gefördert werden. Eine «Schattenmutter» kann die Mutter­symbiose entschärfen und andere, aber ebenso wertvolle Erziehungsaspekte in die Familie einbringen.

Ihr persönliches Fazit nach Erhalt der Studienergebnisse?

Die Nanny-Lösung ist eine interessante und gleichzeitig anspruchsvolle Betreuungsform. Sie erlaubt den Müttern berufstätig zu sein und den üblichen Bring- und Hol-Stress in die und von der Kita zu minimieren und auch die Väter zu entlasten. Ein Pluspunkt ist auch der, dass die Kinder im häuslichen Umfeld bleiben können. Gleichzeitig werden Mütter enorm herausgefordert, weil die Nanny eine starke Bezugsperson wird und sie möglicherweise der Mutter als wichtigste Betreuungsperson den ersten Platz streitig macht. Viele Mütter haben Probleme, dies zu ertragen. (

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