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KLEINER WEGWEISER: Bald riechts hier nach Trester

Von Weindorf zu Weindorf wandert unser ­Autor diesmal und quert, ohne es zu merken, die grüne Grenze zu Deutschland.
Reben am Hallauer Berg – die Lese hat bereits begonnen. (Bild Melchior Rudenz)

Reben am Hallauer Berg – die Lese hat bereits begonnen. (Bild Melchior Rudenz)

Melchior Rudenz

Unweit der protestantischen Kirche von Rafz betreten wir den Wanderweg, marschieren eine kurze Strecke hoch und sind schon in den Reben. Und die begleiten uns den ganzen Tag. Denn wir wandern vom Weindorf Rafz ins Weindorf Hallau, zwei der bedeutendsten Deutschschweizer Rebbaugebiete. Allein in Rafz stehen über 20 Hektaren unter Reben, Blauburgunder zumeist und Müller-Thurgau, aber auch andere Rebsorten werden angepflanzt, wie Chardonnay oder Sauvignon Blanc. In Reih und Glied stehen sie da, teils von blauen Netzen eingehüllt, als Schutz gegen die frechen Vögel. Ein Schild verweist auf die Besitzerschaft: Staatskellerei Zürich. Wir mögen Regierung und Ratsherren den feinen Tropfen gönnen, man kann ja nicht nur Wasser predigen.

Die Lese hat bereits begonnen, die Helfer kommen offenbar, wie den Nummernschildern der parkierten Autos zu entnehmen ist, aus Deutschland. Dort sind wir inzwischen angelangt, nach einem Wegstück durch schönen, lichten Wald, und ohne dass wir es merken – grüne Grenze, Schengen pur. Wir queren den Weiler Berwangen, steigen noch etwas aufwärts, sind nach einem knappen Stündchen auf dem höchsten Punkt der heutigen Wanderung – 600 Meter über Meer –, setzen uns vor einer Kapelle auf eine Bank und gucken in die Ferne, wo man wahrscheinlich die Alpenkette sähe, wenns heute nicht so diesig wäre. Das schön hergerichtete Gotteshäuschen ist der heiligen Apollonia geweiht. Der Märtyrerin wurden vor bald 2000 Jahren die Zähne ausgeschlagen, weshalb sie jetzt die Schutzpatronin der Zahnärzte ist.

Das Dornröschen «Kätterli»

Gleich hinter der Kapelle steigen wir runter. Links sehen wir Pferdeweiden. Sie gehören zum Hofgut Albführen. Das prächtige Anwesen, mehrere Dutzend Hektaren umfassend, mit Hotel, Restaurant, Herrenhaus, Stallungen und Reithallen, gehört dem Autounternehmer und alt SVP-Nationalrat Walter Frey.

Wir steigen durch etwas düsteres Gehölz runter zu einem Flüsschen, sind jetzt wieder in der Schweiz, Kanton Schaffhausen genauer, und sehen das Wangental, wo einst die Mönche vom Kloster Rheinau Karpfen züchteten und die Herren von der Radburg hausten, von der wir allerdings nichts sehen. Der Legende nach soll dort des bösen Ritters brave Tochter «Kätterli» wie Dornröschen noch immer auf ihren Prinzen warten.

Gleich gegenüber liegt Bad Osterfingen, wo wir uns im dortigen Restaurant, am Fusse eines prächtigen Rebbergs gelegen, gerne einen Schluck Weissen gönnen würden. Leider Fehlanzeige, Montag Wirtesonntag. Wir kehren zurück, wandern erst etwas dem Wald entlang und dann über weites Feld Richtung Trasadingen. Wir sind im Klettgau, «Chläggi», wie die Eingeborenen sagen, das vom Schaffhausischen über den Landkreis Waldshut bis in den Aargau reicht. Hier tobte im 16. Jahrhundert der Bauernkrieg. Um 1700 ging das Klettgau an das böhmisch-österreichische Fürstenhaus Schwarzenberg, weshalb der bis vor wenigen Jahren als tschechischer Aussenminister amtierende Karel Schwarzenberg scheints nach wie vor einen Schweizer Pass besitzt.

Im Grenzdorf Trasadingen, begründet von einem Alemannen namens Trasamund, fragen wir zwei stramm daherschreitende Damen nach einer Wirtschaft. «Laufen Sie uns einfach hinterher, wir gehen auch dahin», ist die Antwort, und somit sitzen wir jetzt im Garten der Weinstube Rüedi, wo uns die freundliche Frau Regli erklärt, dass man hier auch nächtigen kann. Der Clou: Die Zimmer sind in gewaltigen Weinfässern eingerichtet, ausgestattet mit zeitgemässem Komfort. Sehr empfehlenswert, um mal an einem Wochenende von hier aus die Gegend zu erkunden.

Hoch über der Klettgauer Ebene

Weil wir den Weg zum Punkt Berghus nicht auf Anhieb finden, bitten wir einen eben um die Ecke biegenden Autofahrer um Auskunft. «Wenn Sie wollen, fahre ich Sie rauf», ist die Antwort. Wir lassen uns vom sympathischen Bauern Gysel vom Bruederhof nicht zweimal bitten, er macht noch schnell einen Abstecher zu seinen Kühen und Kälbern, und wir wiederum haben 100 Höhenmeter anstrengungslos hinter uns gebracht.

Wir wandern jetzt über den Wilchingerberg via Rummelen zum Hallauerberg, die Klettgauer Ebene mit den vielen kleinen Dörfern unter uns, links begrenzt vom Randen, dem letzten Ausläufer des Juras. Und überall Reben, so weit das Auge reicht. Die meisten Trauben, prall mit Saft gefüllt, hängen noch am Stock, aber auch hier hat die Lese schon begonnen. Bald wirds überall in den Dörfern nach Trester riechen, und wenn der heilige Maurizius, dessen Wallfahrtskirche hoch über Hallau thront, den Winzern weiterhin wohlgesinnt bleibt, dürfte der 2015er ein feiner Tropfen werden.

Kleiner Wegweiser

Route: Rafz–Berwangen–Bad Osterfingen–Trasadingen–Berghus– Rummelen–Hallau
Wanderzeit:5½ Stunden
Essen/Trinken:Albführen, Bad Osterfingen, Trasadingen, Hallau
Verkehrsverbindungen: Bahn (Zürich–Rafz; Stn. Wilchingen/Hallau–Schaffhausen–Rafz); Bus (Hallau-Stn. Wilchingen/Hallau)

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