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Als Auf-kleine-Bildschirme-Starren noch kein Mainstream war

Vor 30 Jahren kam der Gameboy auf den Markt und markierte einen Epochen-Wechsel.
Stefan Welzel
Stefan Welzel.

Stefan Welzel.

1989: Mauerfall, Rumäniens Diktator Nicolae Ceausescu wird hingerichtet, Vaclav Havel Präsident der Tschechoslowakei. 1989 ist ein Jahr, das in die Weltgeschichte eingegangen ist. Einige Historiker nennen es später das Ende des «kurzen 20. Jahrhunderts». Ein Ende bedeutet natürlich immer auch Anfang von etwas Neuem – entschuldigen Sie den Paulo-Coelho’schen Allgemeinplatz. Dessen spätere Erfolgsschnulze «Der Alchimist» kam übrigens schon ein Jahr früher heraus. Aber das ist eine andere Geschichte. Irgendwann wird man die Epoche um 1989 wohl die Wendezeit von analoger zu digitaler Ära nennen.

Für die Generation X, wie damals Heranwachsende irgendwo zwischen 13 und 25 Jahren genannt wurden, waren es auf jeden Fall einschneidende Jahre. Sie standen für die – zumindest so empfundene – Epoche eines Niedergangs, und zwar der kulturellen Sünden der 80er. Endlich: Götterdämmerung für seichten Pop, furchtbare Vokuhila-Frisuren, unsinnig breite Veston-Schulterpolster. Ach nein, Letzteres überlebte bis weit in die 90er – leider. Aber dennoch: Als Jugendlicher war man erlöst vom Gruppenzwang, die Krimiserie «Miami Vice» oder «Rambo»-Filme gut oder Madonna kultig zu finden. Es kamen bald: Nirvana, Tarantino, zerschnittene statt Röhrchen-Jeans und viel mehr. Und ja, das auch: der Gameboy (in Europa erst ab September 1990) – unscheinbares Symbol für fernes Wetterleuchten am nahenden High-Tech-Horizont, von dem man nicht wusste, was sich dahinter noch alles verbirgt. Eine solche Nintendo-Konsole mit sich zu führen, galt definitiv nicht als cool. Egal, an welchen (eingebildeten?) Neid anderer sich Generationsgenossen, die damals im Besitz des Gameboys waren, erinnern – und welche Retro-Allüren sie im Nachhinein pflegen. Mit dem Tetris-Spiel zu einer russischen Melodie wie ein Autist auf Kokain stundenlang auf ein kleines elektronisches Gerät starren? Geht gar nicht. Passt nicht zum Rebellenimage und zur No-Future-Attitüde der Generation X.

Aber: Mal bei einem Kumpel vorbeischauen, der so ein Ding hat und dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen verregneten Sonntag selber im Super-Mario-Land verbringen? Geht. Aber ja nichts davon erzählen, wenn man mit den coolen Jungs «abhängt». Es folgten: Sega Game Gear, Playstation, Handys, Internet, Smartphones. Willkommen im digitalen Zeitalter. Hat viel Gutes. Und dennoch: Manchmal wünscht man sich die Epoche des Gameboys zurück. Da war das stundenlange Anstarren eines kleinen Geräts noch ausschliesslich verwöhnten, kleinen Computer-Nerds vorbehalten.

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