Apropos: Hallo Nachbar

In der Kolumne «Apropos» schreibt Roger Rüegger über die Schwierigkeit, sich Namen und Gesichter zu merken.

Roger Rüegger
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Roger Rüegger

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Mit Namen ist es so eine Sache. Ich vergesse sie in der Sekunde, in der sich mir jemand vorstellt. An Gesichter erinnere ich mich aber. So glaubte ich.

Bis ich wenige Tage nach dem Swiss City Marathon Luzern, bei dem ich als Reporter zugegen war, eines Besseren belehrt wurde. Für Fotos, Videos und Quotes holte ich Leute vor die Kamera, die als Läufer oder Helfer im Einsatz waren oder als Zaungäste mitfieberten. Da waren die Laufgruppe aus Thailand (ohne Namen), die Schwestern Marina, Cecile und Jacqueline, die ihren Vater anfeuerten, oder die Pacemaker Reto und Robin.

Soweit so gut. Nun fragten mich kürzlich meine Nachbarn Patricia und Reto nach dem Artikel vom Marathon. Ich wollte wissen, warum sie Interesse daran haben. Patricia meinte: «Wenn Du schon Deinen Nachbarn interviewst und ihn nicht erkennst, will ich wenigstens wissen, was Du über ihn geschrieben hast.» Sie lächelte - ich wurde blass. Was meinte sie?

Dann schnappte ich nach Luft. «Der Pacemaker!» Jetzt lachte auch Reto. Ja klar. Die beiden sind Laufsportler. Die rennen fast täglich und bei jedem Wetter, eigentlich immer. Das erklärt, weshalb ich Reto nicht erkannte: Bei meiner Befragung stand er still.