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Berufsziel: «Girl Stunt Reporter»

Mediengeschichte
Lena Berger
Lena Berger

Lena Berger

Ich habe eine neue Heldin. Sie heisst Nellie Bly. Die Journalistin hat sich zehn Tage undercover in eine Irrenanstalt einweisen lassen und so aufgedeckt, dass die Patientinnen dort grausam misshandelt werden.

Irrenhaus? Darf man das noch sagen? Heute natürlich nicht mehr. Die Reportage von Nellie Bly erschien allerdings am 16. Oktober 1887 in New York. 2011 wurde sie erstmals als Buch auf Deutsch auf den Markt gebracht. Und erst 2018, genauer gesagt vor drei Tagen, habe ich das Buch «Zehn Tage im Irrenhaus» in der Stadtbibliothek zufällig entdeckt.

Einmal angefangen, habe ich es in einem Zug durchgelesen. Fasziniert von dieser selbstbewussten Frau und ihrem journalistischen Instinkt. Die Schreiberin gibt sich stellenweise geradezu aufgesetzt bescheiden und devot. Doch genau diese Rolle als Unschuldslamm ermöglichte es ihr überhaupt, sich einzuschleichen und die schockierenden Missstände öffentlich zu machen.

Mit ihrer Reportage begründete Nellie Bly die Ära der «Girl Stunt Reporter»: Davor schrieben Frauen praktisch nur über Mode und Gartenarbeit – jetzt gingen sie im Auftrag grosser Zeitungen in Gefängnisse, Fabriken und Armenhäuser und berichteten über das Leid, dem sie dort begegneten.

Hintergrund dieser Entwicklung war das rasante Wachstum des amerikanischen Zeitungsmarktes. Die Zahl der Tageszeitungen vervierfachte sich damals innerhalb weniger Jahre. Die Frauen sollten den Zeitungen dabei helfen, neue Leserschichten zu gewinnen und sich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Die Schicksalsgeschichten der Armen und Unterprivilegierten trafen den Nerv der Zeit – und befriedigten die Sensationslust der Leute.

Heute verändert sich die Medienlandschaft erneut – und zwar in rasantem Tempo. Der amerikanische Zeitungsmarkt ist eingebrochen – wieder braucht es innovative Ideen, um weiterbestehen zu können. Da inspiriert mich der Mut dieser Frau, die 120 Jahre vor mir geboren wurde und in der damals männerdominierten Medienwelt einen Text geschrieben hat, der heute noch berührt. Ich bin überzeugt: Gute Geschichten funktionieren. Egal, ob sie als Zeitungsbericht oder als Multimedia-Reportage im Internet erzählt werden.

Was es aber braucht, ist Engagement und Biss, um eine Story zu schreiben, welche die Leser noch 100 Jahre nach der Veröffentlichung mitreisst. Deshalb ist Nellie Bly nun mein Vorbild. Und ein bisschen auch, weil «Girl Stunt Reporter» einfach sackcool klingt.

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